Band III. Spez. Theil.
V. Abschnitt: Verletzungen des Hüftgelenks.
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Bei der Sektion fand sich das Geschoss im Ober-schenkelkopfe steckend. Selbstverrenkung des Ober-schenkels.
3. Bruch mit Trennung des Zusammenhanges.
83. D. Bl.,') Musketier vom 7. Westfälischen Infanterie-Regiment No. 56, verwundet am 16. August 1870 bei Marsla Tour durch Gewehrschuss. Eingang links, 4 Finger breitunterhalb des vorderen oberen Darmbeinstachels; Ausgangin der Mitte des grossen Gesässmuskels, in gleicher Höhemit der Eingangsöffnung. Ueberführung nach Courcelles,von da nach Mainz und dann zu Schiff nach Düsseldorf, wo erohne Verband und mit handgrossem Druckbrand anlangte.Zeichen eines Schenkelhalsbruches. Gelenk geschwollen. Wegendes Druckbrandes 5 bis 6 Monate lang in der Bauchlage erhalten.Zwischen der 6. uDd 8. Woche wird der in zwei Theile ge-spaltene Schenkelkopf und ein Stück des Halsesherausgezogen. Heilung. Narbe trichterförmig nach innengezogen und mit dem Knochen verwachsen. Hüftgelenk steif,Fuss nach auswärts gestellt, Verkürzung von 4 cm. Das Beingewährt eine geringe Stütze, ist im Uebrigen unbrauchbar.(Vergl. v. Langenbeck: März 1871. Eine hohe Sohle verdecktdie Verkürzung vollkommen, so dass der Gang sehr gut ist.)Dauernd ganzinvalide und zeitig gänzlich erwerbsunfähig.
1872: Verkürzung 10 cm; dauernd ganz erwerbsunfähigund dauernd verstümmelt.
1874: Zustand im Ganzen gut. Bl. kann das Bein nichtgut bewegen, aber leichte Arbeit verrichten. Von Zeit zu ZeitSchmerzen, besonders bei Witterungswechsel. (Vergl. Wind-scheid, 2. Kongr. 1873. L, S. 20; v. Langenbeck, Hüft-gelenk, S. 52, No. 17; Deininger, S. 298, No. 35 und S. 322,No. 37 und 37a; Berthold, S. 522.)
84. H., vom 2. Niederschlesischen Infanterie-KegimentNo. 47, verwundet am 6. August 1870-: Gewehrschuss. Eingangvorn rechts am grossen Rollhügel. Kugel steckt. Tod am25. August im Reservelazareth zu Karlsruhe.
Sektion: Furche von der Spitze des grossen Roll-hügels durch die obere Halsfläche, welche, sich allmäligerweiternd, ziemlich tief in den Kopf eindringt; von dem Endeein 2.2 cm langer Sprung gegen den Scheitel des Kopfes. Dieplattgedrückte Kugel hatte sich hier fest eingekeilt undwar mit grosser Mühe herausgezogen worden. Gelenk eröffnet,enthält wenig Jauche, Knorpel zerfressen. Der obere, hintere
] ) Die Feststellung der Persönlichkeit dieses Verwundeten hatgrosse Schwierigkeiten gemacht. Deininger hat S. 264 und 265genau geprüft, ob Windscheid's (Kongress 1873 I. S. 20) undv. Langenbeck's (S. 52, No. 17) namenloser Bergmann nicht Mus-, ketier D. Bl. vom 7. Westfälischen Infanterie-Regiment No. 56 war.Kr hdt sicli für die Annahme entschieden, dass es sich um zwei ver-schiedene Fälle handle, obgleich nach Windscheid's brieflicherMittheilung an D. Name und Regiment bei beiden gleich, und nurein Bl. vom Regiment invalidisirt ist. Der Grund war, dass derBergmann angeblich operirt ist und 1874 stundenlang gehen konnte,Bl. hingegen nicht operirt ist und 1872 als gänzlich erwerbsunfähigund verstümmelt anerkannt wurde. Was die Operation betrifft, sowurde auf dem Kongress nur erwähnt, dass „der gespaltene Schenkel-kopf und ein Stück des Halses herausgezogen ist", daher v. Langen-beck den Bergmann den erhaltend Behandelten beizählt. Erst ineinem späteren Briefe spricht Windscheid von „Resektion". Auchdas Auseinandergehen der Ansichten über die Brauchbarkeit der Gliederist nicht entscheidend (vergl. die Auseinandersetzung über die ver-schiedenartige Beurtheilung der Invaliden in der Einleitung S. 655).Deininger ist durch die Auffassung der Herausnahme des Kopfes als.Resektion« zur Annahme zweier Fälle veranlasst, und erklärt denNamen des Bergmanns als Verwechselung. Uebrigens ist derBetreffende Schreiner. (Deininger, S. 250.) Beide Krankengeschichtensind an dieser Stelle als nur einen Verwundeten betreffend angesehen.
