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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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689
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Band III. Spez. Theil.

II. Abschnitt: Verletzungen des Scliultergelenks.

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Im 7. Feldlazareth X. Armeekorps fand man Abflachung desDeltamuskels und Verrenkung des Gelenkkopfes nachunten, Knochenknarren, aufgehobene aktive Beweglichkeit;nach Einrenkung des Gelenkkopfes Verband nach Desault. Am18. November 1870 war die Heilung fast vollendet.

69. R., Gefreiter vom 3. Westfälischen Infanterie-RegimentNo. 16, verwundet bei Beaune la Rolande: Gewehrschuss durchdas rechte Schultergelenk von vorn nach hinten mit Zer-schmetterung des Gelenkkopfes.

Heilung Ende April 1871. Völlige Steifheit des Gelenks,gänzliche Abmagerung des Deltamuskels. Zeitig gänzlicherwerbsunfähig. (Vergl. Berthold, S. 470, No. 7.)

70. P., Soldat vom Sächsischen 6. Infanterie - RegimentNo. 105, verwundet am 18. August 1870: Gewehrschuss in dasrechte Schultergelenk mit Zerschmetterung des Gelenk-kopfes.

Heilung. Befund Juli 1873: Schulter und Oberarm massigabgemagert, Gelenk völlig steif, Hand kräftlos. Dauernd ganz-invalide und erwerbsunfähig, einfach verstümmelt. (Vergl.Evers, S. 373, No. 11.)

71. A., vom 1. Badischen Leib-Grenadier-Regiment No. 109,verwundet am 18. Dezember 1870: Schuss in die linke Schulter.Das Geschoss ging hoch oben durch den Knochen und brachdenselben.

Durch Eiterung und eine spätere venöse Blutung entstandgrosse Schwächung. Splitterentleerung. Sehienenverband, Gyps-verband. Nach 5 Wochen mit dem 2. Gypsverbande entlassen.Später im Reservelazareth Freiburg lange Eiterung; häufig Rose.Feuchtwarme Einwickelungen, Einschnitte, Oelverband. Heil-station Baden. Heilung mit wenig behinderter Beweglichkeit.Später besserte sich die Gebrauchsfähigkeit noch wesentlich.(Vergl. v. Beck, S. 585, No. 19.)

72. H. Seh., Musketier vom 1. Nassauischen Infanterie-Regiment No. 87, verwundet am 6. August 1870 bei Wörth:Gewehrschuss durch das linke Schultergelenk von vorn nachhinten.

Am 15. August 1870 im Reservelazareth Bonn starke Eite-rung, Entfernung von Splittern des Oberarmkopfes; Aus-spritzungen mit wässriger Karbolsäurelösung. Am 25. AugustEröffnung eines Eiterherdes und Entfernung von Splittern. ImSeptember bildete sich Druckbrand am Ellenbogen. ImOktober wurde nach abermaliger Splitterherausnahme dieEiterung massig; weitere Splitter folgten im November, woraufdie Wunden im Januar 1871 heilten. Es wurde allmäligfast der ganze Oberarmkopf in Splittern entfernt.Nachdem die Narben nochmals aufgebrochen, wurde Seh. EndeFebruar 1871 geheilt entlassen. Bei geringer Beweglichkeitwar der Arm zu einzelnen leichten Verrichtungen brauchbar.

/3. L. H, Musketier vom 4. Brandenburgischen Infanterie-Regiment No. 24 (Grossherzog von Mecklenburg-Schwerin), ver-wundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour: Gewehrschussvon vorn in den Oberarmkopf. Ausgang unterhalb der Gräte.

II. lag Nachts uuverbunden auf dem Schlachtfelde; am20. August Ankunft im Reserve - Lazareth Kreuznach. Wegenheftiger Entzündung und reichlicher jauchiger Eiterung Eisund Karbolsäureverband, Ausspülungen mit Lösung von Kalihypermang. Wiederholte Entfernung von grösseren Knochen-splittern, wobei Absprengung des Oberarmkopfes imanatomischen Halse gefunden wurde. Im Dezember wurde zurBeschränkung der Eiterung gepulverte Kohle aufgestreut.

