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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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Band III. Spez. Theil.

II. Abschnitt: Verletzungen des Schultergelenks.

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Rande des Schulterblatts. Geschoss schräg abgeflacht, 2'/2 cmüber dem Rande der vorderen Achselfalte ausgeschnitten. StarkerBlutverlust; starke Schwellung des Schultergelenks undArmes, starke Eiterung. 29. Oktober: Frostanfall. 1.November:Blutung aus der hinteren Wunde. 14., 19. und 24. November:Erneute Schlagaderblutungen; Spaltung des Schusskanals, Ent-fernung eines Knochensplitters; Oberarmhals rinnenförmigangeschossen; Entfernung eines Splitters, Ausstopfung derWunde; darauf erhöhtes Fieber. Am 29.November letzte Blu-tung, leicht und schnell gestillt; von da ab Besserung undHeilung.

Juli 1871: Drehung im Schultergelenk ziemlich frei,Hebung des Armes nur durch Verschiebung des Schulterblattes,Abmagerung des Deltamuskels. (Vergl. St oll, S. 188.)

23. S., vom Ostpreussischeu Feld-Artillerie-Regiment No. 1,verwundet am 27. September 1870 vor Metz: Gewehrschussdicht unterhalb des linken Gelenkkopfes, ohne Ausgangs-öffnung. Zerreissung der Kapsel, Schussrinne imkleinen Höcker; gleichzeitige Lungenverletzung. AnfangsJauchung, schliesslich Heilung.

Befund Oktober 1871: Strahlenförmige, mit der Knochen-halbrinne verwachsene Narbe am kleinen Höcker; ziemlichfreie Beweglichkeit des Gelenks. (Vergl. Koch, Archiv fürklinische Chirurgie, 1872, S. 537.)

2. Brüche.

24. C. B., Grenadier vom 3. Garde-Regiment z. F., ver-wundet am 18. August 1870 bei Gravelotte: Gewehrschuss durchden rechten Oberarmknochen, ganz dicht unter dem Ge-lenkkopf, mit Verletzung des Gelenks. Langsame Heilung,noch am 20. April 1871 ziemlich starke Eiterung und Entfernungvon Knochensplittern. Geheilt entlassen am 11. August 1871.

25. W. S., Musketier vom 5. Brandenburgischen Infanterie-Regiment No. 48, im Reservelazareth Frankfurt a./O. an Gewehr-schuss durch den linken Oberarm unmittelbar unter demGelenkkopf behandelt, zeigte reichliche, durch Abstossungvon Knochensplittern bedingte Eiterung und wurde erst nachMonate langer Behandlung mit Steifheit des Schultergelenksentlassen.

2(5. C. G., Musketier vom 5. Brandenburgischen Infanterie-Regiment No. 48: Gewehrschuss durch den linken Oberarmunmittelbar unter dem Gelenkkopf. Es bestand im Sep-tember im Reservelazareth Frankfurt a./O. reichliche Eiterung,bedingt durch theilweises Absterben des Knochens. Wurde ge-heilt mit Steifheit des Schultergelenks.

27. 0. F., Hornist vom 3. Westfälischen Infanterie-Regi-ment No. IG, verwundet am 16. August 1870 bei Mars laTour:Gewehrschuss mit Splitterung des Oberarmhalses bisins Gelenk; Ausschuss vorn dicht am Gelenk; ausserdem2 Fleischschüsse. Behandelt im Kriegslazareth Mars la Tour.Erhielt am 30. August einen Gypsverband, befand sich stets sehrgut. Am 2. Oktober 1870 zurückbefördert.

28. A.N., Musketier vom 8. Westfälischen Infanterie-Regi-ment No. 57, verwundet am 16. August 1870 bei Mars la Tour:Gewehrschussbruch des oberen Theiles des rechten Ober-armes mit Eröffnung des Schultergelenks. Heilte beiandauernd massiger Eiterung unter wiederholter Bildung vonEiterherden bis zum 11. April 1871. Es blieb starke Gebrauchs-störung, fast vollkommene Steifheit des Gelenks zurück.

