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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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Band III. Spez. Theil.

II. Abschnitt: Verletzungen des Scliultergelenks.

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nährt. 1 ) Ein zweites derartiges Präparat wird in der Samm-lung des Val-de-Gräce aufbewahrt. Dasselbe röhrt von einemManne her, welcher im Rheinfeldzuge durch einen Gewehr-schuss in die hintere Seite verwundet und mit vollständigerBeweglichkeit im Schultergelenk geheilt worden war. Nach36 Jahren trat durch einen schweren Fall Vereiterung desGelenkes ein. Bei der Exartikulation des Oberarms fandLarrey das Geschoss im Gelenkkopf eingeheilt. 2 )

Beide Präparate sind von besonderem Interesse wegender späteren völlig unbehinderten Gebrauchsfähigkeit desArmes. Aus dem Kriege 1870/71 liegt nur ein unsichererFall (No. 53) einer derartigen Kugeleinheilung vor, beiwelchem die spätere starke Beeinträchtigung der Gebrauchs-fähigkeit vielleicht die Annahme eines wirklichen Bruchesrechtfertigt.

Lochschüsse finden sich 9mal [No. 54 bis 61 der nach-stehenden Kasuistik und bei v. B.*)]. Obgleich bei No. 54das Gelenk angeblich nicht betheiligt war, so ist der Fall dochim Hinblick auf die Kürze der Beschreibung als Gelenk-schuss gerechnet, insbesondere da auch bei No. 55 trotz Aus-tritts von Gelenkflüssigkeit keine Kapselentzündung eintrat.Ob alle Lochschüsse als völligreine" Beispiele dieserArt der Verletzung gelten können, oder ob weitere Sprung-bildung und Splitterung stattgefunden hat, ist besondersbei den Geheilten nicht überall mit Sicherheit festzustellen.Bei No. 57 schien Splitterung unwahrscheinlich, währendbei No. 59 und bei v. B. das Fehlen derselben besondersbemerkt, bei letzterem überdies aus der Abbildung beiBockenheimer ersichtlich ist. Eine kreisrunde tief ein-gezogene Narbe (No. 56) deutet ebenfalls auf eine reineDurchbohrung.

Die Schussrichtung verlief bei Lochschüssen meistvon vorn nach hinten. Die Entfernung, aus welcherder Schuss abgegeben wurde, betrug einmal angeblich 150(No. 58), in einem anderen Falle 300 bis 400 Schritt (No. 56).

Zweifellose Knochenbrüche überhaupt (einschliessl.der Kugeleinkeilungen und Lochschüsse) sind nach S. 668am Schultergelenk 379 mal (mit 155 = 40. 9 § Todesfällen)vorgekommen; unter den zuwartend Behandelten laut Ta-belle III auf S. 670 und der spezielleren Uebersicht aufS. 675 67 mal (mit 24 = 35.8 Todesfällen). Das Geschosswar theils ausgetreten, theils lag es in den Weichtheilenvor oder hinter dem Knochen, oder zwischen den Bruch-stücken, oder im Gelenk selbst (No. 75), oder hatte end-lich seinen Weg in die Brusthöhle genommen (No. 79).

*) Vergl. Simon, Ueber Scliusswunden. Giessen 1851, S. 63,Anmerkung. Derselbe in der Prager Vierteljahrsschrift 1853, 1, S. 168.

2 ) Vergl. II. Larrey, Bulletin de l'Academie imperiale de Med.Mai 1860.

3 ) Vergl. V.Band dieses Berichts S. 396, No. 10, und Bocken-heimer, Leistungen der chirurgischen Klinik. Frankfurt a./M., 1871.S. 36, No. 17 (mit Abbildung auf S. 48). Wegen Lochschüsse durchden Oberarmkopf siehe ausserdem IV. Band dieses Berichtes, S. 32;wegen eines Lochschusses durch den chirurgischen Hals V. Band,S. 430, No. 38.

Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Spez. Theil.

Die Schussöffnungen befanden sich unter dem Schnabel-fortsatz (No. 81, 85), über demselben (No. 46), unter demSchlüsselbein (No. 45), auf und an demselben (No. 87, 89),an der 2. Rippe (No. 75), oder unterhalb der Gräte (No. 37und 73).

Die Länge der Flugbahn ist nur einmal vermerkt. Eshandelte sich um einen Schuss aus 4 in Entfernung, durchwelchen der grosse Höcker abgesprengt und der ganzeZündspiegel in das Gelenk geschleudert wurde.')

Die Verletzung wird in den in Rede stehenden Kranken-geschichten alsBruch", als mehr oder weniger hoch-gradigeSplitterung" oder alsZerschmetterung" be-zeichnet. Inwieweit das Geschoss mehr durch Spaltungoder durch hydraulischen Druck gewirkt hat, ist nicht er-sichtlich. Selbst ein Fall, bei welchem die gesetzten Ver-letzungen weit über den Ort des Auftreffens der Kugelhinausgingen, indem nämlich Splitterung bis zur Mitte desSchaftes (No. 78) entstand, lässt eine bestimmte Entscheidungnicht zu, da die Richtung der Geschossbahn als nicht senk-recht zur Längsachse des Armes bezeichnet ist, so dassdie Möglichkeit vorliegt, dass die schräg verlaufende Kugelohne hydraulische Pressung die Zertrümmerung angerichtethat. Ein auf diese Art entstandener Knochenbruch findetsich bei v. Bergmann 2 ) abgebildet.

Ein zweiter Verwundeter (No. 80), bei welchem dieSplitterung bis zur Mitte des Schaftes reichte, ist zur Klar-legung des Verhaltens des getroffenen Oberarmknochensdeshalb nicht heranzuziehen, weil ein Granatsplitter denBruch hervorgerufen. Dagegen findet sich aus dem Feldzuge1866 eine Beobachtung v. Langenbeck's, 3 ) in welcher dieverheerende Wirkung des Wasserdruckes bei Gelenkschüssendeutlich zum Ausdruck gelangt: Ein Oesterreichischer Soldaterhielt in einem Dorfgefecht aus grosser Nähe einen Ge-wehrschuss in das Schultergelenk. Der Oberarmkopf warin Tausende von kleinen Stücken zersprengt und derDeltamuskel von denselben wie mit Sägespänen durchsetzt.

Verrenkungen des Oberarmkopfes bei Schusswundendes Gelenkes entstehen zum Theil sofort, indem derKopf entweder durch die treibende Kraft mitfortgerissen,oder indem er nach geschehener Kapselöffnung durch dieSchwere des Armes nach unten gezogen wird; zum Theilerst im Laufe des Krankenlagers von selbst, nachdem derDeltamuskel durch Unthätigkeit erschlafft und die entzün-dete Kapsel allein dem Zuge des Gliedes nicht mehrWiderstand leisten kann. Sofortige Verrenkungen sindwährend des Krieges 1870/71 seitens der Deutschen Aerzte

») Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 447, No. 29.

2 ) Vergl. v. Bergmann, Die Resultate der Gelenkresektionenim Kriege. 1874. S 37, Tafel A. No 4. Siehe auch V. Band diesesBerichtes, S. 406, No. 62.

3 ) v. Langenbeck, Chirurgische Beobachtungen aus dem Kriege.1874. S. 107.

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