Im Januar 1871 wieder starke Entzündung. Entfernungeines Knochensplitters durch Resektionsschnitt, ohne dass eine

Sanitäts-liericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Spez. Theil.

eigentliche Resektion gemacht wurde. Die Wunde heilte schnell.Bis zum Mai bestand noch Eiterung; später Heilung.

74. H. I)., Füsilier vom 8. Westfälischen Infanterie-Regi-ment No. 57, verwundet am 16. August 1870 bei Mars laTour:Gewehrschuss durch das linke Schultergelenk mit Zerschmette-rung des Gelenkkopfes, und Gewehrschussbruch des rechtenOberarms.

Im Kriegslazareth Mars la Tour mit Lagerung in Armladeund Tuch erhaltend behandelt. Am 28. August 1870 Eintritthohen Fiebers, Erweiterung der Wunden, Herausnahme vonSplittern; rechterseits Anlegung eines Gypsverbandes, welcherDruckbrand verursacht. Am 2. Oktober Eitersenkungen, Irre-reden; 12. Oktober: starker Husten; 14. Oktober: Durchbruch desEiters in die linke Brusthöhle; 29. Oktober: Tod an Septicämie.

75. J. R., Grenadier vom 2. Ostpreussischen Grenadier-Regiment No. 3, verwundet am 14. August 1870 vor Metz:Gewehrschuss in das rechte Schultergelenk, beginnend an der2. Rippe. Ausgangsöffnuug fehlt, Kugel steckt.

Im Kriegslazareth Teterchen starke Schwellung, Verbandmit Karbolsäurelösung, allmälige Abnahme der Kräfte. Am19. September Tod.

Sektion: Zerschmetterung des Oberarmkopfes,die Kugel steckt im Gelenk; die Gelenkfläche des Schulter-blattes ist abgestorben.

76. R. W., Grenadier vom 2. Garde-Regiment zu Fuss,verwundet am 18. August 1870 bei Gravelotte: Gewehrschuss indie linke Schulter. Am 26. August im Reservelazareth Potsdamaufgenommen und daselbst gestorben am 12. September.

Sektion: Verletzung des Schultergelenks, Zerschmette-rung des Oberarmkopfes.

77. G. R., Musketier vom 4. Thüringischen Infanterie-Regiment No. 72, verwundet am 16. August 1870: Gewehrschussdurch die rechte Schulter mit Bruch des Oberarmkopfes.Es wurden wiederholt die Einschnitte grösserer Eiterherdenöthig, dann folgten Schüttelfröste und Erschöpfung. Tod am9. September.

78. S. B., Unteroffizier vom Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment No. 1, verwundet am 14. August 1870 vorMetz: Gewehrschuss durch den linken Oberarmkopf mitSplitterung und Längsbruch bis zur Mitte des Schaftes.Sehr starke Eiterung. B. wurde am 23. August zurückbefördert,kam im Reservelazareth Ems so schwach an, dass eine Operation,die sonst angezeigt war, unmöglich schien. Er starb am15. September an Pyämie.

79. D. St., Grenadier vom Grenadier-Regiment Kronprinz(1. Ostpreussisches) No. 1, verwundet am 31. August 1870 vorMetz: Gewehrschuss durch die rechte Schulter mit Zer-schmetterung des Oberarmkopfes und Eintritt in dieBrusthöhle. Im Feldlazareth zu Noisseville Bluthusten undAthemnoth. Am 5. September Brustfellerguss, dann Jauchuug.Tod am 11. September.

80. L. N., Musketier vom 8. Pommersehen Infanterie-Regiment No. 61, verwundet am 21. Januar 1871: Granat-schusswunden an beiden Schultern, links mit Bruch desOberarmkopfes. Starke Schwellung und Splitterung. Am4. Februar Splitter vom Gelenkkopf entfernt. Am 5. Februar Tod.

Sektion: Starke Splitterung bis zur Mitte desOberarms.

81. W., Dragoner vom 2. Schlesischen Dragoner-RegimentNo. 8, verwundet am 2. Dezember 1870: Gewehrschuss durchdas rechte Schultergelenk, vorn unter dem Schnabelfortsatz ein-

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