Band III. Spez. Theil.
IV. Abschnitt: Verletzungen des Handgelenks.
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Auf eine ebenfalls noch am Tage der Verwundung vor-genommene künstliche Schliessung der Armschlagader folgtenach 4 Wochen der Tod durch Pyämie. ! )
Eine Amputation des Unterarmes wurde am 29. Tagenach dem Gelenkschuss durch starke Blutung bei schlechterEiterung und Anwesenheit zahlreicher beweglicher Kno-chensplitter veranlasst, 2 ) eine andere durch Blutungen beischon bestehender Pyämie; 3 ) Amputation des Oberarmesdurch eine am 15. Tage nach Handgelenkschuss mit Ellen-bruch entstandene Blutung aus der Speichenschlagader. 4 )
Endlich ist noch eine sehr spät, erst im 6. Monatnach der Verletzung vorgenommene Unterbindung zu er-wähnen. Dieselbe fand statt, nachdem die Wunde bisauf eine thalergrosse, mit diphtherischem Belag bedeckteStelle an der Beugeseite schon vernarbt war. Kurz nachder Wiederaufnahme ins Lazareth trat eine Blutung ausder Speichenschlagader auf; an die Unterbindung derselbenmusste jedoch wegen Knochenfrasses an den Gelenkendender Unterarmknochen die Besektion sofort angeschlossenwerden. 5 )
Ueber eine Gefässverletzung, welche nicht durch denGelenkschuss hervorgerufen war, aber wegen des grossensofort entstandenen Blutverlustes und einer nach 2 Monatenauftretenden ziemlich starken Nachblutung wesentlichenEinnuss auf den Zustand des Verwundeten ausübte, be-richtet die Krankengeschichte No. 15.
') Siebe im V. Band dieses Berichtes S. 591, No. 2.
2 ) Siehe ebenda S. 91, No. 1.
3) Siehe ebenda S. 91, No. 2.
*) Siehe ebenda S. 44, No. 237.
5 ) Siehe ebenda S. 505, No. 2, und denselben Verwundeten beiGurlt, S. 916, No. 1.
Was die Verletzung von Nerven betrifft, so ist ausden Krankengeschichten nur einmal (No. G0) die Beschädi-gung bestimmter Aeste durch das Geschoss zu erkennen.Dasselbe hat bei dem in Rede stehenden Verwundeten den1. und 2. Mittelhandknochen und die Handwurzel getroffen;es blieb Gefühllosigkeit des Daumens und Zeigefingerszurück, welche auf eine unujittelbare Trennung des ammeisten speichenwärts laufenden Medianastes und des hoch-liegenden Zweiges der Speichennerven schliessen lässt. Da-gegen war die Lähmung der ganzen Hand bei F. (No. 57)anscheinend durch spätere Mitleidenschaft der Nerven ent-standen, da die Kugel, mehr senkrecht der Längsachse derHand verlaufend, unmöglich alle Stämme zerreissen konnte,hingegen der Eintritt starker Eiterung an dem Handgelenkund der Hand besonders hervorgehoben wird. In derselbenWeise ist wohl auch die Gefühllosigkeit der Hand nacheiner ausgedehnten Weichtheilverletzung der Hohlhandentstanden (No. 4). 10 Verwundete behielten dauerndeStörungen der Innervation zurück, und zwar der Bewegungder Hand (No. 38), der Bewegung sämmtlicher Finger(No. 59), des Hautgefühls der Hand (No. 16, 81, 85, 99), derBewegung und des Gefühls der Finger (No. 30, 36, 58, 83,112, 118, 119).
Eine Rumpf Verletzung durch dasselbe Geschoss,welches das Handgelenk durchbohrte, ist schon oben unterden Arten der Verwundung (S. 717) aufgeführt.
Durch besondere Schüsse entstanden ausser unbedeu-tenderen Verletzungen 2 Brüche des Unterkiefers (No. 3und U8). 1 )
') Siehe ausserdem die Anmerkung2 zu der Uebersicht auf S. 718.
III. Verlauf und Behandlung.
Zweierlei anatomische Besonderheiten geben den Schuss-wunden des Handgelenks gegenüber denen der anderenGelenke ein eigenes Gepräge: einmal das oben erwähnteVerhältniss der einzelnen kleineren Gelenke zu einander,sodann das Vorhandensein der Sehnenscheiden, namentlichan der Beugeseite, welche sich über das Gelenk hinüber-legen. In den Gelenkkapseln und Scheidensäcken findetder Eiter vorgebildete Wege zur Ausbreitung; nicht mindersind diese einzelnen Räume und Buchten, deren Menge nochdurch die Bänder vermehrt wird, geeignet, den Eiter zurück-zuhalten, welchem überdies die Abflusswege durch Ver-schiebung der Weichtheile verlegt werden. Letztere istimmerhin so bedeutend, dass die unterste Hautfalte, dieGrenze zwischen dem festen Handteller und der weichenFläche der Beugeseite des Unterarmes, welche bei starkerRückwärtsbeugung der Hand auf der Mitte der Handwurzelliegt, durch Vorwärtsbeugung bis auf den Gelenkrand der
Unterarmknochen gezogen wird (vergl. v. Scheven, S. 116).Ferner lockert sich durch die Entzündung unter Vermehrungder Gelenkflüssigkeit das feste Gefüge der Bänder in demMaasse, dass die Knochen aneinander vorbeigleiten und fastunvollkommen verrenkt erscheinen (vergl. Ruppr echt, S.73).Wie weit die Handwurzel sich von der Speiche durch Druckinnerhalb der Kapsel entfernen kann, zeigen die Versuchevon Bonnet, welcher durch Einspritzungen erstarrenderMasse die Gelenkflächen 3 bis 4 mm auseinander trieb.Bei der Abschwellung nehmen aber die Knochen wiederihre natürliche Lage ein. Bei denjenigen Geheilten, überwelche nachstehend (unter IV dieses Abschnittes) berichtetist, finden sich zwar Stellungen der Hand in Beugung nachder Seite, aber keine Verrenkungen.
Ein günstiger Umstand für die Heilung ist die Klein-heit der Knochen, wodurch weitgehende Splitterungen undausgebreitete Markentzündungen unmöglich gemacht sind,