Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
Entstehung
Seite
702
Einzelbild herunterladen
 

702

"VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.

Bändln. Spez. Theil.

Die Todestage und Todesursachen für sämmtliche62 Gestorbene (einschliesslich der 46, über welche nurZählkarten vorliegen) sind nachstehend zusammengestellt.1. Zeitdauer bis zum Tode.

Es starben:

am 1. bis 3. Tage nach der Verwundung

4.

7. >,

in der 2.

Woche

,, ,, o.

ii

4

M

5

11 11 "

11

nach der

5.

1

5

86

4

412

ohne Zeitangabe.......... 22

Summt; l >2

2. Todesursache. Es starben an:

Pyämie und Septicämie ... 9

Kieferklemme und Starrkrampf . 4

akut-purulentem Oedem ... 2

Brand......... 2

Erschöpfung nach Eiterung und

Blutung........ 3

Tuberkulose....... 2

Ruhr und Typhus..... 4

ohne Angabe...... .. 36

Summe 6228 Verwundete starben in Feld- und Kriegslazarethen,30 in Reservelazarethen und 4 an unbekannten Orten.

Kasuistik.

A. Kapselverletzungen ohne Knochenbetheiligung.

1. IL Z., Unteroffizier vom 5. Thüringischen Infanterie-Regiment No. 94 (Grossherzog von Sachsen), verwundet am1. September 1870: Gewehrschuss in die r echte Elle nbogen-gegend. Die 5cm oberhalb des äusseren Oberarmknorrenseingetretene Kugel lief am Gelenk entlang. Ausgang 2'/« cmunterhalb des Speichenköpfchens. Der Verwundete traf am6. September 1870 im Reservelazareth Aachen ein. Anfangsbedeutende Anschwellung des Gelenkes, dann rascheHeilung. Am 27. September 1870 war der Schusskanal ge-schlossen, Gelenk völlig beweglich.

2. F. T., Musketier vom Brauuschweigischen Infanterie-Regiment No. 92: Gewehrschuss. Eintritt der Kugel in derMitte des rechten Vorderarms am Ellenrand. Dieselbewurde an der Aussenseite des Hakenfortsatzes ausge-schnitten. Danach Austritt von Gelenk flüssig k ei t. Im Reserve-lazareth Braunschweig am 19. Januar 1871 massige Eiterung,Karbolsäureverband; später Bildung von Eiterherden. Am16. März 1871 Wunden geheilt; das Gelenk war geschwollenund schwer beweglich.

3. F. Frhr. v. L., Rittmeister, verwundet am 16. August1870 bei Mars la Tour: Eingang an der Speichenseite deslinken Arms, etwa 6 cm unterhalb der Ellenbogenbeuge. DieKugel ist von unten und aussen schräg nach oben und innen,über der Ellenbogenbeuge fort nach der inneren Seite ge-laufen und 0 cm oberhalb des inneren Armknorrens ausgetreten.Im Lazareth zu Pont ä Mousson, später zu St. Wendel; imHerbst 1870 in "Wiesbaden, 1.S71 Badekur in Norderney.

Am 26. April 1878: Die Narben sind empfindlich aufDruck. Aktiv und passiv geht die Beugung gut von statten,die Streckung beinahe völlig unbehindert. Dagegen ist dasSpeichenellengelenk vollständig verwachsen, so dassPro- und Supination im Ellenbogen nur mit Hilfe des Schulter-.gelenks in beschränktem Maasse ausgeführt werden 1 kann. Derlinke Arm ist um 1 cm schwächer und wird gewöhnlich sogehalten, dass der Rücken der Hand nach oben und aussengerichtet ist. Dienstunfähig.

4. W. W., Unteroffizier vom 1. Garde-Regiment zu Euss:Gewehrschuss wunde am rechten Ellenbogengelenk mit leichterStreifung der Gelenkkapsel. Im Reservelazareth Potsdamleichte Gelenkentzündung, welche durch Ruhe und Eis

beseitigt wurde. Am 18. Oktober 1870 geheilt; Arm im Ellen-bogengelenk noch etwas schwer beweglich.

5. F. B., Grenadier vom Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment No. 2, verwundet am 18. August 1870 bei St. Privat:Gewehrschuss, am rechten Ellenbogengelenk am innerenKnorren von innen oben nach aussen unten verlaufend;Gelenkverletzung zweifelhaft, aber wahrscheinlich. Im Reserve-lazareth Leipzig starke Schwellung des Gelenks undhohes Fieber. Am 3. Oktober 1870 geheilt.

(i. R. B., vom 1. Badischen Leib - Grenadier - RegimentNo. 109: Gewehrschuss mit Eröffnung des linken Ellen-bogengelenks. Keine Knochenverletzung, Austritt vonGelenkflüssigkeit. Ruhige Lage, Anwendung der Kälte.Heilung ohne Zwischenfall in fünf Wochen; Brauchbarkeitdes Armes anscheinend wenig beeinträchtigt. (Vergl. v. Beck,S. 588, No. 1.)

t. Deutscher Füsilier, verwundet Ende Dezember 1870bei Orleans: Rehposten drangen aus geringer Entfernung inden Rücken und das linke Ellenbogengelenk. Oberhalb desHakenfortsatzes, in der Furche der Ellennerven dicht oberhalbdes inneren Armknorrens und an der äusseren Seite der Sehnedes zweiköpfigen Muskels, je eine Oeffnung. Gelenk ge-schwollen und schwappend. Aktive und passive Bewegungerhalten, aber schmerzhaft. Ruhige Lagerung, Eisüberschläge.Heilung in 14 Tagen mit etwas anbequemer aber doch freierBeweglichkeit des Gelenkes. (Vergl. v. Langenbeck, S. 164,No. 32.)

8. Lieutenant F. K., verwundet am 1. Februar 1871 beiPontarlier: Streifschuss über die äussere Seite des linkenEllenbogengelenkes. In der Schussrinne von 5 cm Länge lagdie überknorpelte Fläche des Speichenköpfchens zuTage. Der Arm wurde eingegypst und die Wunde einfachverbunden. Sehr bald traten gute Granulationen auf. OhneEintritt erheblichen Fiebers oder einer autfälligen (ielenk-schwellung erfolgte die Heilung. Die anfängliche Beweglichkeitbetrug nur etwa 10° bei vollständig freier Pro- und Supination.Unter warmen Bädern und gymnastischen Uebungen nahm, biszur Entlassung des Verwundeten am 24. April, die Freiheit derBewegungen bedeutend zu. (Vergl. v. Bergmann, Die Resul-tate der Gelenkresektiouen im Kriege, (Hessen 1874, S. 29.)

!). I. Seh., Füsilier vom 1. Garde-Regiment zu Fuss, ver-wundet am 18. August 1870 bei Gravelotte: Gewehrschuss-