Band III. Spez. Theil.
V. Abschnitt: Verletzungen des Hüftgelenks.
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Bein gemeint sein kann. v. R. (No. 43) erlitt durch dasstecken gebliebene Geschoss einen völligen Bruch.
Lochschüsse des Schenkelhalses gehören zu denSeltenheiten. Aus früherer Zeit findet sich nur im Amerikani-schen Bericht 1 ) ein Lochschuss mit geringer Splitterung.Ein vollkommen runder Kanal, von dessen Ausgangsöffnunguur zwei nagelkopfgrosse Knochenplättchen abgeblättertwaren, wurde bei der Sektion des im Kriege 1870/71Verwundeten B. (No. 42) aufgefunden, grössere Splitterunghatte H. (No. 41) von dem Loche aus, welches manwährend des Krankenlagers fühlen konnte, erlitten, dennes stiess sich eine grössere Anzahl von Knochenstückenab. Derselbe muss den Schuss in den einwärts gedrehtenOberschenkel erhalten haben, da die durch die Peniswurzeleintretende Kugel sonst die Halsfläche nicht senkrechthätte treffen können. Auf diese nothwendige Bedingungfür das Entstehen einer Durchbohrung macht v. Berg-mann 2 ) aufmerksam, indem er den bekannten Versuch derDurchbohrung einer Glasscheibe durch Kugeln mit grosserlebendiger Kraft anführt, welche nur dann ohne Splitterungzu Stande kommt, wenn die Schussrichtung senkrecht zurgetroffenen Fläche verläuft.
Bei den Brüchen des Schenkelhalses 3 ) (No. 43bis 65, 67 bis 77) traf das Geschoss in der Richtung vonvorn oder hinten. Nur bei S. (No. 66) trat die Kugel vonder Seite ein und verlief nur an der Vorderseite. DieSchussöffnungen befanden sich handbreit unter dem grossenRollhügel und 1 cm unter dem vorderen oberen Darmbein-stachel.
Vordere Schussöffnungen, welche genauer bezeichnetsind, lagen unter dem Schambeinhöcker (No. 46), einenFinger breit neben der Schamfuge (No. 55), in der Leisten-beuge (No. 68), in der Mitte der Leistenfalte (No. 44 und65), im äusseren Theile derselben (No. 73), dicht darunterund 5 cm tiefer (No. 50 und 51), endlich unter dem oberenDarmbeinstachel (No. 69 und 49), während die hinterenSchiissöffnungen auf den verschiedenen Stellen des Gesässesvertheilt waren. Durch Granatsplitter ist keiner der Brücheentstanden. 7 mal blieben Geschosse stecken; soweit derOrt bekannt ist: im Schenkelhals (siehe oben), unter derHaut des Sitzbeinausschnittes (No. 49), hinter dem grossenRollhügel (No. 77) und hinter dem Schenkelschafte unterdem Kammmuskel (No. 71).
») Cirkular No. 6, Figur 34.
2 ) v. Bergmann, Die Resultate der Gelenkresektionen im Kriege.Giessen 1874. S. 36.
3 ) Siehe ferner 2 nach Resektion geheilte Brüche des Schenkel-halses im V. Bande dieses Berichtes, bei einem Deutschen S. 512,No. a. 2, und bei einem Franzosen S. 51B, No. a. 1, ferner 12 tödtlichverlaufene Brüche Deutscher Verwundeter ebendas. S. 512, No. b. 1,S. 513, No. 5, 8, 10, 11, 12, S. 514, No. 15 bis 19, S. 515, No. 23 und6 Brüche Französischer Verwundeter S. 515, No. 2, 4 und S. 516,No. 5, 6, 8, 9. Bei dem Letzten ging die Splitterung bis in den Schaftdes Oberschenkelknochens.
Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Spez. Theil.
Ausserhalb der Kapsel war der Hals 2 mal gebrochen.Die Gelenkbetheiligung ergiebt sich bei v. R. (No. 43)aus der vollkommenen Steifheit 1 ) und ist bei D. (No. 44)gemäss den oben geschilderten anatomischen Verhältnissenangenommen, obgleich Beugung in der Ausdehnung von 15 °möglich war. Nur innerhalb der Kapsel hatte der Ver-wundete No. 45 den Bruch erlitten, da gar kein Kallus zufühlen war; ferner ist an dem von B. (No. 50) stammendenPräparate der Sammlung des Friedrich-Wilhelms-Institutsdeutlich zu erkennen, dass der durch Bindegewebe ver-wachsene Bruch in der Kapsel stattgefunden hatte. Pfanneund Gelenkkopf waren einmal (No. 46) unabhängig vondem Bruche des Schenkelhalses durch eine unter demSchambeinhöcker eintretende Kugel getroffen, ebenso beiNo. 68 die Pfanne, in welcher ein Sprung von vorn nachoben verlief, durch ein in die Leistengegend eindringendesGeschoss.
Die Richtung der Bruchlinie verlief 1 mal schräg vonoben aussen nach unten innen (No. 54), 2 mal von der Höhedes Schenkelkopfes bis zum kleinen Rollhügel bezw. 27^ cmunter denselben (No 69 und 77). Splitterung nach beidenSeiten, die wohl der "Wirkung des hydraulischen Druckeszuzuschreiben ist, fand 5 mal statt (No. 71 bis 75). Durchdie Kugel, welche den Schenkelhals getroffen, war der Kopfmit dem oberen Theile (No. 72) und mit dem oberenDrittel (No. 71 und 73) des Schenkelschaftes zerschmettert,bei D. (No. 73) der kleine Rollhügel mit den angrenzendenKnochentheilen abgesprengt und ein Sprung vom tiefstenTheile des grossen Rollhügels nach unten hervorgerufen.Bei einer Sektion fand man den festen Schluss des Pfannen-randes um den Kopf bei gleichzeitiger Zerstörung desrunden Bandes durch Eiterung so gelockert, dass der vomHals völlig abgetrennte Kopf aus der Pfanne herausfiel(No. 62).
Auch die Verletzungen des Gelenkkopfes ohneBeschädigung der Pfanne (No. 78 bis 87) sind ausschliess-lich durch Gewehrschüsse veranlasst, da derselbe durchdie Umschliessung des Pfannenrandes gegen unmittelbareVerwundung durch Granatsplitter, welche die Grösse einerKugel übertreffen, gesichert ist. Durch Auswärtsdrehungdes Schenkels erweitert sich das vordere, durch Einwärts-drehuug das hintere Treffgebiet. Austritt der Kugel hatnur einmal, bei dem einzigen Verwundeten, welcher nachvölligem Bruch mit dem Leben davonkam, stattgefunden:Dieselbe drang 4 Finger breit unter dem vorderen oberenDarmbeinstachel, also gerade auf den Gelenkkopf ein undnahm ihren Weg durch das Gesäss (No. 83). Bei allen an-deren Verwundeten blieb sie stecken. Die Eingangsöffnungen
x ) H. Fischer, a. a. O., S. 173, lässt bei v. R. die Kapselöffnungzweifelhaft, weil einerseits nie Gelenkentzündung aufgetreten, anderer-seits (S. 202) die Beweglichkeit sehr behindert war. Deininger(S. 222) hat deshalb diese Beobachtung als „unsicher" nicht aufge-nommen. Erst im Invaliden-Attest vom Jahre 1874 ist die voll-kommene Steifheit festgestellt.
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