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VII. Knpitel: Verwundungen der grossen Gelenke.
Bandlll. Spez.Theil.
2d. A. D., Franzose vom 76. Französischen Linien-Infanterie-Regiment, verwundet am 18. August 1870 vor Metz:Gewehrschuss. Fingang an der rechten Hinterbacke. Die Kugelsitzt vorn 2'A cm unterhalb des Darmbeinstachels in den Muskeln,von wo sie am 8. September entfernt wird. Nach Erweiterungder Wunde dringt der Finger in ein Loch im grossenRollhügel. Warme Umschläge. Am 12. September werdenEiterherde an der Stelle, wo die Kugel gelegen und weiterabwärts geöffnet, Karbolwassereingiessung. Drainage. Alle
2 Tage warme Bäder. Im November 1870 sind die Wundengeheilt.
Brigham, der die weitere Behandlung in Nancy über-nahm, giebt an, dass I). am 14. November ohne Krückenziemlich leicht und mit geringer Verkürzung gehen konnte.
Als v. Langenbeck den Verwundeten in demselben Orte,
3 '/-2 Monate nach der ersten Wundheilung, wiedersah, war dievordere G elenkgegend geschwollen und sehr empfind-lich, der Oberschenkel gebeugt und angezogen undschwer beweglich, die Eiterung ziemlich stark. (Vergl.v. Langenbeck, S. 49, No. 7; Brigham, Observations chirur-gicales, Paris 1872, S. 60.)
26. Ungenannter im Reservelazareth Berlin, Ulanenkaserne:Streifschuss am rechten grossenRollhügel; der Schenkelwar (wie bei Bruch des Schenkelhalses) abgezogen und nachaussen gedreht; die Gesässfalte stand auf der kranken Seitetiefer als auf der gesunden. Sehr grosse Schmerzhaftigkeit imHüftgelenk bei Druck und passiven Bewegungen; Unfähigkeit,das Bein zu heben. Zugstreckung. Obwohl der Wundkanal inwenigen Wochen heilte, war der Verwundete nach 5 Monatennoch ausser Stande, sich auf das Bein zu stützen. (Vergl.Goltdammer, S. 150; v. Langenbeck, S. 52, No. 16.)
27. K. D., Musketier vom 6. Pommerschen Infanterie-Regi-ment No. 49, verwundet am 2. Dezember 1870. Eingang der Kugelvorn links drei Finger breit unter dem oberen Darmbeinstachel,Ausgang hinter dem grossen Rollhügel. Der Verwundete fielsofort hin, konnte weder aufstehen noch gehen. Bruch desgrossen Rollhügels mit Eröffnung der Kapsel. Seiten-lage. Verlauf anfangs günstig. Reichliche, aber gute Eiter-absonderung.
Am 24. Februar 1871: Rose bis zum Rücken. Im Märznöthigten grosse Eitersenkungen am Oberschenkel zu grossenEinschnitten, durch welche übelriechender Eiter entleert wurde.Der Oberschenkel stand gebeugt und nach aussen gedreht (v.L.).Am 20. März Schüttelfrost. Die Resektion unterblieb wegenhochgradiger Erschöpfung. Tod am 24. März.
2S. B., Lieutenant, erhielt am 4. August einen Schussdurch den linken grossen Rollhügel bis in den Damm.Tod am 13. Tage an Pyämie. (Vergl. Billroth, S.228,No. 5.)
29. W. K., Füsilier vom Ostpreussisehen Füsilier - Regi-ment No. 33, Verwundet am 18. August 1870 bei Gravelotte:Gewehrschuss in den rechten grossen Rollhügel mitZerschmetterung des Schenkelhalses. Lag Nachts aufdem Schlachtfelde. Schon am 23. August Ankunft im Reserve-lazareth Kreuznach; Anwendung von Drahthose, Eis undKarbolsäure verband. Am 10. September sehr reichliche Eiterung,grosse Schwäche. Unter der Gesässmuskulatur bildete sich einesehr grosse Eiteransammlung, welche am 16. September einengrossen Einschnitt nöthig machte. Schüttelfröste. Am 21. Sep-tember: Erschöpfung und Tod.
