710
VII. Kapitel: "Verwundungen der grossen Gelenke.
Band III. Spez. Theil.
Öffnung neben dem inneren Oberarmknorren. Im Feldlazarethzu Pomponne bis zum 12. Dezember 1870, später in den Reserve-lazarethen Cöln und Leipzig starke Eiterung.
Erst im Juli 1871 waren die Wunden geheilt: nach einersich anschliessenden Badekur wurde K. entlassen. MassigerMuskelschwund, mit den Unterlagen verwachsene Narben. Gelenkim rechten Winkel steif, auch Pro- und Supination aufgehoben.
Am 12. September 1873 Zustand unverändert. Dauerndganzinvalide, gänzlich erwerbsunfähig, einfach verstümmelt.(Vergl. Evers, S. 376, No. 31.)
1015. K., Sergeant vom Sächsischen 2. Jäger-Bataillon, ver-wundet am 1. September 1870 bei Sedan: Gewehrschuss inslinke Ellenbogengelenk mit Verletzung von Speicheund Elle. Geheilt.
Befund im August 1871: Beträchtliche Abmagerung desArmes, völlige rechtwinklige Steifheit des Gelenks, Hand undFinger völlig steif, 4. und 5. Finger ohne Gefühl. Dauerndganzinvalide, ganz erwerbsunfähig, einfach verstümmelt. (Vergl.Evers, S. 377, No. 43.)
D Schusswunden des Ellenbogengelenks
ohne Angabe der getroffenen Theile.
101. J. M., Wehrmann vom 1. Posenschen Landwehr-Regiment No. 18, verwundet am 1. September 1870 bei Noisse-ville: Granatschuss in den linken Ellenbogen. Lag inNoisseville 3 Tage, in Hanau bis Mitte Oktober, dann inZerbst;von da nach Berlin entlassen.
Am 25. Mai 1871: Steifheit des linken Ellenbogen-gelenks, Spannung des zweiköpfigen Muskels. Zeitig ganz-invalide und grösstentheils erwerbsunfähig.
Am 28. Juli 1873 dauernd halbinvalide.
Am 25. September 1886 findet sich noch eine oberfläch-liche, ganz unschädliche Hautnarbe an der äusseren Fläche desEllenbogengelenkes, die Beugung und Streckung in dem-selben gelingt aktiv vollkommen, Pro- und Supinationist nichtbehindert, kein Knacken im Gelenk, keine Schmerzenbei gewaltsamen Bewegungen. Gang ist steif, Haltung gebückt,geringes Zittern der Hände.
105. H. B., vom 2. Hannoverschen Infanterie-RegimentNo. 77, verwundet am 25. Dezember 1870 vor Mezieres durchGranatsplitter am rechten Ellenbogengelenk. Ver-brachte 5 Tage auf Dörfern und gelangte am 31. Dezemberin das Feldlazareth zu Charleville, von wo er im März 1871nach Forbach, dann im April nach Düsseldorf übergeführt undim Monat August zu seinem Truppentheil entlassen wurde.Seiner Angabe gemäss sind gleich nach seiner VerwundungKnochenstücke aus dem Ellenbogen geschnitten worden. Armim rechten Winkel steif, abgemagert, kann im Schultergelenkaktiv bewegt werden. Die Finger sind beweglich und könnenGegenstände mit einiger, wenn auch geringer Kraft ergreifen.(Vergl. Kratz, Deutsche militärärztliche Zeitschrift 1872,S. 408, No. 9.)
106. H. M., Füsilier vom 3. Garde-Regiment zu Fuss, ver-wundet am 18. August 1870 bei St. Privat: Gewehrschussdurch das rechte Ellenbogengelenk von der Speichen-seite her zum Hakenfortsatz. Während der Behandlung starkeSchwellung des Vorderarms und Gelenks. Am 7. Oktober 1870geheilt.
107. J. L., Musketier vom 6. Pommerschen Infanterie-Regi-ment No. 49, verwundet am 1. Februar 1871 bei Pontarlier:Gewehrschuss durch das rechte Ellenbogengelenk.
