dieoneaare
die V,be-leit-)ei-
Band III. Spez. Theil.
V. Abschnitt: Verletzungen des Hüftgelenks.
751
'■
Splitterung bis in das Gelenk. Schon am 8. Tage fand dieUeberführung nach Bonn statt. Entfernung der Knochensplitter.Vornahme einer Operation war unmöglich, da schon pyämischeSchüttelfröste eingetreten waren. Andauerndes Erbrechen. Todam 3. September 1870.
Id. A. K., Grenadier vom Grenadier-Regiment Prinz Carlvon Preussen (2. Brandenburgisches) No. 12, wurde durch eineKugel verwundet, die vorn, 1 cm unterhalb des grossen Roll-hügels, eintrat und Knochensplitt erun g im Schaft 7 1 /-cmweit nach unten und nach oben bis in das Gelenkverursachte. Rascher Kräfteverfall. Tod.
16. M., Unteroffizier vom 4. Pommerschen Infanterie-Regiment No. 21, erlitt am 23. Januar 1871 eine Zer-schmetterung des linken Oberschenkels bis in dasHüftgelenk. Exartikulation wegen fester Schwellung derWeichtheile unmöglich. Der durch früher erhaltene, kaum ge-heilte Wunden bereits geschwächte Mann starb am 28. Januar.
17. K., Musketier vom 2. Niederschlesischen Infanterie-Regiment No. 47, verwundet am 20. November 1870 beiSt. Cloud: Schussbruch des rechten Oberschenkels. Eingangrechts 2cm unter dem grossen Rollhügel. Zerschmetterungder Knochen, mit Eröffnung des Hüftgelenks. Im Feld-lazarett] war die Kugel nicht zu finden; dieselbe wurde daher imBecken vermuthet. Verkürzung des Beines. Da wegen zu er-heblicher Zerschmetterung die Resektion unmöglich, die Exartiku-lation aussichtslos erschien, wurde in den ersten Tagen Pott'scheSeitenlage, dann die schiefe Ebene in Anwendung gebracht.24. November: Hohes Fieber, Gasansammlung im Oberschenkel,dessen Haut bläulich verfärbt ist. 25. November: Brandblasenam Unterschenkel, Irrereden. 26. November Tod.
Sektion: Die Eingangsöffnung führt in eine grosseJauchehöhle, in welcher zahlreiche grosse und kleine Splitterdes zerschmetterten Schenkelknochens liegen. Von da geht derSchusskanal schräg nach innen und oben, öffnet das Gelenk anseiner vorderen unteren Seite. Dicht hinter der überknorpeltenGelenkfläche nach innen und unten in einem flachen Knochen-eindruck liegt ein Stückchen Blei. Der Kanal wendet sich nunwieder nach innen; am unteren Ende desselben findet sich dieKugel, in mehrere Stücke zersprengt, zum grössten Theil inder Muskelmasse der Anziehmuskeln, während ein grösseresBruchstück am zerschmetterten Knochen liegen geblieben ist.Erguss im Kniegelenk. Innere Organe frei. (Vergl. Kirchner,S.53, No. 127; G. Fischer, Deutsche Zeitschrift für Chirurgie,1872, S. 227, No. 38; v. Langenbeck, S. 59, No. 16; Dei-ninger, S. 316, No. 13.)
18. W. H, vom 8. Westfälischen Infanterie - RegimentNo. 57, verwundet am 16. August 1870. Eingang 3 cm unterund etwas nach vorn vom grossen Rollhügel. Ausgang hintenunter dem Sitzknorren.
27. Januar 1871: Tod.
Sektion: Schaftbruch dicht unter dem kleinen Roll-hügel. Jauchige Phlegmone. Bruchstücke durch Kallus völligverbunden. Hüftgelenk vereitert. Im Kniegelenk gallert-artig faserstoffige Ausschwitzung. Innere Kapselhaut starkgeröthet. (Vergl. H. Fischer, Kriegschirurgische Erfahrungen,S. 186, No. 287.)
19. B., Württembergischer Soldat, verwundet bei Wörth,Schussöffnungen rechts unterhalb des grossen Rollhügels undauf dem Gesäss. Am 22. August im Reservelazareth zuKarlsruhe: Tod.
