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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.
Band III. Spez. Theil.
II
und Aussendrehung. Später Resektion zur Stellungsverbesserung.März 1871: Geringe Verkürzung, Gelenk noch sehr empfindlieh.(Vergl. v. Langenbeck, S. 50, No. 8. — Im V. Bande diesesBerichtes nicht enthalten.)
4. J., Ulan vom Westfälischen Ulanen-Regiment No. 5.Eingang der Kugel 5 cm unterhalb des rechten Schambein-höckers, Ausgang zwischen Sitzbeinknorren und grossem Roll-hügel derselben Seite.
Im März 1871 vollständige Heilung der Wunden. Gelenkvollkommen steif in beinahe rechtwinkliger Beugestellung.(Vergl. v. Langenbeck, S. 49, No. 6.)
"). Ungenannt. Durch den Anprall eines Geschosses in derHüftgegend blieb dauernde Gelenkentzündung mit Störung der(iebrauchsfähigkeit zurück. (Vergl. v. Beck, S. 574, Anmerkung.)
6. J. P., Hoboist vom 4. Garde-Grenadier-RegimentKönigin, verwundet am 18. August 1870 bei Gravelotte durchGewehrschuss. Eingang unmittelbar hinter dem Hüftgelenk.Es wurde Quetschung der Gelenkkapsel angenommen.Ruhestellung des Gelenks, Drainage. Im November traten wieder-holt Schüttelfröste, Durchfälle und Erbrechen ein. Am 12. No-vember: Tod.
Sektion: Das Gelenk ist mit Eiter angefüllt, je-doch nicht eröffnet. Keile in Leber und Lunge.
7. Deutscher J. G., starb am 14. Februar 1871 in Karlsruhe.Sektion: Schussöffnungen in der Höhe des linken grossen
Rollhügels und links vom Steissbein. Die vordere und obereWand des Kanals wird durch die äussere Fläche der Darmbein-schaufel gebildet. Dann zieht derselbe hinter dem Sitzknorren,dessen Beinhaut geschwunden ist, vorüber und durchsetzt daszertrümmerte Steissbein. Am grossen Rollhügel Knochen-verlust. Die Kapsel ist in dem hinteren Abschnittzerstört und mit Jauche gefüllt. In den inneren OrganenZeichen von Pyämie. (Vergl. Arnold, S. 82, No. 165 undv. Langenbeck, S. 65, No. 58.)
8. H. Seh., Füsilier vom 5. Thüringischen Infanterie-Regiment No. 94 (Grossherzog von Sachsen), verwundet am18. November 1870: Gewehrschuss. Eintritt dicht hinterdem grossen Rollhügel; Kugel steckt. Im Feldlazareth am24. November heftige Schmerzen im Gelenk, viel dünner Eiter,Lagerung des Beines in Streckung; Eiterung zuerst massig,Verband mit Chlorkalklösung. Am 7. Dezember Eitersenkungunter den Spannmuskel der breiten Fascie; massiges Fieber.Am 16. Dezember wurde das dicht am Gelenk sitzendeGeschoss entfernt; am 20. Dezember: Schüttelfrost, Tempera-tur 41.7; am 21. Gelbsucht; die Resektion unterblieb wegender schon eingetretenen Pyämie, an welcher Seh. am 24. De-zember starb.
Sektion: Gelenk verletzt,Zerstörung der Knorpel,Einkeilungen in den Lungen.
9. H. B., Vizefeldwebel vom 3. Brandenburgischen Infan-terie-Regiment No. 20, erhielt am 16. August 1870 einenGewehrschuss. Eingang von aussen unterhalb des rechtenRollhügels, anscheinend in horizontaler Richtung. Kein Ausgang.Der Verwundete ging noch eine Zeit lang, konnte im Lazarethnoch einige Tage zu den nöthigsten Verrichtungen aufstehen,auch noch längere Zeit den Schenkel willkürlich bewegen.Es entstand Anschwellung des ganzen Beines. Eiterentleerungdurch Einschnitt, reichliche Jauchung. Tod: Ende September.
Sektion: Das Gelenk ist vereitert und zerstört.(Vergl. Gähde, in den Verhandlungen der militärärztlichenGesellschaft in Orleans. Deutsche militärärztliche Zeitschrift,1872. S. 478.)
