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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.

Band III. Spez. Tlieil.

(No. 34) aufmerksam. Während nämlich die 2.5 cm langeund 1.5 cm breite Verletzung der Rollhügelfläche nur den Bin-druck eines Streifschusses erweckte, musste doch von hieraus die Kugel durch den Rollhügel gegangen sein, indemsie die Bruchstücke auseinanderdrängte, denn nur sowar es ihr möglich, den oberen Rand des Halses zu streifen,den inneren Pfannenrand zu brechen und durch das ei-förmige Boch auszutreten.

Von dem in der Anmerkung 1 auf S. 735 erwähntenVerwundeten, der nach ö'/a Monaten an Septicämie starb,ist bei der Sektion der Knochen entnommen und der kriegs-chirurgischen Sammlung des Friedrich - Wilhelms - Institutsübergeben. Die Spitze des Rollhügels ist unversehrt,eine abgesprengte Knochenplatte der äusseren Seite anbeiden Enden durch Kallus verwachsen, so dass sie eineBücke zwischen den unverletzten Theilen bildet. (Wahr-scheinlich handelt es sich um dieselbe Beobachtung, dieH. Fischer a. a. 0., S. 171 erwähnt.)

Nach Brüchen des kleinen Rollhügels allein, diewegen des geringen Umfanges und der versteckten Bageüberhaupt selten sind,') ist Entzündung des Hüftgelenksnicht beobachtet. Czerny 2 ) fand bei der Sektion einesFranzosen den kleinen Rollhügel in 3 Stücke gesplittert.Ein Jaucheherd erstreckte sich bis zum Sitzbeinnerv, dasHüftgelenk war aber unversehrt. Eine Absprengung deskleinen Rollhügels mit Streifung des Kopfes siehe bei K.(No. 79) in nachstehender Kasuistik, eine andere mit Zer-schmetterung des Sitzbeins unter No. XLV, S. 593 diesesBandes.

Durch Verletzungen des Schenkelhalses wird nurausnahmsweise das Gelenk nicht in Mitleidenschaft ge-zogen. Da die Kapsel an der Vorderseite dieses Knochen-theiles bis zur Verbindungslinie der Rollhügel reicht, findetdurch Schüsse in den Schenkelhals von vorn immer Oeffnungdes Gelenks statt. Zwar ist in einem Sektionsbericht beieinem Bochschuss durch den Schenkelhals (No. 42), dessenKanal nach der Beschreibung und der von Bücke beigege-benen Abbildung wagerecht verlief, die Kapsel als unver-sehrt bezeichnet, doch nimmt v. Bangenbeck (a. a. 0., S. 6)in diesem Falle die Kapselverletzung als selbstverständlichan. Bei den Schüssen der Hinterseite liegt die Sache in-sofern anders, als die Kapselbänder weniger weit herab-reichen als vorn und anatomisch der Ansatz vielfachschwankt, so dass die Grenze zwischen dem ausserhalbund innerhalb gelegenen Halstheile nur durch Vergleichungmit dem Gelenk der anderen Körperseite festzustellen ist. 3 )Da beide Theile weder an der Oberfläche durch eine be-

1 ) H. Fischer, Handbuch der Kriegschirurgie. Stuttgart 1882.S. 146.

2 ) Czerny, Aus den Kriegslazarethen im Jahre 1870. Separat-Abdruck aus der Wiener medizinischen Wochenschrift. Wien 1871.S. 51, No. 69.

3 ) Vergl. Zeis, Ueber die Heilung des intrakapsulären Schenkel-halsbruches durch Knochenkallus nebst Beschreibung zweier Präparatedieser Art. Dresden 1863.

sondere Knochenform, noch durch den inneren Bau ver-schieden sind, so ist beim Schussbruch des kapselfreienTheiles das Eindringen von Sprüngen in das Gelenk alsRegel angesehen. Freibleiben der Kapsel bei einer 3 cmlangen Streifung der hinteren Seite fand man bei derSektion des Franzosen J. G., 1 ) und in ähnlicher Weise istwohl auch die nachstehende Verwundung zu beurtheilon.

Bieutenant B., verwundet am 16. August 1870 bei Marsla Tour: Gewehrschuss. Die Kugel trat in der rechten Eeisten-gegend 3 cm nach innen vom Hüftgelenk ein und hinten in derHöhe der Spitze des grossen Rollhügels aus. Aus der vorderenWunde fand Entleerung von Knochensplittern statt. Am 24. No-vember war die Heilung beendet.

Befund im Dezember 1871: Die Schussnarben sind tiefeingezogen, die rechte Gesässhälfte ist abgemagert und bedeutendschwächer als die linke. Die äussere Fläche des unteren Ober-schenkeldrittels ist weniger empfindlich als die anderen Theile.Es besteht behinderte Beweglichkeit, Schmerzhaftigkeitund Schwäche des Oberschenkels. Die Bäder von Wiesbadenund Teplitz wurden ohne Erfolg gebraucht. Dauernd ganz-invalide.

In der Kasuistik dieses Abschnitts finden sich nur dreiVerletzungen des Schenkelhalses, die als Streifungen an-zusehen sind. Sowohl bei K. (No. 3G) wie bei P. (No. 37),bei welchem die innere Seite getroffen war, ist die An-nahme dieser Beschädigung nur durch die Schussrichtungund das Fehlen von Anzeichen eines Bruches begründet,dagegen ist die Gelenkbetheiligung bei dem Franzosen R.(No. 35) deutlich beschrieben.

Einkeilungen des Geschosses in den Schenkel-hals sind aus früheren Feldzügen, soweit diesseits bekannt,nur 2 mal berichtet: aus dem 1. Schleswig-Holsteinschen 2 )und dem Amerikanischen Kriege. 3 ) Im ersten Falle warder Hals nicht vollkommen gebrochen, doch fanden sich3 Sprünge, die bis in den Kopf gingen. Beide Male nahmman die Exartikulation vor.

Aus dem Kriege 1870/71 liegen 4 derartige Verletzungenvor, aber nur 1 mal ist besonders erwähnt, dass keine Trennungdes Knochenzusammenhanges stattgefunden hat: das steckendeGeschoss wurde nach wiederholtem vergeblichen Suchen erst2'/2 Monate nach der Verwundung aus einer Spalte desungebrochenen Schenkelhalses herausgezogen (No. 38).Allerdings scheint auch bei S. und P. (No. 39 und 40) einBruch ausgeschlossen zu sein. Das Geschoss hatte bei diesenVerwundeten zuvor andere Knochen getroffen, das Sitzbein(No. 39) bezw. den Pfannenrand (No. 40), und dadurch schoneinen Theil seiner Kraft eingebüsst, so dass die Einkeilungin das fächerreiche Knochengewebe ohne Bruch annehmbarerscheint. Die Verkürzung desSchenkels" um 8 cm,welche S. (No. 39) erlitten, ist nicht auf einen Halsbruchbezogen, weil mit jener Bezeichnung auch das ganze,durch Steifheit in Beugung von dem Erdboden gehobene

i) Vergl. Klebs, S. 32, No. 25 und S. 33, sowie v. Langen-beck, S. 65, No. 56.

«) v. Langenbeck, Bede 1868. S. 19, No. 3.3) Deininger, S. 260; Otis, Cirkular III. 1871.