Band III. Spez. Theil.
II. Abschnitt: Verletzungen des Schultergelenks.
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IV. Nebenverletzungen.
Verletzungen der Blutgefässe in der Achselhöhledurch Schultergelenkschüsse bei Deutschen fanden 20 malstatt. Starke Blutungen unmittelbar bei der Verwundungtraten bei G. (siehe V. Band dieses Berichtes, S. 431,No. 43) und aus der Vena cephalica bei B. (ebendaselbst,S. 435, No. 79) auf. Unterbindung war 5 mal erforderlichund zwar 3 mal diejenige der Schlüsselbein-Schlagader 1 ),2 mal die Unterbindung in der Achselhöhle 2 ). Nächst denIlauptgefässen ist die gefährdetste Schlagader in der Nähedes Gelenks die Art. circumfiexa, welche 3 mal Blutungenverursachte. Einmal waren es nach 4 Wochen eintretendetödtliche Nachblutungen (No. 109), als deren Quelle dasgenannte Gefäss aufgefunden wurde; ein anderes Malführte Blutung aus der A. circumfiexa nach einer am 10. Tagenach der Verwundung vorgenommenen Exartikulation (sieheV. Band dieses Berichtes, S. 15, No. 58) zum Tode, währendbei No. 6 der nachstehenden Kasuistik zweimalige starkeBlutung aus den Verbindungsästen der A. circumfiexa mitder A. transversa scapulae im Feldlazareth gestillt wurde.Bei K. (No. 22) war das verletzte Gefäss nicht festzustellen.Er erlitt beim Ausschneiden der Kugel (2'/s cm unter dem vor-deren Rande der Achselfalte) starken Blutverlust, späterwiederholte Schlagaderblutungen, welche erst nachliessen,nachdem am Ende der 4. Woche die hintere (Einschuss-)Wunde erweitert und nach Entfernung eines Splitters vomOberarmknochen tamponirt war. Ob der Splitter die Blu-tung veranlasst hatte, ist nicht ersichtlich. Schwächung durchspäter auftretende wiederholte Venenblutungen fand beiNo. 71 und bei einem später Gestorbenen (No. 110) statt.Nach vorangegangenen Blutungen wurden 4 Resektionen 3 )und 2 Exartikulationen 4 ) vorgenommen.
Beschädigungen des Armnervengeflechts sind theilsbesonders hervorgehoben (so bei dem unter No. 105 auf-geführten Verwundeten, welcher eine Streifung desselbenerlitt, und bei No. 127, dessen Arm durch Druck derWundnarbe auf die Nerven unbrauchbar blieb), theils ausder Aufhebung der Bewegungsfähigkeit oder des Haut-gefühls (No. 43, 104) zu schliessen 6 ).
Nach Durchschneidung der langen Sehne des zwei-köpfigen Muskels erwartete Billroth") völlige Auf-
!) Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 579, No. 6; S. 580, No. 5und 6; ausserdem S. 582, No. 4 (Franzose).
2 ) Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 585, No. 8 und 12; ausser-dem ebendas. No. 1 (Franzose).
3 ) Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 297, No. 15; S. 341, No. 43;S. 435, No. 40; S. 438, No. 108.
4 ) Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 12, No. 32; S. 15, No. 58.
5 ) Vergl. S. 415 dieses (III.) Bandes, No. XXIII. Eintreibungvon Splittern des Schnabelfortsatzes in das Armnervengeflecht.
6 ) Billroth, Ueber die Endresultate der Gelenkresektionen.Wiener medizinische Wochenschrift 1871. S. 122.
hebung der Bewegungen im Ellenbogengelenk, v. Langen-beck 1 ) dagegen wies bei einer mit dem Verlust beiderKöpfe des genannten Muskels verbundenen Verletzung nach,dass derselbe in befriedigender Weise durch den Brachialisinternus und Supinator longus ersetzt werden kann. Auchaus dem Deutsch-Französischen Kriege liegen 2 Nachrichtenüber gute Gebrauchsfähigkeit des Ellenbogengelenks trotzZerstörung 2 ) bezw. Verletzung 3 ) der Bicepssehne vor. Beidem Franzosen C. 4 ) sind die Folgen der brandigen Ab-stossung der Sehne nicht zu ersehen, ebensowenig (wegenUnbrauchbarkeit des ganzen Armes) bei dem Deutschen R.(No. 84 der nachstehenden Kasuistik).
Verletzungen am Kopfe durch dieselbe Kugel,welche das Schultergelenk traf, finden sich bei Sp. (No. 38),an welchem das Geschoss nach Streifung der rechten Schläfeund Wange neben der Schulterhöhe ein- und in der Achsel-höhle austrat; ferner bei C. (siehe V. Band dieses Berichtes,S. 444, No. 7), welcher einen Bruch der rechten Unter-kieferhälfte erlitt. Ob bei M. (siehe V. Band dieses Berichtes,S. 446, No. 21) der Unterkieferbruch und bei L. (ebenda,S. 5, No. 30) der Bruch des Hinterhauptbeins von dem-selben Geschoss herrührt, welches das Schultergelenk ver-wundete, ist nicht ersichtlich.
An der Brust kamen bei Schultergelenkscbüssen ein-fache Wunden, Rippenbrüche und Oeffnungen der Höhle vor.Auf den Rippen blieb die Kugel bei H. (V. Band dieses Be-richtes, S. 404, No. 52) stecken; sie war nach der Verwundungdes Schultergelenks vorn in der linken Achsellinie aus- undsofort wieder unter die Haut der Brust eingetreten, währendbei einem Anderen (ebenda, S. 402, No. 43) das Geschoss,welches den Oberarm im oberen Drittel zerschmettert hatte,nach 2 Monaten aus einem Eiterherd an der linken Brust-seite herausgezogen wurde. Hinter dem Brustbein fandsich bei der Sektion eine Kugel, die den Gelenkkopf zer-splittert und die erste und zweite Rippe verletzt hatte(ebenda, S. 445, No. 19). Einen Rippenbruch endlich erlittder Verwundete G. 5 ). Ob die Lungenentzündungen (No. 20und 34) und eine gleichzeitige Lungenverletzung (No. 23)durch den Gelenkschuss hervorgerufen sind, erscheint zweifel-haft. In die Brusthöhle selbst trat das Geschoss bei 2 Ver-wundeten (No. 79 und 140) ein, welche beide der Lungen-wunde erlagen 6 ).
r ) v. Langenbeck, a. a. 0., S. 123. (v. F., verwundet im Feld-zuge von 1866.)
2 ) Vergl. IV. Band dieses Berichtes, S. 70, IV. A. 17, und Gurlt,a. a. 0., S. 644, No. 20.
3 ) Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 442, No. 24, und Gurlt,a. a. 0., S. 1104, No. 64.
■*) Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 440, No. 6.6 ) Siehe im V. Bande dieses Berichtes, S. 401, No. 38.*) Siehe dazu Schuss durch das Schultergelenk, die Brust- undBauchhöhle, S. 666 dieses Bandes.