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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
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Band III. Spez. Theil.

V. Abschnitt: Verletzungen des Hüftgelenks.

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Schafte und dem hinteren Stücke zusammenhängt. Die Bein-haut des Halses um die Kapsel und ein Stück des Knorpelssind an der oberen Fläche zerstört. Ein rundes Stück vominneren Pfannenrande vom Durchmesser der Kugel istausgebrochen. Von hier beginnt ein halbkreisförmigerSprung durch die Pfanne und schräg durch die Weichtheiledes eiförmigen Loches ein Schusskanal, dessen Wandung mitkleinen Knochensplittern übersät ist. (Vergl. Klebs, S. 29,No. 20; v. Langenbeck, S. 64, No. 51; Deininger, S. 326,No. 40.)

D. Verletzungen des Schenkelhalses.1. Streifungen.

35. Franzose R., verwundet am 18. August 1870 beiGravelotte: Eingang vorn rechts, 8 cm unterhalb des Darm-beinstachels und etwas nach hinten. Kugel steckt. Schenkeleinwärts gedreht und in starker Beugung feststehend.Druck auf Leistengegend und Bewegungsversuchesehr schmerzhaft. Temperatur 40 °. 29. August: Eröffnungeines Eiterherdes auf dem Gesäss. 14. September: Heraus-

{. nähme eines Knochensplitters. 16. September: Heraus-nahme eines Stücks der Kugel und Abends des Restes derselbenmit der Kornzange. Verminderung der Eiterung. Bein imHüft- und Kniegelenk gebeugt. Allmälige Streckversuche. Am10. Februar 1871 geheilt entlassen. (Vergl. v. Langenbeck,S. 51, No. 12; Deininger, S. 330, No. 53.)

36. M. K., Grenadier vom 2. Garde-Regiment z. F., ver-wundet am 18. August 1870: Gewehrschuss in die rechte Hüfte,am Hüftbeiukamm eindringend und den Schenkelhals ver-letzend; Gewehrschuss an den rechton Oberarm. Zuerst guterVerlauf. 28. August: Tod an Starrkrampf.

37. II. P., Füsilier vom 2. Westfälischen Infanterie-Regi-ment No. 15 (Prinz Friedrich der Niederlande), verwundet am14. August 1870: Gewehrschuss durch die rechte Hüfte. Ein-gang am Oberschenkel, 5 cm unterhalb des grossen Rollhügels;Ausgang am Sitzknorren; Hals gestreift. Am 20. Augustim Feldlazareth Courcelles starke Eiterung; Verband mit Chlor-kalklösung. 20. September: Andauernde reichliche Eiterung,Abmagerung; Karbolsäureverband. 14. Oktober: Eiter übel-riechend. Im November Ruhr. 4. Dezember: Tod in höchster

*\ Erschöpfung.

2. Einkeilungen des Geschosses.

K 38. E. K., Wehrmauu vom 3. Poseuschen Landwehr-Regi-h''nt No. 58, verwundet am 7. Oktober 1870 vor Metz: Gewehr-sclmss in die rechte Gesässgegend. Das Geschoss drang ungefährin der Mitte zwischen letztem Kreuzbeiuwirbel und grossemKollhügel ein und blieb stecken. Am 3. November traten imFeldlazareth Ennery Zeichen heftiger Hüftgelenkentzün-dung mit der charakteristischen Haltung des Schenkels ein;reichliche Eiterung, nicht übelriechend. Die Kugel wurde trotzwiederholten Suchens nicht gefunden, ebensowenig konnte einKnochenbruch entdeckt werden. Mit Nachlass der Entzün-dung und Abnahme der Eiterung trat Besserung des Allgemein-befindens ein. Am 23. Dezember wurde die Kugel nach Er-weiterung des Wundkanals herausgezogen; sie steckte imSchenkelhalse, welcher nicht gebrochen war. K.wurde geheilt.

39. E. S., Füsilier vom Magdeburgischen Füsilier-RegimentNo. 36, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour durchSanitäts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Spez. Theil.

Gewehrschuss. Am 23. August Ankunft in Ems. Die Kugelging durch die rechte Hinterbacke, traf das linke Sitzbeinund den Schenkelhals, in welchem sie wahrscheinlich steckenblieb; es trat wiederholt Blasenkatarrh auf.

