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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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686
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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.

Band III. Spez. Theil.

C. Verletzungen des Gelenkkopfes.

1. Streif- und Rinnenschüsse.

35. J. P., Füsilier vom Mecklenburgischen Füsilier-Regi-ment No. 90, verwundet am 2. Dezember 1870: Gewehrschussdurch die linke Schulter. Die Kugel trat am äusseren Randedes Schulterblatts hinein, ging durch die Achselhöhle undunterhalb des Schlüsselbeins heraus. Im Laufe der Be-handlung bildeten sich Eitersenkungen. Wiederholte Einschnitte,im Ganzen wurden 37 Knochensplitter entfernt; Heilung. Be-fund am 26. Februar 1872: aktive Beweglichkeit im Schulter-gelenk aufgehoben, passiv kann der Arm nur wenig abducirtwerden; Bewegungen im Ellenbogengelenk, besonders dieaktiven, behindert, ebenso starke Beschränkung der Beweglich-keit der Hand und Finger; es besteht noch eine Fistel an derAustrittsöffnung.

36. M. H., Musketier vom Sächsischen 8. Infanterie-Regi-ment No. 107, verwundet am 2. Dezember 1870 bei'Brie surMarne: Gewehrschuss durch die rechte Schulter, 4cm unter derSchulterhöhe eintretend, nach An Splitter ung des Ober-armkopfes und Verletzung der Gelenkbänder am äusserenoberen Winkel des Schulterblattes austretend. Im SächsischenFeldlazareth zu Meaux, vom 15. Dezember 1870 ab im Reserve-lazareth Dresden lange, reichliche Eiterung und wiederholteAusstossung von Knochensplittern.

Geheilt am 15. April 1871; später Badekur in Teplitz;eingezogene Narben, erhebliche Abmagerung der Muskeln, be-sonders des Deltamuskels, unvollkommene Steifheit des Gelenks.

37. W. K., Musketier vom 3. Posenschen Infanterie-Regi-ment No. 58, verwundet am 17. September 1870 vor Paris:Gewehrschuss durch die rechte Schulter, Eintrittsöffnung in derGegend des Oberarmkopfes, Austritt unter der Schulter-gräte; das Gelenk ist eröffnet. Es werden kleine Splitterentfernt; am 26. Oktober 1870 im Reservelazareth Weimar nochmassige Eiterung; im November mehrere Eiterherde eröffnet,Ausspülung mit Kali hypermangan. solut.; im Dezember Rose.Nachdem im Februar 1871 die Wunden geheilt waren, erfolgtegegen die bestehende Bewegungshemmung Anwendung deskonstanten Stroms.

Am 24. März 1871 entlassen; die Schulter hängt etwasherab, der Arm kann bis zur Wagerechten erhoben werden, esbesteht massige Abmagerung.

38. Sp., vom 1. Badischen Leib - Grenadier - RegimentNo. 109, verwundet bei Nuits in liegender Stellung: Gewehr-schuss. Die Kugel streifte die rechte Schläfe und Wange unddrang auf der Schulterhöhe neben dem Schlüsselbein ein. Aus-tritt in der Achselhöhle. Keinerlei Zeichen von erheblicherGelenkentzündung. Wegen Verletzung des Oberarmkopfesbeschloss man nach 3 Wochen die Resektion; 'in der Narkosefand sich aber nur leichte Streifung des Gelenkkopfes,weshalb die Operation unterblieb. Eisbehandlung, Entfernungeiniger Knochenstückchen, starke Eiterung. Als gar keine Zeichenvon Gelenkentzündung auftraten, Gypsverband, in welchem dieRückbeförderung 6 Wochen nach der Verwundung stattfand.(Vergl. v. Beck, S. 585, No. 18.)

39. L., Musketier vom Ostfriesischen Infanterie-RegimentNo. 78, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour:Gewehrschuss in die rechte Schulter. Eingang auf dem Delta-muskel. Ausgang auf dem Schulterblatt. Gelenkkapselgeöffnet, Gelenkkopf gestreift. Verwachsung der vor-deren Narbe mit dem Oberarmknochen, theilweise Steifheit

des Gelenks; der Arm kann nicht gehoben und nur wenigbewegt werden. Zeitig gänzlich erwerbsunfähig. (Vergl.Berthold, S. 470, No. 10.)