Sektion: Schrägbruch des Schaftes, 11cm lang,von dem vorderen Rand bis dicht an die Spitze desgrossen Rollhügels verlaufend, dessen ganze Hinterfläche
zertrümmert ist. Ein 4 cm langes Bruchstück, welches denkleinen Rollhügel enthält, ist nach oben verschoben, hat dieBeinhaut abgelöst und die Kapsel an ihrem hinterenUmfang bis zum Knorpelrande zerrissen. (Vergl. Klebs,S. 29, No. 21; v. Langenbeck, S. 65, No. 52; Deininger,S. 326, No. 41.)
20. B. A., vom 37. Französischen Linien - Infanterie-Regiment, verwundet am 6. August 1870 bei Spicheren. Ein-gang über der rechten Gesässfalte in der Richtung zum grossenRollhügel. Kugel steckt. Unnatürliche Beweglichkeit und Knarrenam Rollhügel; keine Verkürzung. Man gelangte nicht zu einemKnochenbruch. In der Chloroformbetäubung fand sich ein ein-gekeilter Bruch. 15. August: Ströme von übelriechendem Eiter.5. September: Tod.
Sektion: Eingekeilter Schaftbruch , Sprung in demgrossen Rollhügel. In einem Knochenspalt steckt das entstellteGeschoss. Gelenk vereitert. Umgebende Weichtheile ver-jaucht. (Vergl. H. Fischer, S. 172, No. 251.)
21. V. C, vom 2. Französischen Linien-Infanterie-Regimeut,verwundet am 6. August 1870 bei Spicheren: Schussbruchdes rechten Oberschenkelschaftes im oberen Drittel. Tod am27. August.
Sektion: Schenkelmuskeln mit Gasblasen, zersetztem Blutund Jauche durchsetzt. Schaftbruch, mit Splitterungbis zu dem Rollhügel. Das Hüftgelenk ist eröffnet,die Knorpel theilweise zerfressen. Auch am Pfannenbodenfindet sich eine zerfressene Stelle, doch ist das Hüftbein imUebrigen unversehrt; der rechte Psoas ebenfalls mit Gasblasendurchsetzt. (Vergl. H. Fischer, S. 53, No. 29.)
22. A. L., Franzose, verwundet am 31. August 1870:Gewehrschuss. Eingang rechts hinter dem grossen Rollhügel.Kugel steckt. Tod am 28. September im Reservelazareth Karls-ruhe an Verstopfung der Blutadern und Lungenembolie.
Sektion: Der Eingang führt in eine Jauchehöhle, welcheKnochensplitter enthält. Hüftgelenk, an der vorderen Seitegeöffnet, mit Jauche gefüllt. Knorpel fast überall geschwunden.An der hinteren Seite des Schaftes Knochenverlust. Ander inneren Fläche ein 12 cm langer Splitter, dessen oberesEnde dem Hals angehört und bis an den Kopfknorpelüberzugreicht. Neben demselben und wahrscheinlich durch den-selben ist die Kapsel und die Beinhaut des Halses weithinzerrissen, doch wird letzterer an der Umschlagstelle derKapsel durch derbe Bandmassen festgehalten. Im Darm Zeicheneines abgelaufenen Typhus. (Vergl. Klebs, S. 32, No. 26;Socin, S. 134, No. 7 (nur als „Schaftbruch" verzeichnet);v. Langenbeck, S. 65, No. 57; Deininger, S. 324, No. 39.)
2i5. Ungenannter. Am 8. Tage nach der Verwundung ineinem Berliner Reservelazareth aufgenommen. Schenkel-schaftbruch mit Zersplitterung des grossen Roll-hügels. Gewichtsstreckung. Vereiterung des Hüftgelenks.Tod in der 7. Woche. Thrombose der Vena hypogastrica undPyämie. (Vergl. Goltdammer, S. 150.)
C. Brüche des grossen Rollhügels.
24. R. W., Füsilier vom Brandenburgischen Füsilier-Regiment No. 35: Zerschmetterung des grossen Roll-hügels. Völlige Steifheit und grosse Schmerzhaftig-keit des linken Hüftgelenks. Gang nur mit zwei Stöckenmöglich. Keine Verkürzung. Durch 6 wöchentliche Badekur inWiesbaden wurden die Schmerzen und die Gehfähigkeit bedeutendgebessert. (Vergl. v. Langenbeck, S. 20, No. 2.)