7. März 1871: Heilung. Bewegung war nur mit Krückenmöglich, das Gelenk vollkommen steif, der Schenkel halbgebeugt und um 8 cm verkürzt. Ganzinvalide, zeitig gänz-lich erwerbsunfähig und verstümmelt. In der Liste standKnochenquetschung" verzeichnet. (Vergl. Berthold, S. 521;v. Langenbeck, S. 50, No. 9; Deininger, S. 322, No. 34.)

40. P. Seh., Ulan vom Westfälischen Ulanen-RegimentNo. 5, wurde mit einer Gewehrschusswunde des linken Ober-schenkels am 27. Dezember 1870 im Feldlazareth zu Amiensaufgenommen. Nach der Kugel suchte man vergebens. Bildungmehrerer Eiterherde machte wiederholt Einschnitte nöthig.12. Januar 1871: Erscheinungen von Pyämie. 15. Januar: Tod.

Sektion: Der Rand der Hüftgelenkpfanne ist zer-schmettert, die Kugel im Schenkelhalse eingekeilt.

3. Lochschüsse.

41. It. H., 1 ) vom Sächsischen 6. Infanterie - RegimentNo. 105, verwundet am 18. August 1870 bei Mars la Tour:Eingang durch die Peniswurzel in Richtung zum linken grossenRollhügel. Kugel steckt. Am 9. Dezember wurde zur Entleerungder Jauche die Wunde erweitert, wobei ein Lochschussdes Schenkelhalses entdeckt wurde und Knochenstückchenvom Gelenkkopf, sowie die Kugel, welche jenseits des Gelenkslag, herausgezogen wurde. Im Ganzen entleerten sich allmälig30 grosse Knochensplitter. Es entstand längere Zeit eine Urin-fistel. Behandlung: 10 Wochen in Drahthose und 17 Wochen inGypsverband. Heilung nach ungefähr 7 Monaten. Gelenk steif,ohne Verunstaltung, Verkürzung des Beines 6'Acin. (Vergl.H.Fischer, S. 181, No. 269; König, Verhandlungen der Deut-schen Gesellschaft für Chirurgie, II. Kongress, 1873, I, S. 19;v. Langenbeck, S. 52, No. 14; Deininger, S. 328, No. 48.)

42. L. B., Hessischer Infanterist, bei Metz am 18. August1870 verwundet, kam am 24. ohne Verband nach Darmstadt.Eingang etwas vor dem rechten grossen Rollhügel. Der Schuss-kanal Hess sich nicht sondiren, da er stark verquollen war; imHüftgelenk freie Beweglichkeit und Schmerzlosigkeit; nirgendsein Anhaltspunkt für den Sitz der Kugel. Kein Fieber. RuhigeLage im Bett. Die Wunde sonderte anfangs wenigen gutenEiter ab, der gegen Anfang September unter Steigerung des Fiebersjauchiger wurde. Bei Erweiterung der Wunde fand sich einLoch durch den Schenkelhals, ohne Splitterung undKnochenbruch. Die Sonde drang bis hinter den Schenkelhalsund konnte von hier nicht weiter vorgeschoben werden, so dassüber den Verbleib der Kugel auch jetzt noch kein Aufschlussgegeben war. Das Hüftgelenk war noch schmerzlos. Unterzunehmendem Fieber jauchte die Wunde ziemlich stark, derHodensack schwoll an. Am 8. September tritt zuerst Schmerz-haftigkeit des Gelenks bei völlig freier Beweglichkeit ein, dochist der allgemein septieämische Zustand bei starkem Verfall derKräfte bereits sehr vorgeschritten. Am 10. September: Tod.

Die Sektion, von Recklinghausen ausgeführt, ergab,dass die Kugel den Schenkelhals schräg ohne Splitterung

!) Deininger will (S. 242) nach dem Bericht von Fischerden H. vom 6. Sächsischen Infanterie-Regiment No. 105 als hin-sichtlich der Gelenkverletzung unsicher ausscheiden, obgleich völligeSteifheit eingetreten war. v. Langenbeck bezeichnet den »namen-losen Verwundeten* König's als H. vom Sächsischen 6. Infanterie-Regiment No. 105, so dass unzweifelhaft derselbe Mann gemeint ist,den Deininger als König's Namenlosen aufgenommen hat.

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