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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.

BandHI. Spez. Theil.

9 mal (darunter 2 mal bei Franzosen) beschrieben. 1 ) Jenach der veranlassenden Gewalt findet die Verschiebungmehr nach vorn oder nach hinten statt. In allen aus demDeutsch-Französischen Kriege stammenden Beobachtungendieser Art war der Kopf selbst verletzt; eine Schussver-renkung mit Bruch des Halses ist bisher nur einmal ausdem Kriege in Neuseeland berichtet. 3 )

Für das Forttreiben des Oberarmkopfes bezw.seiner Theile in der Richtung des Geschosses finden sich3 Beispiele. Ein Oekonomiehandwerker, welcher in Breslaueine erbeutete Mitrailleuse besah, erhielt aus Unvorsich-tigkeit einen Schuss durch die Schulter mit thaler-grosser Ein- und Ausgangsöffnung. Der Gelenkkopfwar zerschmettert und nach hinten verrenkt. DerVerwundete starb nach vorgenommener Resektion. 3 ) Dieanderen Verrenkungen dieser Art betrafen den FranzosenA. 4 ), welcher durch ein 10 g schweres, scharfkantigesSprengstück eine Zerschmetterung des Gelenkkopfesin der Weise erlitt, dass das grösste Bruchstück sammt demGeschoss in die Achselhöhle verschoben ward, undden Franzosen G. vom 62. Marschregiment. Letzterer erhieltam 10. Januar 1871 bei Change" einen Schuss in die linkeSchulter. Der Eingang lag einige Centimeter unterhalb desGewölbes, der Ausgang hinten unterhalb der Schultergräte,nahe dem Achselrande des Schulterblattes. Der Kopf warnach vorn unter den Schnabelfortsatz verrenktund Hess sich mit den Fingern in die Gelenkhöhle zurück-bringen. Er erwies sich als theilweise gebrochen, währendder anatomische und chirurgische Hals unverletzt war. 5 )

In den nachfolgenden Krankengeschichten finden sichvier weitere, gleich oder doch bald nach der Verletzungdurch Gewehrgeschoss zu Stande gekommene Verrenkungendes gebrochenen Gelenkkopfes. Die Verschiebung hat, soweitsich Angaben darüber finden, nach unten stattgefunden. Die-selbe trat ein nach einer Streifung des Kopfes durcheine unter der Schulterhöhe verlaufende Kugel (No. 40), des-gleichen nach völligem Bruch desselben (No. 68) und beiSchusswunden des Gelenks ohne nähere Bezeichnung (No.122und 123). Bei No. 68 musste die vollständige Einrenkung vor-genommen werden, woran sich die Feststellung des Armesdurch Dessault'schen Verband anschloss. Bei No. 122 warzugleich die Pfanne, bei No. 123 das Schulterblatt verletzt.Bei Letzterem war die Verschiebung so bedeutend, dassman in die leere Pfanne hineingreifen konnte.

l ) Wegen der späteren Verrenkungen siehe unterVerlauf-'(S. 676); wegen anderweitiger sofortiger Verrenkungen des Oberarm-kopfes siehe ,. Verwundungen des Oberarms" (VIII. Kapitel), unter IL

*) Gurlt, S. 227, No. 9.

3 ) H. Fischer, S. 159 No. 224. Vergl. auch AllgemeinenTheil dieses Bandes, S. 12. In den V. Band dieses Berichtes ist derFall, weil er sich nicht bei der mobilen Armee ereignete, nicht auf-genommen.

4 ) Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 439, No. 1.

5) Vergl. Gurlt, S. 112, No. 46; Ohenu, Theil I, 8. 401.

Einmal endlich ist eine Verrenkung unter den grossenArmmuskel durch Schussquetschung gesehen worden. 1 )

Beim Schuss in den Körper des Schulterblatts gebietethäufig der starke Gelenkfortsatz den Splitterungen Halt, sodass sie nicht bis zur Pfanne vordringen können. Aberauch der Gelenktheil selbst kann im Halse ohne Verletzungder Pfanne gebrochen werden, wie ein Präparat der Samm-lung des Friedrich-Wilhelms-Instituts *) zeigt. Der Schnabel-fortsatz ist am Grunde abgesprengt, der Gelenkfortsatz bistief in den äusseren Schulterblattrand abgesplittert, dasGelenk selbst hingegen unversehrt.

Die Verletzungen des Schulterblatthalses mitGelenkbetheiligung (ohne Beschädigung des Oberarm-knochens) bestanden theils in Streifungen (No. 104 und 105),theils in Brüchen (No. 106 bis 112) 3 ) und waren 10 mal durchGewehrkugeln, 1 mal durch Schrapnellstücke hervorgerufen.Der Austritt fehlte bei der Schrapnellverletzung und bei demunter No. 109 aufgeführten Verwundeten, bei welchemdie Kugel am Schulterblatt durch Einschnitt entfernt wurde.Bei den anderen war die Kugel ausgetreten. Einmal trafdas Geschoss den erhobenen Arm (No. 104). Die vorderenSchussöffnungen lagen am Schnabelfortsatz (No. 106), unterdemselben (No. 104), unter dem Schlüsselbeinschulter-gelenk (No. 105), 2 f /j und 3 1 /« cm unter dem Schlüsselbein(No. 109 und 112), endlich nach innen von der Schulterhöhe(No. 111).

Die hintere Schussöffnung befand sich bei No. 106aussen am Schulterblattrand, bei No. 112 unterhalb desunteren Winkels. Der erwähnte Schrapnellschuss verliefausschliesslich an der hinteren Seite von der Nackengegendbis zur 7. Rippe.

Die Häufigkeit der einzelnen Arten von Verwundungdes Schultergelenks bei den zuwartend behandelten Deut-schen findet sich bereits in Tabelle III auf S. 670 summarischzusammengestellt; ausführlichere Auskunft darüber ertheiltdie nachstehende Uebersicht: (Siehe nächste Seite.)

Die Zahlen der Kapselwunden, Knochenstreifungeu undnachweislichen Knochenbrüche verhalten sich danach zu ein-ander annähernd wie 1:1:3.

Die Kapselverletzungen bedingten eine Sterblichkeitvon 10.ä $, indem von 19 derartigen Verwundungen 2 einentödtlichen Ausgang nahmen; von 21 Verwundeten, welcheKnochenstreifungen erlitten, starben 3 = 14.3 %, währendvon 67 nachweislichen Knochenbrüchen (einschliesslichKugeleinkeilungen und Lochschüsse) 24 = 35.8 $ zumTods führten.

1 ) Siehe bei Wahl, a. a. O. S. 41.

2 ) Vergl. S. 415, No. 27 dieses Bandes, desgleichen im IV. BandS. 66, No. III, A. 7.

3 ) Siehe ausserdem V. Band dieses Berichtes, S. 406, No. 63und S. 432, No. 59. Der erstbezeichnete Verwundete (No. 63) istauch im IV. Bande dieses Berichtes, S. 74, unter IV. A. 51 aufgeführt.