Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
708
Einzelbild herunterladen
 

708

VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.

Band III. Spez. Theil.

74. A. K., Grenadier vom 3. Ostpreussischen Grenadier-Regiment No. 4, verwundet am 27. November 1870 bei Amiens:Gewehrschuss in den oberen Theil des linken Vorder-armes, Ausgang dicht neben dem Hakenfortsatz, Knochenwenig verletzt. Im Feldlazarett» zu Compiegne mit Karböl-säureverband behandelt. Im Februar geheilt.

/5. J., Grenadier vom Sächsischen 2. Grenadier-Regiment(Kaiser Wilhelm, König von Preussen) No. 101, verwundet am

18. August 1870: Gewehrschuss ins linke Ellenbogengelenkmit Verletzung des Hakenfortsatzes und des Ellen-nerven. Heilung.

Befund im November 1871: Völlige Steifheit in einemWinkel von 120°, Hand und Finger fast unbeweglich. Dauerndganzinvalide, gänzlich erwerbsunfähig und einfach verstümmelt.(Vergl. Evers, S. 375, No. 30.)

76. F. L., Füsilier vom 4. Pommerschen Infanterie-Regi-ment No. 21, verwundet am 23. Januar 1871: Gewehrschussdurch den linken Ellenbogen von aussen nach innen, derHakenfortsatz ist abgeschossen. Im Feldlazareth zuChatillon wurden am 31. Januar 1871 einige Knochensplitterentfernt; die Eiterung war gering, der Heilungsverlauf rasch.Am 7. März 1871 waren die Wunden geschlossen.

77. J. D., Füsilier vom 8. Rheinischen Infanterie-RegimentNo. 70, verwundet am 19. Januar 1871 bei St. Quentin: Gewehr-schuss an der Rückseite des rechten Ellenbogengelenkes mitBruch des Hakenfortsatzes. Das Geschoss wurde an derAussenseite herausgeschnitten. Starke Anschwellung des Gelenks.Am 5. Februar 1871 Lungenbrustfellentzündung. Durch Ein-schnitt werden Knochenstücke entfernt, der Arm rechtwinkligfestgestellt. Am 25. März 1871 sind die Wunden geheilt, Be-wegung des Armes im Ellenbogengelenk fast ganz aufgehoben.

78. A. F., Füsilier vom Oldenburgischen Infanterie-Regi-ment No. 91, verwundet am 28. November 1870 bei Beaune laRolande: Gewehrschuss durch das rechte Ellenbogengelenk,schräg von aussen unten nach innen oben mit Zerschmette-rung des Hakenfortsatzes. In den ersten 6 Wochen wurdenviel Knochensplitter herausgezogen; im Reservelazareth Cottbuserfolgte die Heilung bis zum 10. Februar 1871; das Gelenk warin rechtwinkliger Stellung steif; erheblicher Schwund der Mus-kulatur.

79. H. S., Grenadier vom Königs - Grenadier-Regiment(2. Westpreussisches) No. 7, verwundet am 6. August 1870 beiWörth: Gewehrschuss von der Mitte des rechten Vorder-armes durch das Ellenbogengelenk dringend mitSplitterung des Hakenfortsatzes. Anwendung von Eis.Im Reservelazareth Berlin starke Eiterung, Einschnitt undHerausnahme von Knochensplittern. Ende November geheilt.

80. R. L., Musketier vom 6. Brandenburgischen Infanterie-Regiment No. 52, verwundet am 10. Januar 1871 bei Orleans:Gewehrschuss wunde am linken Ilakenfortsatz. War am

19. April 1871 geheilt mit vollständiger Steifheit des Gelenks.

81. A. K., Unteroffizier vom Königs-Grenadier-Regiment(2. Westpreussisches) No. 7; verwundet am 6. August 1870 beiWörth: Gewehrschussbruch des rechten Ilakenfort-satzes mit Eröffnung des Gelenks. Behandlung erst mitEis; später wurden Einschnitte nöthig. Am 5. Dezember 1870aus dem Reservelazareth Berlin geheilt entlassen.