Kugeleintritt am Speichenköpfchen; Austritt an der Beugeseitedes Oberarms. Behandlung mit Karbolsäureverband im Arm-tragetuch; starke Eiterung. Am 16. Februar Gypsverband;das Befinden besserte sich stetig. Anfang April war die Heilungerfolgt.
108. G. P., Hornist vom Leib-Grenadier-Regiment (1. Bran-denburgisches) No. 8, verwundet am 6. August 1870 bei Saar-brücken: Gewehrschuss durch das linke Ellenbogengelenk.Behandelt in den Reservelazarethen Kreuznach und Rostock.Im November 1870 geheilt.
109. J. Seh., Grenadier vom Grenadier-Regiment PrinzCarl von Preussen (2. Brandenburgisches) No. 12, verwundetam 6. August 1870 bei Saarbrücken: Gewehrschuss durch dasrechte Ellenbogengelenk von aussen nach innen undVerletzung der rechten Brustseite mit Bruch einerRippe. Im Reservelazareth Bonn Karbolsäureverband. MassigeAthembeschwerden; wechselndes, allmälig sich besserndes Be-finden. Die Armwunde am 20. Januar 1871 geheilt. Seh.befand sich ziemlich wohl, doch war die Brustwunde nochnicht geheilt.
110. J. H, Unteroffizier vom Westfälischen Feld-Artillerie-Regiment No. 7, verwundet am 18. August 1870: Gewehrschussdurch das rechte Ellenbogengelenk. Am 24. August imReservelazareth Wesel starke Schwellung, welche unter Gyps-verband und Anwendung von Eis bald nachliess; ebenso ver-minderte sich die anfangs starke Eiterung bei Behandlung mitLösungen von Chlorkalk und Kali hypermangan. Im Oktoberwurden Dauerbäder gebraucht; es stiessen sich noch wiederholtkleine Knochensplitter aus. Heilung am 25. Februar 1871beendet.
111. A. L., Füsilier vom Westfälischen Füsilier-RegimentNo. 37, verwundet am 6. August 1870 bei Wörth: Gewehrschussdurch das rechte Ellenbogengelenk. Am 5. März 1871aus dem Reservelazareth Hirschberg entlassen, obgleich nochSchmerzen bestanden.
112. K. H, Grenadier vom 2. Garde-Regiment z. F., ver-wundet am 18. August 1870 bei St. Privat: Gewehrschuss-wunden am linken Ellenbogengelenk und rechten Fuss.Erst am 14. März 1871 war die Heilung erfolgt; es bestanderhebliche Schwäche des Armes.
113. J. B., Füsilier vom 3. Garde-Regiment z. F., ver-wundet am 18. August 1870: Gewehrschuss an der hinterenSeite des linken Ellenbogengelenks, vom Vorderarm biszum Oberarm oberhalb des Hakenfortsatzes; Fleischschuss inSchulter und Rücken. 5. September: Knochenknarren im Gelenkbei guter Eiterung; Durchfälle; Schienen verband. Am 17. Sep-tember bei gutem Befinden ins Reservelazareth übergeführt.Später entstand Druckbrand, Fieber und eine durch Bruchdes Schlüsselbeins (aus unbekannter Veranlassung) bedingteBrustfellentzündung. Darauf langsame Heilung, die am2. Juni 1871 vollendet war.
114. J. K., Füsilier vom Ostpreussischen Füsilier-RegimentNo. 33: Gewehrschuss durch das linke Ellenbogengelenkvon aussen nach innen. Im Feldlazareth zu Amiens behandelt.Am 31. Dezember Kugel durch Einschnitt entfernt. K. wurdegeheilt.
115. J. Seh., Musketier vom 3. Rheinischen Infanterie-Regiment No. 29: Gewehrschusswunde am linken Ellen-bogengelenk von aussen nach innen. Im Januar im Feld-lazareth zu Amiens heftige Knochenhaut- und Gelenkentzündungmit Bildung von Eiterherden. Wurde geheilt.