Band III. Spez. Theil.
V. Abschnitt: Verletzungen des Hüftgelenks.
ibi
Sektion: Schiefbruch des Schenkelkopfes, vomAnsatzpunkte des runden Bandes bis zum kleinenRollhügel, mit Zerschmetterung in 6 Splitter. (Vergl.Czerny, S. 63, No. 88; Deininger, S. 314, No. 6.)
70. Deutscher E. Gr.: Sehuss durchs linke Hüftgelenk. Erstin der 7. Woche wurde bei genauer Untersuchung der Schenkel-knochen zersplittert gefunden und der abgestorbeneKopf herausgezogen. 4 Wochen später Tod an Erschöpfung.(Vergl. im V. Band dieses Berichtes S. 513, No. 8; Billroth,Briefe, S. 228,No. 4; v. Langenbeck, S. 71, No. 11; Deininger,S. 300, No. 35.)
71. E. E., Gefreiter vom 1. Niederschlesischen Infanterie-Regiment No. 46, verwundet am 21, Oktober 1870: Gewehr-schuss in die linke Hüfte. Eingang vorn zwischen dem oberenDarmbeinstachel und Rollhügel; Ausgang fehlt. Schenkelkopfnicht fühlbar, Fuss nach aussen gedreht, Oberschenkel starkgeschwollen, aktive Bewegung im Hüftgelenk fehlt, passivschmerzhaft. Schmerzen sehr gering, der Finger fühlt in derWunde Knochensplitter. Die anfangs geringe Eiterung nahmmehr und mehr zu, etwa in der 3. Woche traten Schüttelfrösteauf. Tod am 24. November 1870 an Pyämie.
Sektion: Die Kugel hat bei ihrem Eintritt den vor-deren Darmbeinstachel zerschmettert, im weiterenVerlaufe das Hüftgelenk geöffnet und den Schenkel-hals zertrümmert. Die Splitterung erstreckt sich bis anden Rand des Gelenkkopfes, so dass dieser vollkommenabgetrennt ist; Verjauchung des Gelenks, das rundeBand ist missfarbig und stark verdünnt. Nach unten erstrecktsich die Splitterung bis zur Grenze des oberen Drittelsdes Oberschenkels, die Weichtheile sind zerfressen und ver-jaucht. An der hinteren Fläche des Schaftes unter dem Pectineusliegt die Kugel, auffallend zackig verändert; Kniegelenk undgrosse Schenkelgefässe frei. (Vergl. S. 587 dieses Bandes, No. XVII ;Kirchner, S. 53, No. 126; G. Fischer, S. 227, No. 37;v. Langenbeck, S. 59, No. 15; Deininger, S. 316, No. 12.)
72. Th. K., Musketier vom 1. Hanseatischen Infanterie-Regiment No. 75. Starb im Reservelazareth durch völlige Er-schöpfung in Folge starker Eiterung und ausgedehnten Haut-brandes am linken Ober- und Unterschenkel.
Sektion: Völlige Splitterung des Schenkelhalsesbis in den Kopf und den oberen Theil des Schaftes,Zerstörung des Gelenks, theilweise Zerschmetterung des' Kreuzbeins, in dessen oberem Theile eine Gewehrkugel steckte.
73. Deutscher S. T., verwundet am 6. August 1870 bei Wörth,gestorben am 29. August im Reservelazareth Karlsruhe. Schuss-
jliffnungen unter dem rechten Leistenbando nach aussen von derKittellinie und hinter dem rechten grossen Rollhügel. Das
•Hüftgelenk ist eröffnet und mit Eiter gefüllt, der Schenkel-hals gebrochen und vielfach gesplittert; vorn und hinten grosseund breite Sprünge in den Kopf. Der kleine Rollhügelist nebst den angrenzenden Knochentheilen in Form eines grossenSplitters abgesprengt. Vom tiefsten Punkt des grossen Roll-hügels läuft ein feiner Sprung nach unten. Die inneren Organesind hochgradig blutleer, ohne wesentliche krankhafte Verände-rungen. (Vergl. Arnold, S. 82, No. 32; v. Langenbeck,S. 66, No. 59; Deininger, S. 332, No. 59.)
74. P., vom 8. Pommerschen Infanterie-Regiment No. 61, am21. Januar 1871 ins Lazareth aufgenommen: Gewehrschuss, inschräger Richtung vom Rollhügel gegen das Hüftgelenk gehend.Kugel nicht zu finden, Entzündungserscheinungen anfangsgering. Am 28. Januar Schüttelfrost, reichliche Eiterung, Ver-jauchung des Hüftgelenks und der Gesässmuskeln. Am 8. Fe-bruar 1871 Tod durch Septicämie.
