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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.
Band III. Spez. Theil.
III. Verlauf und Behandlung.
Die Schwellung des Ellenbogengelenks nach Ver-wundung desselben war meist sehr deutlich ausgeprägt;einmal (No. 7) ist das Schwappen der Flüssigkeitbesonders hervorgehoben. Nach einem Streifschuss (No. 5)stellte sich Schwellung erst im Reservelazareth ein, so dassanfangs die Gelenkentzündung zweifelhaft war, währendsie bei einem anderen Verwundeten (No. 23) die Anlegungdes Gypsverbandes erst am 6. Tage zuliess.
Die Eiterung führte bei G. (No. 51) zu bedeutendenSenkungen. Schon am 4. Tage ging sie bei Seh. (No. 8."))in Jauchung über, welche trotz Dauerbäder längere Zeitfortbestand, schliesslich aber den Ausgang in Heilung nahm,ebenso bei K. (No. 101), welcher trotz eingetretener Jau-chung schon am 20. Tage zurückbefördert werden konnte.
Entfernung von Geschossen gleich oder bald nachder Verwundung durch Einschnitt wurde 5mal vorgenom-men (No. 2, 21, 77, 114, 127); ein Kugelstück wurdeerst nach 2 Monaten (No. 29), ein anderes Geschoss etwaum dieselbe Zeit (No. 131) entfernt, nachdem währendder ersten 6 Wochen die Heilung anscheinend gut vonstatten gegangen war, sodann aber im ReservelazarethInsterburg starke Eiterung sich eingestellt hatte. DieHerausnahme von Tuchfetzen fand bei einem Verwundeten(No. 83) erst nach 4 Monaten statt.
Der Entfernung grösserer Knochensplitter ge-schieht in 2 Krankengeschichten Erwähnung. Bei R.(No. 35) wurde der abgebrochene innere Knorren heraus-gezogen, worauf Nachlass der Entzündung und Eiterungeintrat; bei H. (No. 40) geschah die Absägung eines Stückesdes Oberarmknochens; der pyämische Zustand wurde dadurchzwar nicht sogleich beseitigt, doch genas schliesslich derVerwundete.
Von Wundkrankheiten mit Ausgang in Heilung 1 )wurde bei den zuwartend Behandelten 3mal Pyämie (No. 33,40, 90), 3mal Rose (No. 24, 119, 139), lmal Diphtherie(No. 156) und 3mal Brand (No. 120, 122, 126) beobachtet.Die Häufigkeit des Brandes erklärt sich durch das theil-weise feste Anliegen der Haut am Knochen. Bei Z. (No. 126)bildeten die Brandblasen den Anfang von Jauchung undschweren Allgemeinerscheinungen. Druckbrand entstandbei einem 9'/s monatlichen Krankenlager (No. 113), welchesdurch Brustfellentzündung herbeigeführt war.
Ausgesprochene Pyämie mit hohem Fieber und Schüttel-frösten nahm einen günstigen Verlauf bei den VerwundetenNo. 33, 40, 90, von denen der letzte, nach Vornahmetiefer Einschnitte, am Tage mit Dauerbädern, Nachts mitSchienenverband behandelt wurde, ohne dass die Noth-wendigkeit eines operativen Eingriffes sich einstellte. —
') Die Wundkrankheiten mit tödtlichem Ausgang siehe S. 701.
Eine starke feste Schwellung des Armes, welche wohl kaumals akut purulentes Oedem aufzufassen ist, hatte der Ver-wundete No. 48 zu überstehen.
Von anderen Krankheiten hatten am EllenbogengelenkVerwundete Lungenentzündung (No. 85) und Brust-fellentzündung (No. 77 und 113) durchzumachen; letztereentstand einmal (No. 113) durch einen Schlüsselbeinbruch.
Neuen Aufbruch der Wunden nach scheinbar voll-endeter Heilung mitAusstossung von abgestorbenen Knochen-splittern erlitt der Verwundete No. 58, welcher erst Anfang1872 endgiltig geheilt entlassen wurde, ebenso No. 151, beiwelchem die Narbe sich erst 1872 öffnete.
Bei Behandlung der Ellenbogengelenkschüsse spieltenörtliche Dauerbäder, häufig unter Zusatz antiseptischerMittel, eine bedeutende Rolle. Zur Feststellung dienteneben Schienen mannigfacher Art namentlich der Gyps-verband. Bei K. (No. 8) wurde derselbe gleich nachder Verwundung angelegt; gelegentlich inusste er wegenstarker Schwellung wieder entfernt werden (No. 33).Meist scheint der eingegypste Arm auf fester Unterlageoder, nach weiterem Fortschritt der Heilung, in einemArmtragetuch gelagert zu sein; nur einmal (No. 125) findetsich die Bemerkung, dass ein gefensterter Gypsverbanddurch eine Schwebe gehalten wurde. Im stumpfen Winkelhat die Anlegung eines sehr schweren Gypsverbandes zurUeberführung eines Verwundeten (No. 27) stattgefunden;nach Ankunft im Reservelazareth wurde der Verband sofortdurch einen neuen in rechtwinkliger Stellung ersetzt.v. Langeubeck (a. a. O., S. 168 und 169) hebt besondershervor, dass die stumpfwinklige Feststellung des Ellen-bogengelenks leicht schon im Beginn der Behandlung diespätere Stellung des Armes beeinflussen könne, die recht-winklige Stellung daher von Anfang an zu erstreben sei;die Durchführung dieses Grundsatzes biete indess manchmalSchwierigkeiten, da bei einzelnen Verwundeten der wieder-holte Versuch, die Streckstellung des Armes in Beugungzu verwandeln, jedesmal heftige Gelenkentzündungen herbei-geführt habe. Uebrigens liegt auch ein Beispiel von Hei-lung in spitzwinkliger Stellung vor, welche durch Muskel-und Narbenspannung bewirkt war und in der Chloroform-betäubimg durch gewaltsame Streckung gelöst wurde (No.97);ein anderes steif geheiltes Gelenk (No. 22) trotzte allenStreckversucken.
Wegen der Häufigkeit der nach Ellenbogengelenkwundengemachten Operationen siehe Tabelle H auf S. 669,die wegen Blutungen unternommenen chirurgischen Ein-griffe auf S. 696/97 unter den Nebenverletzungen.
Unter den 185 verstümmelnden Operationenbefanden sich 6 Absetzungen im Schultergelenk mit