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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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Band HI. Spez. Theil.

II. Abschnitt: Verletzungen des Schultergelenks.

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47. T., vom 2. Westfälischen Infanterie-Regiment No. 15(Prinz Friedrich der Niederlande): Gewehrsehuss durch dieSehulterhöhe mit Bruch des Schnabelfortsatzes und tieferRinnenbildung im Gelenkkopf; gleichzeitig Schussbruchdes Unterkiefers und Spaltung der Zunge. Lange Zeit bedenk-liche Eiterung, mehrmals Rose. Mit vollständiger Geleuksteifheitgeheilt entlassen. (Vergl. v. Beck, S. 584, No. 12.)

48. F. G., Füsilier vom 2. Niederschlesischen Infanterie-Regiment No. 47, verwundet am 6. August 1870 bei Wörth:Gewehrsehuss in die rechte Schulter. Eingang unter derSchulterhöhe. Zerschmetterung derselben und Strei-fung des Gelenkkopfes. Austritt der nach hinten untengehenden Kugel auf dem Schulterblatt. Wiederholt wurdenKnochensplitter herausgezogen. G. litt bei starker, übel-riechender Eiterung an hochgradigen pyäruisehen Erscheinungen;erhielt viel Chinin.

Am 7. Januar 1871 war die Heilung mit Steifheit desSchultergelenks erfolgt.

40. C. K, Musketier vom 2. Niederschlesischen Infanterie-Regiment No. 47, verwundet am 6. August 1870 bei Wörth:Gewehrsehuss in die rechte Schulter. Eingang dicht unter demGelenkkopf. Kugel steckt. K. kam am 9. August 1870 insReservelazareth Gotha, wo er am 9. September 1870 starb.

Sektion: Eröffnung des Gelenks. Streifung desKopfes. Kugel sass zwischen Schulterblatt und Rippen.

50. A. Seh., vom 8. Brandenburgischen Infanterie-RegimentNo. 64 (Prinz Friedrich Carl von Preussen), verwundet am16. August 1870 bei Mars la Tour: Fleischschuss durch denlinken Oberarm. Tod am 20. Oktober 1870 an Pyämie in Berlin.

Sektion: Am chirurgischen Hals, aber noch innerhalbder Kapsel, eine Zwanzigpfennigstückgrosse von Bein hautentblösste Stelle. (Vergl. IV. Band dieses Berichtes, S. 70,No.III. A. 13.)

51. H., verwundet am 6. August 1870 : Gewehrsehuss. Todam 8. Oktober 1870 in Karlsruhe an Lungenembolie und eitrigerlinksseitiger Brustfellentzündung. Am Ellenbogen beinahe geheilteSchusswunde und eine alte Eiterhöhle, am Oberarm Eiterherdein den Muskeln. Auf der Vorderseite der rechten Schultervollständig vernarbte Schusswunde. Schultergelenk voll Eiter.Knorpelflächen des Kopfes und Blattes gestreift. Derobere Rand des Kopfes von einer 3 mm tiefen Schussrinnedurchsetzt, Schnabelfortsatz gebrochen, nur am hinterenUmfang an der Beinhaut hängend. Der Kanal verläuft weiterin den Weichtheilen zwischen Blatt und Rippen. Ein ab-gesprengtes Knorpelstückchen ist mit seiner Oberfläche an derKapsel angeheilt. (Vergl. Klebs, S. 6. No. 3.)

52. Franzose L., verwundet am 6. August 1870 bei Wörth.Tod am 19. August 1870 in Karlsruhe.

Sektion: Am Gelenkkopf, nahe am oberen Rande, eineflache Schussrinne, 2 cm lang, 1cm breit, von vorn nachhinten verlaufend. Markgewebe freigelegt. Am tiefsten Punktder Rinne ist der Knorpel an einer kleinen Stelle erhalten. Inder Verlängerung der Rinne umzieht ein feiner Spalt den ganzenGelenkkopf, der seines Knorpelüberzuges vollständig beraubtist. (Vergl. Klebs, S. 14, No. 4.)

2. Brüche des Gelenkkopfes,a. Ohne Betheiligung anderer Knochen.

5t'i. Seh., vom 3. Badischen Dragoner-Regiment Prinz CarlNo. 22, verwundet vor Dijon: Gewehrsehuss in das linke Schulter-gelenk. Eingang vorn, 3 cm unterhalb der Schulterhöhe.

