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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.

BandHI Spez. Theil.

tretend, am hintern unteren Umfange des Gelenks austretend.Oberarmkopf etwas dicker als links, Splitterungweder durch Knochenknarren, Fühlen mit demFinger,noch Sonde nachzuweisen. Anschwellung und Schmerz-haftigkeit des Gelenks, Schüttelfröste. Am 11. Dezember plötz-lich heftige Athemnoth, Gesicht bläulich; man hört schon vonWeitem ein regelmässiges, plätscherndes Geräusch am Herzen;Herzdämpfung verschwunden, Tod.

Sektion: Theilweise Splitterung des Gelenk-kopfes und Vereiterung des Gelenks; pyämische Er-scheinungen, Pneumoperikardium, Lungen frei. (Vergl.Stoll, S. 189.)

82. K., Feldwebel vom Württembergischen 7. Infanterie-Kegiment, verwundet am 30. November 1870: Gewehrschussdurch die rechte Schulter mit Knochenverletzung des Gelenk-endes des Oberarms. Am 9. Dezember Starrkrampf; am10.: Tod.

Sektion: Splitterung ins Gelenk; Nervenverletzung nichtgefunden. (Vergl. Stoll, S. 224.)

83. Ungenannter Offizier, verwundet am 12. Januar 1871durch die Führungsknöpfe einer Granate hinter dem Schulter-ende des rechten Schlüsselbeins. Oberarmknochen an-scheinend nicht verletzt; Schultergelenk bei Druck schmerz-haft, keine Geschwulst. Strom eyer's Kissen. 21. Januar: Fieber;man sieht Splitter von der Schulterhöhe; starke Eiterung.26. Januar: Starker Verfall; der Knorpel des Gelenkkopfes liegtfrei, Resektion besprochen; Abends Schüttelfrost. 27. Januar:Jauchung. 1. Februar: Tod durch Pyämie.

Sektion: Gelenkkopf ganz zersplittert, Spaltengehen in den Schaft; in der Achselblutader liegt ein eitrigzerfallener Pfropf. (G. Fischer, Floing. S. 205.)

I). Mit Betlieiligung anderer Knochen.

84. R., Musketier vom Braunschweigischen Infanterie-Regiment No. 92, verwundet am 16. Dezember 1870 bei Vendomedurch Gewehrschuss. Eingang hinten oberhalb der Gräte, Aus-gang vorn zwischen den Armhöckern. Die Bieepssehne ist durch-schossen. Diagnose nach Berthold: Zerschmetterung desGelenkkopfes und des Gelenktheiles des Schulter-blattes. Ausstossung von Knochensplittern aus der hinterenOeffnung, wahrscheinlich dem Schulterblatt angehörend. Eiter-senkung in der Höckerfurche, welche wahrscheinlich mit derGelenkkapsel in Verbindung steht, (v. L.:Das Gelenk ist nochein wenig geschwollen, aber ganz schmerzlos und passiv freibeweglich.") B.: Heilung am 10. Oktober 1871. KnöcherneVerwachsung des Gelenkes, Schwund der Muskulatur; Brauch-barkeit des Armes aufgehoben, wie bei Lähmung. Zeitig gänz-lich erwerbsunfähig und verstümmelt. [Vergl. v. Langenbeck,S. 111, No. 7; Berthold, S. 470, No. 8.]

85. H., Soldat, Gewehrschuss durch die linke Schulter.Eingang 1 cm unter dem Schnabelfortsatz. Ausgang dichtüber der hinteren Achselfalte. Langdauernde Pyämie. Entfernungvieler Splitter des Oberarmkopfes und des Gelenkfort-satzes des Schulterblattes. Heilung. Feste Verwachsung;Schmerzen in der Schulter, Arm abgemagert und schwach,Vorderarm und Hand frei beweglich.

1872 nach 6 wöchentlicher Badekur in Wiesbaden (31 Bäderund 5 warme Douchen) Beseitigung der Schmerzen, Arm ge-kräftigt. (Vergl. Neubauer, S. 204, No. I, 1.)

86. F. R., Musketier vom 3. Brandenburgischen Infanterie-Regiment No. 20, verwundet am 16. August 1870 bei Mars

la Tour: Einschuss vorn an der rechten Schulterhöhe, Ausganghinten in der Mitte des Oberarmes, nahe dem Ansatz des Delta-muskels. Schulterhöhe verletzt, Oberarmknochen ge-brochen. Während der Eiterung sind 18 Knochensplitter aus-gestossen.