Theil vom grossen Rollhügel abgetrennt. Die Kugel istder Länge nach abgeplattet, misst an der breitesten Stelle statt11mm nur 16 mm. Gewicht statt 25.og nur l.osg. Ein seit-licher Eindruck am vorderen Ende enthält Knochenstücke.(Vergl. Klebs, S. 30, No. 22; v. Langenbeck, S. 65, No. 53 ;Deininger, S. 330, No. 52.)
85. F. M., verwundet am 16. August 1870 bei Marsla Tour: Gewehrschuss. Eingang an der Aussenseite deslinken Oberschenkels, in der Richtung gegen den Gelenkkopf.Kugel steckt. Tod am 26. Oktober im Reservelazareth zuHeidelberg.
Sektion: Die Kapsel ist verdichtet und an einer Stellevon einem Splitter durchbrochen. Nach der Eröffnungderselben zeigt es sich, dass der abgesprengte Kopf in derPfanne liegt und nur noch durch den Splitter, welcher dieKapsel durchbohrt hat, mit dem Hals in loser Verbindungsteht. Er ist gesplittert und von tiefen Sprüngen durchzogen.Der Knorpel Überzug ist wenig verändert, die Splitter sindnicht abgestorben. Der obere Theil des Schaftes ist kugeligund enthält einen Kanal, an dessen Ende die Kugel fest inden Kopf eingekeilt ist. Nach Durchsägung des oberenSchaftendes zeigt sich ein Bruch dicht unter dem grossenRollhügel. Beide Rollhügel sind abgesprengt und derHals vollständig zertrümmert. Das untere Bruchende,ein Stück des grossen Rollhügels und des kleinen Rollhügelssind durch Kallus zu der kugeligen Masse verbunden.Sprünge nach unten. Thrombosen beider Schenkelblutadernund der rechten Iliaca. (Vergl. Arnold, S. 83, No. 102;v. Langenbeck, S. 66, No. 61; Deininger, S. 332, No. 61.)
8fi. F. K., Gefreiter vom 6. Thüringischen Infanterie-Regiment No. 95, verwundet am 21. Oktober 1870 bei Orleans:Gewehrschuss in die rechte Hinterbacke, ohne Ausgangsöffnung.Am 29. Oktober im Lazareth Versailles. 9. November: Schüttel-frost. 11. November: Tod an Pyämie.
Sektion: Die Kugel ist hinter dem massig zerstörtenGelenkkopf in das Gelenk eingedrungen und dort liegen ge-blieben. (Vergl. Kirchner, S. 54, No. 129; v. Langenbeck,S. 60, No. 18; Deininger, S. 316, No. 15.)
87. F. S., Jäger vom Brandenburgischen Jäger-BataillonNo. 3, am 7. September 1870 in Haidhausen (bei München) auf-genommen mit Schusswunde links unterhalb des grossen Roll-hügels. Vollständige Zerschmetterung des Gelenk-kopfes. Hohes Fieber, schlechter Eiter. Der schlechte Zustandverbot jede Operation. Nach 5 Tagen Tod an Pyämie.
Sektion: Kopf und Hals zersplittert und zerfressen,geringe Bildung von Kuochensprossen am Schaft. Eintrittsstelleder Kugel erkennbar durch die Eindrückung kleiner Splitterder Rindenschicht. (Vergl. Mayer, Kriegschirurgische Mit-theilungen aus dem Jahre 1870/71 in Deutsche Zeitschrift fürChirurgie, III. Bd. 1873. S. 74, No. 11.)
F. Verletzungen der Gelenkpfanne.
1. Mit Verletzung des Schenkelkopfes.
88. N., Musketier vom Oldenburgischen Infanterie-Regi-ment No. 91, verwundet am 16. August 1870 hei Mars laTour:Gewehrschuss in das linke Hüftgelenk, im Liegen. Das Geschossdrang von vorn ein, brach die Pfanne und theilweise denGelenkkopf. 4. September: Das Geschoss am Innenrande desGesässmuskels linkerseits durch Einschnitt entfernt; zugleichentleert sich eine grosse Menge blutigen Eiters; langwierigeEiterung und Ausstossung zahlreicher grösserer und kleinererKnochenstücke.