Ausgangsöffnung fehlt. Starke Schwellung. Einzelne Stellen,besonders die Sehne des zweiköpfigen Muskels, sehr schmerz-haft. Der Arm konnte nur in geringem Grade nach vorn undrückwärts bewegt und nur bis zur Wagerechten gehoben werden.Kein Knarren. Geheilt. Später Gebrauchsfälligkeit stark be-einträchtigt. Das Geschoss sollte noch stecken. (Vergl.v.Beck, S. 584, No. 10.)

54. Seh., vom Lauenburgischen Jäger-Bataillon No. 9:Lochsohuss durch den rechten Oberarmkopf, in derHöhe der Höcker. Gelenkentzündung war in diesem Fall nichteingetreten. Die aktive Beweglichkeit im Schultergelenk voll-ständig erhalten. (Vergl. v. Langenbeck, S. 112, No. 11.)

55. O. J., Unteroffizier vom 3. Hannoverschen Infanterie-Regiment No. 79, verwundet am 25. November 1870 beiOrleans: Lochschussbruch des rechten 0 her arm köpf es.Eisgang oberhalb der Schulterhöhe. Austritt von Gelenk-flüssigkeit.

J. kam am 17. Februar 1871 in das Reservelazareth zuElberfeld. Wunddiphtherie. Lister'scher Verband, Drainage,Ausräumung kleiner Knochensplitter. Reinigung der torpidenWandung des Schusskanals durch kräftige Sondirung.Das Gelenk war niemals entzündet. Die endgiltigeVernarbung verzögerte sich durch Ablösung von kleinenKnochentheilen bis Dezember 1871; Beweglichkeit desGelenkes blieb erhalten. (Vergl. Hopmann, Deutsche Zeitschriftfür Chirurgie, S. 566, No. 20.)

56. B., vom 2. Oberschlesischen Infanterie - RegimentNo. 23, verwundet am 30. September 1870 vor Paris durcheine Chassepotkugel auf 300 bis 400 Schritt Entfernung.Lochschuss des rechten Oberarmkopfes. Eingang2 cm unterhalb des äusseren Randes der Schulterhöhe. Aus-gang unterhalb der Gräte. Am 11. Oktober nach Homburgübergeführt, wo B. mit sehr starker Schwellung des Gelenkseintraf und bis zur Heilung verblieb. Lange dauernder Austrittvon Gelenkflüssigkeit und Eiter.

Im März 1871 vollständig geheilt. Die Narbe der Eingangs-öffnung ist tief in das kleine kreisrunde Knochenlochdes Oberarmkopfes hineingezogen, das Schultergelenk aktivvollkommen beweglich. (Vergl. v. Langenbeck, S. 112,No. 8.)

57. N., Lieutenant, verwundet am 7. Oktober 1870:Lochschuss des linken Oberarmkopfes. Eingang hartan der Aussenseite des Schnabelfortsatzes. Kugel an derhinteren Seite des Oberarms herausgeschnitten. Die Ein-schussnarbe ist lochförmig und tief in den Oberarmkopf hinein-gezogen, so dass das Geschoss mitten durch den Oberarmkopfin der Höhe der Höcker hindurchgegangen sein muss, wahr-scheinlich ohne Splitterung des Knochens. Nach An-gabe des Verwundeten ist Gelenkflüssigkeit ausgetreten. HeftigeGelenkentzündung.

Die Heilung war im März 1871 vollendet, die passivenBewegungen vollkommen unbehindert und glatt, die aktiveErhebung wegen Muskelschwund noch mangelhaft. (Vergl.v. Langenbeck, S. 111, No. 5.)

58. J. S., Sekondlieutenant, verwundet am 1. September 1870bei Noisseville: Gewehrsehuss aus der Entfernung von etwa150 Schritt. Eintritt der Kugel durch den grossen Höcker.Austritt 2 Querfingerbreit unterhalb des hinteren Schulterblatt-randes. Nach v. Langenbeck (S. 112, No. 9) folgte keineGelenkentzündung, die Heilung trat mit vollständiger aktiverBeweglichkeit ein.

Nach Ausweis des Invalidenattestes gebrauchte S. in dem-selben Jahre wegen Schmerzen und Gebrauchshinderung desArmes Seebäder.