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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.
Band III. Spez. Theil.
trat. J.') war von einer Kugel getroffen, die 2'/a cmunter dem oberen Darmbeinstachel ein- und auf derrechten Gesässseite, eine Hand breit von der Mittellinieentfernt, austrat, nachdem sie den Knochen oberhalbdes Pfannenrandes gestreift. Nach 2 Monaten fand manden Gelenkkopf sehr abgeplattet, fast bis zum Halse hingeschwunden, zerfressen und mit schwammigen Wucherungenbedeckt. Bei dem Anderen 2 ) hatte ein Stück einer vonhinten eindringenden Kugel ebenfalls ihren Weg zum vor-deren oberen Darnibeinstachel genommen; der zur Hälftezerstörte Gelenkkopf wurde ausgesägt.
Den Schluss der Kasuistik bilden 11 Krankengeschichtenüber Gelenkschusswunden ohne genauere Angabe der ge-troffenen Theile. 3 ) Zweimal (No. 109 und 117) ist das
') Siehe im V. Bande dieses Berichtes, S. 512, No. a. 1; desgl.Schüller, S. 62, No. 31; Mac Oormac, S. 165, Anmerkung(Mittheilung von Hüpeden an Stromeyer); v. Langenbeck,S. 69, No. 8; Deininger, S. 300, No. 37
2 ) Siehe im V. Bande dieses Berichtes, S. 512, No. 3; Küster,II. Kongress, I, S. 20; v. Langenbeck, S. 72, No. 14.
3 ) Siehe ausserdem auf 8. 574 dieses Bandes J. S. (No. XVII).
Steckenbleiben des Geschosses vermerkt. Dass die Kapselwirklich verletzt war, ergiebt sich aus Entleerung vonklebriger („synoviaähnlicher") Flüssigkeit durch Fisteln(No. 111), aus der Gelenkschwellung (No. 112), und aus derbei der Heilung zurückgebliebenen Steifheit (No. 107 bis110). Bei den Gestorbenen (No. 113 bis 117) ist dieGelenköffnung besonders hervorgehoben. Der VerwundeteM. S. (No. 113) bietet insofern eine Besonderheit, als anbeiden Hüften in der Nähe des Gelenkkopfes Wundöffnungenvorhanden waren, so dass man nicht entscheiden konnte,ob er von einer oder mehreren Kugeln getroffen war.
Die Häufigkeit der einzelnen Arten der Verwundungendes Hüftgelenks bei zuwartend behandelten Deutschen findetsich bereits in Tabelle III, S. 670 aufgeführt; ausführlichereAuskunft darüber ergiebt nachstehende Uebersicht. 1 )
') Nicht eingerechnet sind hier 8 tödtlich verlaufene Eröffnungendes Hüftgelenks, welche im sechsten Kapitel dieses (III.) Bandesihren Platz gefunden, übrigens im eben Vorangegangenen sämmtlich(in den Anmerkungen) Berücksichtigung erfahren haben.
Arten der Hüftgelenkwunden bei zuwartend behandelten Deutschen 1 ) 1870/71.
9
5.
Art der Verletzung.
Ver-wundet.
Davon
ge-storben.
Kapselverletzungen ohne Knochenbetheiligung
Brüche des Schenkelschaftes.......
Brüche des grossen Rollhügels......
A
Verletzungen des Schenkelhalses
Verletzungen des Gelenkkopfes
Brüche der Gelenkpfanne
Streifungen..................
B. Kugeleinkeilungen ohne Bruch der Knochen......
C. Lochschüsse..................
D. Vollkommene Brüche (mit Auf- f ohne weitere Splitterung .
hebung des Zusammenhanges) l
A. Streifungeu und Rinnenschüsse.......
B. Kugeleinkeilungen (anscheinend ohne Bruch) . .
C. Brüche ................
A. Ohne Angabe einer Verletzung des Gelenkkopfes
mit Splitterung in den Schaft
l B. Mit Verletzung des Gelenkkopfes
Bruch des Beckens ausserhalb der Pfanne.............
Verletzungen des Hüftgelenks ohne genauere Angabe der getroffenen Theile
Summe
1075232
265325781
11
6742112153145715
97
73
!) Die nachstehende Kasuistik umfasst ausserdem 20 Franzosen und Ungenannte.
danach bei 7 Kugeleinkeilungen und Lochschüssen nur 43 #,
Am häufigsten, 38 mal, wurde der Schenkelhals ge-troffen, welcher von den Knochentheilen innerhalb derKapsel am leichtesten von Geschossen erreicht werdenkann, dann die Pfanne, welche eine grosse Trefffläche bietet,15 mal, danach die Kapsel (ohne Knochenverletzung) undder Gelenkkopf je 10 mal; dann folgen die Brüche desSchenkelschaftes (7) und des grossen Rollhügels (5).
Die Sterblichkeit, deren prozentische Berechnung ausso kleinen Zahlen allerdings kaum zulässig ist, betrug
bei 10 Kapselverletzungen ohne Beschädigung von Knochen60 §, bei 63 vollkommenen Brüchen 84.i $ und bei 6 Strei-fungen (!) 100 $. Hervorzuheben ist, dass diejenigen Ver-wundeten, welche ausgedehnte Splitterbrüche vom Schenkel-hals aus in den Schaft des Oberschenkelknochens odervom Schaft des Schenkelknochens bis ins Gelenk erlitten,sämmtlich zu Grunde gingen.