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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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Band III. Spez. Theil.

V. Abschnitt: Verletzungen des Hüftgelenks.

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Im September 1873 im Garnisonlazareth zu Wiesbaden.Linkes Bein etwa 6 bis 8 cm verkürzt. Oberschenkelkopf aufdas Darmbein verrenkt und vollkommen beweglich. Die Gegendder Rollhügel durch massenhafte Kallusbildung stark auf-getrieben. Zwei Fistelöffnungen führen nach der Gegend desGelenks. Allgemeinbefinden sehr befriedigend. Gang gut.(Vergl. v. Langenbeck, S. 54, No. 24.)

48. B., Franzose vom 2. Zuaven - Regiment, verwundetdurch Gewehrschuss. Eingang vorn im oberen Drittel desOberschenkels. Kugel steckt. Sonde fühlte rauhen Knochen.Der obere Theil des Schenkelknochens mit dem Rollhügelwar in einer kallöseu Kapsel eingehüllt. Unterhalb der nochbestehenden Fistelöffnungen geringe Verdickung des Beines.Der Fuss stand mit den Zehen nach innen, die Ferse nachaussen gewendet. Nach der Wundheilung war B. auf Krückenherumgegangen, wonach das schon verkürzte Bein noch kürzergeworden sein soll. Nach 6 Monaten wurde zur Entfernungdes abgestorbenen Knochenstückes Chloroformbetäubung vor-genommen. Es bestand deutliches Knarren, die Beugungwar nur in sehr geringem Maasse möglich. Der Kallus liess sichmit starkem Messer noch schneiden. Der ganze abgestor-bene Schenkelkopf mit dem halben Halse wurde dannmit einiger Anstrengung aus dem eiförmigen Loch,woselbst er eingekeilt war, entfernt. Der Knochenwar von Bein- und Knorpelhaut eutblösst und übelriechend, dieKugel nicht zu entdecken. Das Knarren war durch '/ 4Cm hoheKnochenauswüchse der inneren Fläche des Knochens, welche beidem Auswärtsrollen nachgegeben hatten, entstanden. Späterleichte Wunddiphtherie, Eitersenkung, Gegenöffnung, Drainage.Heilung. (Vergl. im V. Band dieses Berichtes S. 666; v. Beck,S. 892, No. 1; v. Langenbeck, S. 73, No. 23; Deininger,S. 300, No. 38.)

49. Capitaine de M., verwundet am 2. Dezember 1870bei Artenay: Gewehrschuss. Eingang links 4 cm unterhalb desoberen Darmbeinstachels, hart an der Aussenseile der Schlag-ader. Kugel sass unter der Haut des rechten Sitzbeinaus-schnittes. Gelenk geöffnet und Blase ausserhalb des Bauch-fells durchbohrt. Es trat anfangs starke Blutung aus der Wundeund wiederholt schmerzhafte Entleerung von Blut aus der Harn-röhre auf. Urin ftoss nie durch die Gelenkwunde aus, sondernwurde ohne Schmerzen auf natürlichem Wege willkürlich ge-lassen. Sehr heftige Schmerzen, hohes Fieber. Am 15. De-zember: Ausfluss von Eiter und Urin aus der Eingangsöffnung.(Der durch die Harnröhre entleerte Urin setzt ebenfalls viel

Fiter ab. In Rückenlage halbsitzend mit aufruhendem Ober-schenkel in Beugung von 80°, Knie gebeugt. Vordere Gelenk-Pjgegend stark geschwollen, sehr schmerzhaft gegen Druck.1 ^chenkelschlagader durch Gelenkgeschwulst hervorgedrängt,pulsirt oberflächlich. Knochen knarren in der Gelenkgegendundeutlich gefühlt. Jede Bewegung im Gelenk, oder Versuch,die Lage zu verbessern, vom Verwundeten verhindert.

Am 1. Januar 1871 Abnahme der Eiterung. Wiederholtangerathene Gewichtsstreckung stets verweigert. VollständigeVernarbung der Wunde am 1. März 1871. Gelenk bereits festverwachsen, aber noch geschwollen, sehr empfindlich gegenDruck. Starke Abnahme der Kräfte und massiges Fieber.(Vergl. Chipault, Fractures par armes ä feu, Paris 1872,S. 51, No. 58; v. Langenbeck, Deutsche militärärztliche Zeit-schrift 1873, S. 23. Derselbe, Hüftgelenk, S. 47, No. 1.)