10. v. P., Lieutenant, verwundet am 3. Dezember 1870 beiOrleans: Gewehrschuss. Die Kugel trat vorn, etwa 3 cm unterhalbdes Leistenbandes nach aussen vom Nervengeflecht ein und bliebstecken. Anfangs fehlten alle Erscheinungen von Gelenkverletzung.Dann Schmerz im Gelenk; heftige Schmerzen im Verlauf desSitzbeinnervs veranlassten die Annahme, dass die Kugel aufden Nerven drückte.
5. Januar 1871: Hohes Fieber, Schüttelfröste. WüthendeSchmerzen im Verlauf des Sitzbeinnervs. Schenkelbeuge auf-getrieben, schmerzhaft gegen Druck. Der Schenkel stand inBeugung von 45° und nach aussen gedreht. Aktive Bewegungunmöglich, ebeuso passive Bewegung durch Muskelspannung auf-gehoben. Reichliche Eiterung aus der engen Eingangsöffnung.Schüttelfröste. Erweiterung der Schussöffnung nach oben undunten, dabei starke pyämische Blutung. Die Kugel, welche vonder Innenfläche des Schenkelhalses oberhalb des kleinen Roll-hügels herausgezogen wird, ist platt und der Halsfläche ent-sprechend gewölbt. Am 12. Januar: Tod an Pyämie.
Sektion: Die unverletzte Kapsel (?) ist weit aus-gedehnt, mit bräunlicher stinkender Jauche gefüllt, nachinnen, unter den Anziehmuskeln durchbrochen und mit einergrossen Jauchehöhle verbunden. Knorpelüberzug des Kopfesmissfarben und getrübt. Keine Thromben in den Schenkel-blutadern. (Vergl. v. Langenbeck, Gesellschaft in Orleans,S.476; desgl. v. Langenbeck, Hüftgelenk, S. 61, No. 21.)
11. Deutscher A.H., verwundet am 6. August 1870: Einganghinter dem grossen Rollhügel. Kugel steckt. Schenkel bedeutendeinwärts gedreht. Am 10. August Ankunft im ReservelazarethSchwetzingen. Tod am 9. September an Pyämie.
Sektion: Verjauchung des Gelenkes, Schenkelkopfabgestorben, hinter demselben sitzt die kleinere Hälfte derKugel, die andere grössere Hälfte auf dem unverletzten Darm-bein 2 yi cm unter dem vorderen oberen Stachel. (Vergl. Schin-zinger, S. 67; v. Langenbeck, S. 57, No. 7; Deininger,Deutsche militärärztliche Zeitschrift, 1874, S. 326, No. 43.)
12. Ungenannt: Eingang von innen her in der Schenkel-beuge. Kein Ausgang. Der Verwundete war wiederholt umher-gegangen. Es trat allmälig heftige Entzündung, später beträcht-liche Blutung und endlich der Tod an Pyämie ein.
Bei der Sektion fand sich eine Rinne am Halse, dieplattgedrückte Kugel lag zwischen Kopf und Pfannein dem verjauchten Gelenk, ohne dass sich eine unmittelbareVerletzung desselben nachweisen Hess, namentlich waren dieGelenkflächen der Knochen von der Kugel nicht be-schädigt. (Vergl. Becher, Deutsche militärärztliche Zeit-schrift, 1872, S. 478; v. Langenbeck, S. 61, No. 20; Dei-*ninger, S. 334, No. 66.)
B. Brüche des Schenkelschaftes.
13. V. R., Musketier vom 5. Thüringischen Infanterie-Regiment No. 94 (Grossherzog von Sachsen), starb im März 1871im Reservelazareth zu Wolfenbüttel an Erschöpfung, in Folgereichlicher Eiterung.
Sektion: Schusskanal durch beide Oberschenkel, Ver-letzung des Hodensackes; sehr grosse Eiterhöhle am rechtenOberschenkel, völlige Zersplitterung des oberenDrittels bis in die Gelenkpfanne; zwischen den Knochen-splittern fand sich die Hälfte eines Geschosses.
14. A. G., Füsilier vom 8. Brandenburgischen Infanterie-Regiment No. 64 (Prinz Friedrich Karl von Preussen), ver-wundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour: Gewehrschussin den oberen Theil des linken Oberschenkels, mit