Sektion: Bruch des Schenkelhalses bis zum Kopf,Sprung des Schenkelknochens bis zum oberen Drittel.Vollständige Verjauchung der Weichtheile und des Gelenks.(Vergl. v.Beck, S. 600, No.62; v.Langenbeck, S. 63, No. 27;Deininger, S. 318, No. 21.)
75. K. E., Füsilier vom 3. Niederschlesischen Infanterie-Regiment No. 50, verwundet am 19. Januar 1871 am MontValerien: Gewehrschuss mit starker Splitterung desSchenkelhalses bis ins Hüftgelenk und des oberenTheiles des Oberschenkelknochens. Die Exartikulationwurde wegen zu hochgradiger Erschöpfung (Schock) unterlassen.Tod am Tage der Verwundung.
76. Ungenannter, verwundet durch Gewehrschuss. Ein-gang vorn in der Höhe des Hüftgelenks, dicht am Schenkel-nerv. Kugel steckt. Alle Erscheinungen wie bei Halsbruchausserhalb der Kapsel. Nach etwa 3 Wochen Erweiterung derWunde, Herausnahme der Kugel und des verjauchtenKopfes. Rundes Band erweitert. Brandiges Druckgeschwür.Tod am folgenden Tage. (Vergl. Billroth, S. 241; v. Lan-genbeck, S. 71, No. 12.)
77. H. b. T., vom 1. Turko - Regiment, verwundet am6. August 1870 bei Wörth durch Gewehrschuss. Eingang aufder rechten Hinterbacke. Bruch des Schenkelhalses. DauerndeZugstreckung. Am 14. August Schüttelfrost. Am 16. AugustEinschnitt hinter dem grossen Rollhügel und Herausnahme derKugel. Tod am 18. August 1870.
Sektion: Jauchung im Gelenk und längs der Ober-schenkelmuskulatur herab. Der Bruch geht vom oberenRande des Schenkelkopfes bis 2'/a cm unter demkleinen Rollhügel herab. (Vergl. Czerny, S. 64, No. 89.)
E. Verletzungen des Schenkelkopfes.1. Streifungen und Rinnenschüsse.
• 8. H. N., Musketier vom 1. Hannoverschen Infanterie-Regiment No. 74, verwundet am 6. August 1870 bei Spicheren:Gewehrschuss. Eingang vorn rechts in die Schenkelfalte.Kugel steckt. 15. August: Aufnahme im Lazareth zu Ziehwald.Durch den weiten Kanal fühlt man 4 cm tief den oberenDarmbeinstachel und Theile der Schaufel vonKnochenhaut entblösst und rauh. Der Verwundete konntedas Bein noch gut bewegen, war aber im Hüftgelenke empfindlich.Kugel nicht zu finden. Am 19. August wird ein Stück Kugelund eine Hosenschnalle aus dem Wundkanal entfernt. Leb-haftes Fieber, elendes Aussehen, reichliche jauchige Eiterung.Am 24. August plötzlich Irrereden. Am 26. August: Tod.
Sektion: Der zurückgebliebene Theil der Kugel war, nach-dem sie den Schenkelkopf gestreift, auf der Darmbein-schaufel sitzen geblieben, wo sich eine Brandhöhle mit Knochen-entblössung gebildet hatte. Im Gelenk Eiter. Am vorderenUmfange des Schenkelkopfes zeigen sich 2 Knochenverluste.Die eine sechsergrosse Stelle, vom Ansatzpunkte des rundenBandes 1 cm weit, ist flach; die andere, 1.5 cm, ist weiter nachaussen und hinten gelegen. (Vergl. II. Fischer, S. 199, No.225;v. Langenbeck, S. 56, No. 4; Deininger, S. 318, No. 16.)
79. Deutscher G. K., verwundet am 16. August 1870 beiMetz: Gewehrschuss. Eingang hinten rechts, 8 cm unterhalb desgrossen Rollhügels. Aufnahme im Reservelazareth zu Heidel-berg. Durch einen Kanal gelangte man in eine Höhle zwischendem grossen Gefässe und den Sitzbeinnerven, die mit demverjauchten Hüftgelenk in Verbindung stand. 13. Sep-tember: Tod.