29. S., vom 3. Badischen Infanterie-Regiment No. 111,verwundet am 18. Dezember 1870: Gewehrschussbruch deslinken Oberarmes im oberen Drittel mit Splitterungbis ins Gelenk. Heilung bei langdauernder Eiterung mit voll-ständiger Verwachsung der Gelenkflächen. (Vergl. v. Beck,S. 584, No. 6.)

30. B., vom 3. Badischen Infanterie-Regiment No. 111:Gewehrschuss in die rechte Schulter mit Verletzung des Ober-armknochens und Eröffnung des Gelenks. AusgedehnteEitersenkungen machten zahlreiche Einschnitte in der Achsel-höhle, am Oberarm und an der Brust nöthig. Heilung. Durchdie eingezogene Narbe des Schusseingangs fühlt man einenKnochenverlust. Bewegungsfähigkeit des Gelenks sehr be-hindert. (Vergl. v. Beck, S. 584, No. 5 und S. 586, No. 21.)

31. F. T., verwundet am 6. August 1870 bei Wörth:Rechts aussen oben eine 18qcm grosse, zerrissene Wunde durchGranatsplitter. Bruch des Oberarm halse s. Drahtschiene.Am 4. Tage Herausnahme eines grossen Granatsplitters. Knochen-splitter, Eiterherde, Hospitalbrand. Mit steifem Schultergelenknach 7 Monaten entlassen. (Vergl. Socin, S. 121, No. 4.)

32. F. D., vom Oldenburgischen Infanterie-Regiment No. 91,verwundet am 18. August 1870: Gewehrschuss. Eingang aussenam oberen Drittel des Oberarmes; Ausgang etwas oberhalb derlinken Brustwarze. Die grössere Hälfte der Kugel unterhalb desAusgangs herausgeschnitten. Der Zustand des Gelenks nichtmit Sicherheit zu erkennen. Kein Husten. Starke Eiterungund Eitersenkungen; Einschnitte. Bewegungen im Gelenkschmerzhaft und krachend. Operation unmöglich wegenstarker Nierenentzündung, Verdichtung der Lungenspitzen undVergrösserung der Leber und Milz. Druckbrand. Tod am11. Oktober an Entkräftung.

Sektion: Alte käsige Herde in den Lungen, amyloide Ent-artung in Nieren, Leber, Milz und Darm. Sehussbruch desSchaftes und Halses bis ins Gelenk. Kopf abgesprengtund in mehrere Stücke getrennt. (Vergl. H. Fischer, S. 62,No. 42.)

33. J. G., verwundet am 6. August 1870: Gewehrschussdurch den rechten Oberarm. Eingang vorn, Ausgang hinten.Schrägbruch, Gelenk unversehrt. Am 8. August in dasLazareth aufgenommen. Lagerung in Schienen, später in Gyps-rinne. 17. August: Erweiterung der Eingangsöffnung, Heraus-nahme mehrerer Splitter. Verlauf anfangs günstig. 22. August:Schüttelfrost, dem in den nächsten Tagen mehrere folgen.29. August: Tod an Pyämie, 23 Tage nach der Verwundung.

Sektion: Oberarm vom chirurgischen Halse bis zur Mittezersplittert; einzelne Splitter an den Muskelansätzen haftend.Knochenmarkentzünduug; beginnende Vereiterung desSchultergelenks. (Vergl. Lossen, 1873, S. 48, No. 1.)

34. A. G., verwundet am 4. August 1870 bei Weissenburg:Eiuschuss 7 cm unter der linken Schulterhöhe, an der Aussen-seite. Kugel steckt am äusseren Rande des Schulterblatts in derHöhe der 7. Rippe in verdicktem Bindegewebe. Schaftbruchim oberen Drittel, durch Kallusmasse vereinigt. LinksseitigeLungenentzündung. Tod am 29. Dezember 1870.

Sektion: Kapselhaut schwielig verdickt und anmehreren Stellen mit dem unversehrten Gelenkkopf'verwachsen. Im Gelenk blutig-wässrige Flüssigkeit. (Fort-gesetzte Gelenkentzündung.) (Vergl. Arnold, S. 58, No. 114.)