Am 20. Januar 1871 Ankunft im Reservelazareth Berlin.Wegen Auftreibung des Gelenkes Druckverband. 17. April geheiltentlassen. Bedeutende Gebrauchsunfähigkeit des Gelenkes, be-dingt durch erhebliche Anschwellung, Schwund der Muskulatur,Spannung der Narbe und Erschlaffung der Gelenkkapsel undBänder. Der Oberarm kann nicht aktiv vom Körper abgehobenwerden. Dauernd ganzinvalide, zeitig gänzlich erwerbsunfähig.

27. Oktober: Dauernd ganzinvalide und dauernd grösstentheilserwerbsunfähig.

15.März 1872: Die Ausschussnarbe ist aufgebrochen undein Knochensplitter abgestossen, Umgebung hart geschwollen.Es bestehen lebhafte Schmerzen in der Tiefe, sowie nach derSchulter ausstrahlend. 14. August: Die Sonde dringt 5 cmtief hinein. Der Gang ist etwas gewunden, schräg nach obenin der Richtung zur anderen Narbe gehend.

87. J. M., Füsilier vom 4. Brandenburgischen Iufanterie-Regiment No. 24 (Grossherzog von Mecklenburg-Schwerin), ver-wundet am 16. August 1870 bei Vionville: Gewehrschuss durchdas rechte Schlüsselbein und Schultergelenk. Am

28. Januar 1871 waren die Wunden geheilt; beträchtlicheGebrauchsstörung blieb zurück.

88. L., Musketier vom 3. Westfälischen Infanterie-RegimentNo. 16, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour: Ge-wehrschuss durch das rechte Schultergelenk. Eintritt unterhalbder Gräte, Bruch des Gelenkkopfes und Schlüsselbeins;Austritt oberhalb des Schnabelfortsatzes. Heilung Ende Februar1871; mehrfache mit den unterliegenden Knochen fest ver-wachsene, nach Einschnitten um das Gelenk zurückgebliebeneNarben; völlige Steifheit des Gelenks, Abmagerung derOberarmmuskulatur. Zeitig gänzlich erwerbsunfähig. (Vergl.Berthold, S. 470, No. 5.)

89. K. J., vom 5. Thüringischen Landwehr-RegimentNo. 94, verwundet am 6. August bei Wörth: Einschuss an deräusseren Seite unterhalb des Oberarmkopfes; Ausschuss an derMitte des Schlüsselbeins. Erst im Oktober 1872 geheilt mitunvollkommener knöcherner Verwachsung des Gelenks. Regel-mässige Arbeit durch Schmerzen in der Schulter unmöglich.Dauernd ganzinvalide, dauernd grösstentheils erwerbsunfähigund unfähig zur Benutzung des Civilversorgungsscheins.

Im Anfang 1879 trat ohne bekannte Veranlassung jauchig-eitrige Entzündung in der ganzen Ausdehnung der Schuss-verletzung auf. J. wurde am 15. Januar in Jena in die Klinik auf-genommen. Am 16. Januar Einschnitte, um nöthigenfalls zu re-seziren. Sehr grosse Eiterentleerung, ohne dass abgestorbenerKnochen vorgefunden wurde. Verlauf anfangs günstig, sodass Mitte Februar die Entlassung mit vernarbten Wundenerfolgte. Doch schon nach einigen Tagen brach die grössteSchnittnarbe wieder auf. 6. März: Die Schussnarben, des-gleichen drei Schnittnarben, von denen eine im unterenTheile noch offen ist, sowie die Weichtheile der Schulter sindfest mit den Knochen verwachsen. Von dem offenen Ende dereinen ein stark eiternder Fistelgang nach oben und aussengegen den Knochen hin, ohne dass dieser entblösst zu fühlenist. Das Gelenk ist vollständig zerstört. Aeusseres Endedes Schlüsselbeins, der Schultergräte und oberes Endedes Oberarmbeins bilden eine starre, unbewegliche Knochen-masse. Die Schultermuskulatur ist gänzlich geschwunden, derganze Arm magerer als der linke, auch die Hand zeigt keinerlei