50. B., Füsilier vom 3. Garde-Grenadier-Regiment (KöniginElisabeth), verwundet am 30. Oktober 1870 bei Le Bourgetdurch Schuss in die rechte Hüfte. Die Kugel dransr an derInnenseite des rechten Oberschenkels dicht unter der Leisten-

falte ein, brach den Schenkelhals und trat hinten in derMitte zwischen oberem Darmbeinstachel und grossem Rollhügelwieder aus. 6 Wochen lang Gypsverband in Gonesse. Dezember1870: Ueberführung nach Düsseldorf, im September 1871 nachBrandenburg. Im Dezember war der Verwundete einige Malausser Bett gewesen und mit Krücken im Zimmer auf- undabgegangen. Im Januar 1872 wird, bei noch bestehenderEiterung an der rechten Hüfte, beginnende Tuberkulose fest-gestellt. Tod am 4. September 1872.

Sektion: Allgemeine Tuberkulose und Amyloidentartung.Schenkelhalsbruch durch feste Bandmassen geheilt.(Vergl. IV. Band dieses Berichtes, S. 94, No.lX, A. 6. Tf. XXIII,Fig. 1 und 1 a.)

51. J. Seh., Soldat, verwundet am 6. August 1870 beiWörth: Gewehrschuss. Eingang in Höhe des linken grossenRollhügels, 4 cm hinter demselben. Ausgang 5 cm unter demLeistenbande. Zersplitterung des Schenkelhalses. Erst Gyps-verband, dann Schwebe. Am 8. November Unterbindungder Schenkelschlagader wegen Blutung.

Im Januar 1871 Ruhr, im Februar Ruhr mit hohem Fieber.Gestorben am 12. Februar 1871 an Erschöpfung.

Sektion: Splitterung des Halses; das Hüftgelenkeröffnet, bereits fest verwachsen, alle Splitter durchKallus verlöthet; grosse Dickdarmgeschwüre. (Vergl. So ein,S. 135, No. 9; v. Langenbeck, S. 53, No. 19; Deininger,S. 314, No.2 und im V.Bande dieses Berichtes S. 619, No. 107.)

52. P. IL, Grenadier vom 4. Garde-Grenadier-RegimentKönigin, verwundet am 18. August 1870 durch Gewehrschuss.Bruch des linken Schenkelhalses. Starke Verkürzung desBeines, Rollung nach aussen. Zuerst Lagerung in einer Draht-hose, welche nicht vertragen wurde; dann einfache Lagerungzwischen Kissen. Bald trat hohes Fieber ein, dann Blutungenund Durchfälle. Am 11. September: Tod an Erschöpfung inFolge von Pyämie.

53. A. B., Sergeant vom 7. Ostpreussischen Infanterie-Regiment No. 44, verwundet am 27. November 1870: Gewehr-schuss in die linke Hüfte. Eintrittsöffnung an der Hinter-backe. Austrittsöffnung nach innen vom grossen Rollhügel; imFeldlazareth Drehung des stark verkürzten Schenkelsnach innen; Halsbruch. Anwendung der doppelt geneigtenEbene und Eisblase. Am 5. Dezember Schüttelfrost; vom7. Dezember an stetig zunehmende heftige Jauchung. Am18. Dezember: Tod.

54. M., vom Hannoverschen Füsilier-Regiment No. 73,verwundet am 14. August 1870: Gewehrschusskanal, beginnendlinks zwischen Rollhügel und Steissbeinspitze, mündend an derVorderfläche des Schenkels in der Höhe des Schenkelhalses;Bruchlinie schräg von aussen nach innen und unten;starke Verschiebung und Verkürzung. Mitte Oktober starkeEiterung, Bildung von Eiterherden an der hinteren Seite desHüftgelenks; Absterben der Bruchenden, starker Kallus. TodAnfang Dezember an Pyämie. (Vergl. Koch, Archiv für klinischeChirurgie, S. 508; Deininger, S. 320, No. 33.)

55. R., vom 2. Westfälischen Infanterie-Regiment No. 15(Prinz Friedrich der Niederlande), verwundet am 14. August1870: Gewehrschuss. Eintritt 1 Finger breit neben der Scham-fuge auf dem linken wagerechten Schambeinast, lochförmigeAusgangsöffnung auf der Aussenfläche des grossen Rollhügel.Anfangs bei Anwendung der schiefen Ebene und Zugstreckunggutes Befinden, massiges Fieber, geringe Absonderung. Am15. Oktober keine Splitterung des Kanals nach dem Gelenkzu erkennen. Später bildete sich ein Eiterherd um die Bruch-stelle des Schenkelhalses, der sich nach der Ueberführung

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