718
VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.
Bandlll. Spez.Theil.
Die Häufigkeit der einzelnen Arten von Schusswundendes Handgelenks bei zuwartend behandelten Deutschen,welche summarisch bereits in Tabelle III auf S. G70 zu-sammengestellt ward, findet sich in nachstehender Ueber-sicht ausführlicher angegeben.
Die Diagnose der Schusswunden des Handgelenksbietet, abgesehen Ton der Möglichkeit, dass Sprünge derUnterarmknochen der Erkenntniss entgehen (siehe oben),meist keine Schwierigkeiten. Immerhin jedoch ist eineSplitterung des Gelenkendes der Elle in 7 Stücke durcheinen Gewehrschuss, welcher in der Gegend des Griffel-
fortsatzes eine 5 cm lange Wunde setzte, 3 Wochen langals eine Knochenstreifung angesehen worden.')
Erguss ins Handgelenk drängt nur bei ungewöhn-licher Stärke die Kapsel an einzelnen Stellen hervor,nämlich an der Rück- und Beugeseite. KnarrendesReiben ist nach Eintritt der Entzündung gelegentlichauch gefühlt worden, ohne dass Verletzung oder Knorpel-schwund nachzuweisen war. (Rupprecht, S. 73.)
») Vergl. IV. Band dieses Berichtes, S. 86, No. VII A. 9 unddenselben Verwundeten im V. Bande S. 506, No. 9.
Arten der Handgelenkwunden bei zuwartend behandelten Deutschen 1870/71
o
ö
;g
Art der Verwundung.
Ver-wundet.
Davon
ge-storben.
Kapselverletzungen
f ohl mi
ohne Knochenbetheiligungmit Knochenstreifung . .
A. Brüche der Unterarmknochen allein
beider Knochen .
der Speiche allein
der Elle allein
beider Knochen .
der Speiche allein
l der Elle allein
, , , . _ , f beider Knochen .ohne Angabe der Bruch- I
stelle i ^ er Speiehe allein
l der Elle allein( beider Knochen .
innerhalb der Kapsel
ausserhalb der Kapsel
B. Verletzungen der Unterarmknochen mit Bruch der Handwurzel . . I der Speiche allein
l der Elle allein
Brüche der Handwurzel und Mittelhand *).....
Schüsse in die Handwurzel ohne genauere Bezeichnung
Summe
262
611
212)
!) Eine erheblich grössere Zahl solcher Verletzungen siehe im neunten Kapitel dieses Bandes: „Verwundungen des Vorderarms undder Hand".
') v. Scheven, Deutsche militärärztliche Zeitschrift, Jahrg. 1876, S. 131 giebt 23 Gestorbene an. Da jedoch bei 2 derselben gleich-zeitig andere — und zwar schwerere — Verletzungen (2 Brustschüsse), vorlagen, sind dieselben nicht hier, sondern im V. Kapitel diesesBandes verrechnet.
II. Nebenverletzungen.
Aus Handgelenkwunden bei Deutschen traten 9 malstarke Blutungen in Folge von Gefässverletzungen ein,von denen eine, nach Gewehrschuss durch die Handwurzelvon der Beuge- zur Streckseite r ohne Operation gestilltwurde (No. 75) und eine andere im Verlaufe von tödtlicherPyämie entstand (No. 122); die übrigen erforderten grössereoperative Eingriffe.
Unterbindung des Hohlhandbogens fand nach einerGranatverwandung wegen Nachblutung im Reservelazareth
statt. Der Splitter war zwischen den Unterarmknochenein- und nach Zerschmetterung der Handwurzel- und Mittel-handknochen im Handteller ausgetreten (No. 58).
Die Speichenschlagader wurde auf dem Schlachtfeldenach einem Schuss durch das Handgelenk und das untereSpeichenende unterbunden; 9 Tage später folgte die Aus-führung der Resektion.')
•) Siehe im V. Band dieses Berichtes, S. 596, No. 10.