«50. K. B., Unteroffizier vom 8. Brandenburgischen Infan-terie-Regiment No. 64 (Prinz Friedrich Karl von Preussen),verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour: Zerschmette-rung des rechten Hüftgelenks durch Granatsplitter, aus-
gedehnte Zerstörung der Weichtheile, des grossen Roll-hügels, Schenkelhalses und Gelenks. Im FeldlazarethLagerung in einer Drahthose, Karbolsäureverband. Am 26. Au-gust eine grössere Anzahl Knochensplitter entfernt; Druckbrandauf dem Kreuzbein. Am 1. September gutes Aussehen derWunde, gute Eiterung. Am 22. September Schüttelfrost, hohesFieber, Jauchung. Am 24. September Erschöpfung und Tod.
31. Ungenannter, verwundet am 9. Januar 1871, erhielteine Kugel, die links oben aussen am Schenkelknochen ein-und auf der Hinterbacke austrat. Es waren weder Knochen-splitter noch eine Eröffnung des Hüftgelenkes bei der erstenUntersuchung gefühlt, so dass nur eine Weichtheilverletzungangenommen wurde. Erst nach 8 Tagen wurde die Ab-sprengung des grossen Rollhügels entdeckt. Blutungenaus der Hinterbacke, starke Schwellung derselben und desSchenkels mit folgender Verjauchung. Einschnitte und Drainageblieben erfolglos. Am 20. Tage trat der Tod ein.
Sektion: Ausser der Absprengung des grossen Roll-hügels fand sich gegen Erwarten das Gelenk geöffnetund verjaucht; dagegen waren Gefässverletzungen nichtnachzuweisen. (Vergl. G. Fischer, S. 227, No. 39 und S. 230und v. Langenbeck, S. 61, No. 19.)
32. Franzose C. D., verwundet am 6. August 1870 beiWörth. Eingang vorn rechts in der Höhe des Rollhügels. Aus-gang hinten. Länge des Kanales 6 cm. Splitterung des Roll-hügels. Gelenkverletzung nicht angenommen. 14 Tage langkeine Entzündung. Dann plötzlich heftige Schmerzen mithohem Fieber. Schenkel in starker Beugung feststehend, sehrreichliche Eiterung. Erweiterung der Wunden. Tod am22. Tage an Septicämie.
Sektion: Grosse Jauchoherde. Der hintere Theil des grossenRollhügels mit einem Stück vom Hals, dessen Spitze bis zumKnorpelrand reicht, abgesprengt. Trotz der bestehendenVerjauchung der Wunde sind die Infektionszeichen an deninneren Organen in Rückbildung begriffen. (Vergl. So ein,S. 166, No. 1; Klebs, S. 30, No. 23; v. Langenbeck, S. 58,No. 13 und S. 65, No. 54 [als 2 Fälle angeführt]; Deininger,S. 314, No. 1.)
33. T. M., vom 32. Französischen Linien-Infanterie-Regi-ment, verwundet am 18. August 1870: Eingang der Kugel hinterdem linken grossen Rollhügel, Ausgang vorn 2 cm nach aussen vondem Hüftgelenke. Aufgenommen in den Mannheimer Barackenam 29. August in äusserst schlechtem Zustande. Das linkeBein verlängert und nach aussen gerollt, Druck auf die Gelenk-gegend schmerzhaft. Bewegungen äusserst schmerzhaft, aberglatt, nirgends Knarren. Am 1. September Erweiterung derWunde, Schussrinne im grossen Rollhügel entdeckt. DieKapsel schien unverletzt. Am 4. September: Tod an Pyämie.
Sektion: Zerschmetterung des inneren Theils desRollhügels, mit Ablösung einiger grösserer Splitter vomHals, so dass zwischen dem Schusskanal und der Gelenkhöhleeine Verbindung, welche durch den Knochen ging, hergestelltwar. Splitterung bis in die Kapsel, Verjauchung desGelenks. (Vergl. L ossen in Deutsche Zeitschrift für Chirurgie,IL Band, 1873, S. 64.)
34. Franzose L., verwundet am 6. August 1870. Ge-storben am 19. August im Reservelazareth Heidelberg. Amgrossen Rollhügel eine wagerechte 2,5cm lange, 1,5cmbreite Knochenrinne. Eine runde Kugelöffnung istnicht vorhanden. Dem Rollhügel ist die Hinterfläche ab-gesprengt, während Hals und Schaft im Zusammenhang ge-blieben sind. Die Knochenhaut ist nur am unterem Rande deshinteren Stückes zemssen, während sie am vorderen mit dem