82. L. A., Füsilier vom 3. Hessischen Infanterie-RegimentNo. 83, verwundet am 2. Dezember 1870 beiArtenay: Gewehr-schuss durch das linke Ellenbogengelenk von hinten nach vornmit Bruch des Hakenfortsatzes und oberen Theiles

der Elle. Im Februar 1871 mussten im Reservelazareth Wies-baden noch Eiterherde eröffnet werden; am 5. Mai 1871 Heilungmit Steifheit des Gelenks.

83. H. Seh., Gefreiter vom Brandenburgischen Festungs-Artillerie-Regiment No. 3 (General-Feldzeugmeister), verwundetam 13. Oktober 1870 bei Verdun: Gewehrschuss am linkenEllenbogengelenk mit Bruch des Hakenfortsatzes. Seit20. Dezember 1870 im Reservelazareth Hannover; im Februarnoch Eiterung, Entfernung von Knochensplittern und Tuchfetzen.Im April Heilung; rechtwinklige Steifheit des Gelenks.

84. G. G., Musketier vom 6. Ostpreussischen Infanterie-Regiment No. 43, verwundet am 1. September 1870 vor Metz:Gewehrschuss ins rechte Ellenbogengelenk, ausserdem2 Fleischschüsse. Im Reservelazareth Völklingen am 20. Oktober1870 kleine Knochensplitter aus den auf den Hakenfortsatzführenden Fistelgängen entfernt; Anwendung von Dauerbädern.Am 21. März 1871 geheilt aus dem Reservelazareth Berlinentlassen mit völliger Steifheit des Gelenks.

85. A. Seh., Grenadier vom 1. Westpreussischen Grenadier-Regiment No. 6, verwundet am 6. August 1870 bei Wörth:Splitterung des rechten Ilakenfortsatzes durch Gewehr-schuss. Starke Anschwellung, schon am 4. Tage Jauchung,welche eine Zeit lang trotz Dauerbäder fortbesteht. Am30. August 1870 Lungenentzündung. Später bildete sich mehr-mals Eiterung. In den Reservelazarethen Hersfeld und Greifs-wald allmälig Heilung, die am 8. Mai 1871 vollendet ist; dasGelenk blieb steif.

86. St., Major, verwundet am 6. August 1870 bei Spicherendurch Gewehrschuss ins rechte Ellenbogengelenk mit Bruchdes Hakenfortsatzes.

Am 28. August 1873: Das rechte Ellenbogengelenk iststeif im Winkel von 45°, noch geschwollen, jedoch ohne ent-zündliche Röthe. Besonders am Hakenfortsatz, woselbst auchKallusbildung gefühlt wird, ist die Geschwult hart. DasSpeichenellengelenk ist frei geblieben, so dass leichteDrehung der Hand stattfinden kann. Bei der geringsten passivenBewegung entstehen sofort die grössten Schmerzen im ganzenBereich des Ellennerven. Derselbe ist gelähmt, so dass dieFinger nicht bewegt werden und abzumagern beginnen. DieHand vermag weder einen Gegenstand zu fassen noch zu halten.Der Oberarm kann vom Körper nicht erhoben werden. DieStörung der aktiven Beweglichkeit des Armes ist dem voll-ständigen Verluste desselben gleich zu erachten. Dauernd ganz-invalide.

87. H. E., Musketier vom Ostfriesischen Infanterie-RegimentNo. 78, verwundet am 16. August 1870: Gewehrschuss durchdie linke Ellenbogenbeuge mit Eröffnung des Gelenks undBruch des Kronenfortsatzes der Elle. Im ReservelazarethPaderborn im September und Oktober 18.70 Entfernung vonKnochensplittern zu wiederholten Malen. Heilung im Gyps-verband bis 6. Januar 1871 vollendet.

88. Ch.H., vom 3. Badischen Infanterie-Regiment No. 111,verwundet am 6. Oktober 1870: Gewehrschuss durch daslinke Ellenbogengelenk mit Verletzung des Gelenk-endes der Elle. Heilung; jedoch bedeutende Gebrauchs-störung; weder vollständige Beugung und Streckung, nochDrehung möglich. Speiche verrenkt, Knochenverlust imBereiche des Gelenks, Abmagerung des Armes. (Vergl. v. Beck,S. 589, No. 1.)

89. W. IL, Gefreiter vom Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment No. 2, verwundet am 18. August 1870 bei St. Privat:Gewehrschuss durch das linke Ellenbogengelenk, die