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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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Band III. Spez. Theil.

V. Abschnitt: Verletzungen des Hüftgelenks.

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Knochenhaut entblössten Stelle des absteigenden Scham-beinastes (No. 90). Bei N. (No. 89) war das Geschoss in20 bis 30 groschen- bis sandkorngrosse Stückchen zer-sprengt, die in einer Jauchehöhle, im Gelenk und in derPfanne eingebettet lagen.

Die Pfannenbruche hatten 9 mal (No. 89 bis 96,105) mit Beschädigung des Gelenkkopfes stattgefunden,')welcher theils gestreift oder durchfurcht (No. 93 bis 95,105), theils gebrochen war (No. 89 bis 92, 96); 8 mal(No. 97 bis 102, 103, 104) findet sich Verletzung desSchenkelkopfes nicht bemerkt.

Es ist verständlich, wie derselbe durch Kugeln, diedurch Streifung oder Bruch des Pfannenrandes die Kapselöffnen (No. 97 bis 100), sowie durch Geschosse, welchevon der Beckenhöhle aus in stumpfem Winkel den Pfannen-boden treffen (No. 102 bis 104), trotz seines festen Schlussesim Gelenk unversehrt bleiben kann, dass aber Geschosse,welche durch den Pfannenrand eindringend, den Bodenohne Verletzung des Gelenkkopfes brechen, bezeichnetv. Langenbeck (a. a. O., S. 11) geradezu als räthselhaft undsucht dieses Vorkommniss durch die Möglichkeit zu erklären,dass von dem öffnenden Geschoss Luft mit solcher Gewaltin die Kapsel gepresst wird, dass der Gelenkkopf hervor-tritt, v. Langenbeck fand eine derartige Verletzung beider Resektion eines Verwundeten, dessen Krankengeschichtenachstehend angeführt ist.

Unteroffizier H. vom 1. Hanseatischen Infanterie-RegimentNo. 75, verwundet am 9. Dezember 1870 bei Orleans durcheine Miniekugel. Dieselbe trat vorn rechts unter dem oberenDarmbeinstachel nach aussen von den grossen Gefässen ein undblieb am linken Sitzbeinknorren stecken, wo sie herausgeschnittenwurde. Aus der Eingangsöffnung floss Urin mit Gelenkflüssigkeitgemischt ab, und aus der Harnröhre war willkürlich die Ent-leerung einer geringen Menge blutigen Urins möglich, sobaldder Verwundete sich auf die linke Seite legte. Am 14. Dezember:Schenkel leicht gebeugt und nach aussen gerollt; aktive Be-wegung unmöglich, passive schmerzhaft; hohes Eieber; grosseErschöpfung. Nach Erweiterung der Eingangsöffnung fand manvom inneren Rande ein Stück abgesprengt und das Gelenk er-öffnet; Resektion. Die Kugel hatte, ohne am Schenkel-kopfe eine Spur von Verletzung zurückzulassen, dasGelenk geöffnet, die Pfanne durchbohrt und inmehrere Bruchstücke gesplittert; durch das Loch drangder Finger in die Beckenhöhle, aus welcher Urin und Jaucheabfloss. Behandlung duroii Gewichtsstreckung. Obgleich derOperirte sich erholte, traten am 17. Dezember Fröste ein undam 20. Dezember erfolgte der Tod. 2 )

Die Brüche der Pfanne durch Geschosse, welche dieHöhle des Beckens durchsetzt haben, erfordern deshalb be-

>) Siehe ferner in diesem Bande S 589 J. K. (No. XXY), S. 5900. R. (No. XXX), 8. 591 W. G. (No. XXXVII) und S. 602, No. XII,desgleichen im V. Bande dieses Berichtes S. 512, No. b. 2 (Ab-sprengung des oberen Pfannenrandes und Zertrümmerung des Gelenk-kopfes) und S. 514, No. 20 (Bruch des vorderen Pfannenrandes undleichte Streifung des Gelenkkopfes).

2 ) v. Langenbeck, Deutsche militärärztliche Zeitschrift 1872,S. 63 und a. a. O., S. 68, No. 6; Deininger, S. 286, No. 5: (ImV. Baude dieses Berichtes nicht aufgeführt.)

sondere Beachtung, weil man in solchen Fällen meist mehrauf die Verletzung lebenswichtiger Bauchorgane fahndet,als auf die Eröffnung des Gelenks, während zuweilengerade durch die letztere die Schwere der Verwundungbedingt wird.

Auch im Feldzuge 1866 fand man bei der Sektioneines Verwundeten mit Blasenverletzung unerwartet denPfannenboden durch eine quer durch das Becken verlaufendeKugel gebrochen. In einem anderen Falle aus dem1. Schleswig-Holsteinschen Kriege war ebenfalls das Ge-lenk von der Beckenhöhle aus eröffnet, jedoch hatte dasGeschoss dieselbe nicht schräg, sondern gerade von hintennach vorn durchlaufen, indem es durch den grossen Sitz-beinausschnitt derselben Seite eingedrungen war. 1 )

Im Kriege 1870/71 hat v. Langenbeck zwei Ver-wundete beobachtet (No. 69 und 112 nachstehenderKasuistik), bei denen die Kugel durch den grossenSitzbeinausschnitt eintrat und das Gelenk verletzte. DieAustrittsöffnungen lagen aber in der Höhe des grossenRollhügels und vorn 5 cm unterhalb des oberen Darmbein-stachels, so dass die Kugel ausserhalb des Beckenringesverlaufen sein muss.

Auf derselben Körperseite durchsetzten Geschosse 3 maldas kleine Becken mit Bruch des Pfannenbodens. Dievorderen Oeffnungen lagen unter dem Leistenbande nachaussen vom Schambeinhügel (No. 102 Blase und Mast-darm verletzt) und auf der Innenseite des Oberschenkels(No. 105), die hinteren am Rande des Kreuzbeins bezw.in der Gegend desselben, 2'/rcm von der Mittellinie ent-fernt. Bei dem dritten Verwundeten (No. 104) scheint dieKugel, welche hart am Sitzbeinausschnitt in die Becken-knochen eingedrungen war und den Pfannenboden geöffnethatte, nicht ausgetreten zu sein.

Schräg durch das Becken verlief ein Geschoss (No. 103),welches 5 cm unter der linken Leistenbeuge ein- undnach Zerschmetterung des (linken?) aufsteigenden Sitzbein-astes und Verletzung der Blase über dem rechten grossenRollhügel austrat. 2 )

Dixrch Bruch eines Beckenknochens ausserhalbdes Pfannenbereiches, 3 ) nämlich des wagerechten Scham-beinastes entstanden bei IL (No. 106) nach ET. FischerSprünge bis ins Gelenk. Ausserdem hatten 2 Verwundete,die später resezirt wurden, Streifungen der Darmbein-schaufel erlitten. Beide waren schon bis auf Fisteln ge-heilt und konnten umhergehen, als bei dem einen all-mälig, bei dem anderen plötzlich, durch fortgeleiteteKnochenhautentzündung die Erkrankung des Gelenks ein-

') H. Schwartz, a. a. O., S. 143.

2 ) Siehe ausserdem auf S. 601 dieses Bandes F. L. (No. XI),dessen Gelenkverletzung allerdings nur wahrscheinlich ist, und S. 592O. D. (No. XLIli.

3 ) Siehe ausserdem auf S. 606 dieses Bandes A. W. (No. X,Schambein), S. 591 F. W. (No. XXXIV), ferner im V. Bande diesesBerichtes einen nach Resektion geheilten (S. 512, No. a. 1) und einengestorbenen Verwundeten (S. 512, No. 3).

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