40. C. H., vom Kaiser Alexander Garde-Grenadier-RegimentNo. 1, verwundet am 18. August 1870: Gewehrschuss durch dasrechte Schultergelenk unter der Schulterhöhe her, Gelenkkopfin unvollkommener Verrenkung. Am 15. Oktober wurdenim Reservelazareth Mannheim mehrere Knochensplitter heraus-gezogen; anfangs starke Eiterung, sowie Schwellung undSchmerzhaftigkeit des Gelenkes, die jedoch bald nachliess.Am 22. November Gelenk nicht schmerzhaft, nicht geschwollen,Bewegungen etwas behindert, Wunden in Vernarbung begriffen.(Vergl. Lossen, 1873, S. 44, No. 9.)

41. J. B., Gefreiter vom 3. Westfälischen Infanterie-RegimentNo. 16, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour:Gewehrschuss in die rechte Schulter, ganz in der Nähe des Gelenks.

B. kam am 2. April 1871 ins Reservelazareth Hannover; biszum 8. August 1871 bestand noch Eiterung und Ausstossungvon Knochensplittern. Mit geringer Steifheit des Armesentlassen.

42. R. L., vom 3. Ostpreussischen Grenadier-RegimentNo. 4, verwundet am 14. August 1870 bei Metz: Gewehrschussdurch das rechte Schultergelenk von vorn dicht unter derSehulterhöhe zum äusseren Rande des Schulterblattes. Heilung.

Befund im Dezember 1872: vollkommene Steifheit desGelenks, an der hinteren Seite noch eine Fistel.

43. P. S., Wehrmann vom 4. Westfälischen Landwehr-Regiment No. 17, verwundet am 17. Oktober 1870 bei Lagrange:Gewehrschuss. Eingang in der rechten Achselhöhle; die Kugelblieb am Schultergelenk stecken.

Im August 1871 wurde im Garnisonlazareth Düsseldorf nochein Knochen stückchen entfernt; früher war die Resektion be-schlossen, aber nicht ausgeführt. Ende September 1871 nochFistelgänge; es besteht völlige Steifheit des Schultergelenksfast völlige Steifheit des Ellenbogengelenks, Finger wenig be-weglich, Gefühlsstörungen; der Arm wird durch eine Bandageam Körper befestigt getragen, da er sonst Beschwerden macht.

44. N., Musketier vom Oldenburgischen Infanterie-RegimentNo. 91, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour:Gewehrschuss in die rechte Schulter. Eingang unter demSchnabelfortsatz. Ausgang unter der Schultergräte. Streifungdes Gelenkkopfes, des Schulterblatthalses, Eröffnungdes Gelenks. Geheilt mit theilweiser Steifheit des Gelenks;Bewegungen des Oberarms hauptsächlich nur durch Bewegungendes Schulterblattes ermöglicht. Zeitig grösstentheils erwerbs-unfähig. (Vergl. Berthold, S. 471, No. 11.)

45. C, Füsilier vom 3. Westfälischen Infanterie-RegimentNo. 16, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour:Gewehrschuss in das linke Schultergelenk. Eingang unterhalbder Schulterblattgräte, Richtung schräg nach vorn. Ausgang3 cm unterhalb des äusseren Endes des Schlüsselbeins. TieferKnochenverlust an der linken Schulterhöhe, fast völligeSteifheit des Gelenks. Heilung im Februar 1871. Zeitiggrösstentheils erwerbsunfähig. (Vergl. Berthold, S.470,No.9.)

46. G., Sekondlieutenant: Gewehrschuss durch die Schultermit Splitterung der Schulterhöhe, wahrscheinlich desSchnabelfortsatzes, Eröffnung des Gelenks, Streifung desOberarmknochens. Lang andauernde Eiterung, Ausstossungmehrerer Knochensplitter. Aufenthalt in Baden-Baden und amGenfer See. Geheilt. (Vergl. v. Beck, S. 585, No. 13.)