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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.

BandHI. Spez. Theil.

achtungen werden in der nachstellenden Kasuistik 21 ausdem Jahre 1870/71 stammende angereiht.

Dieselben wurden sämmtlich durch Gewehrkugeln ver-ursacht, welche bei den unter No. 1 bis 6, 20 und 21 auf-geführten Verwundeten in den Weichtheilen stecken blieben.Die Stelle der Verletzung war bald die obere (No. 5, 8bis 11, 18 bis 21), bald die vordere (No. 13), bald diehintere (No. 14), bald die untere (No. 12,15, IG, 17) Gelenk-fläche. Da dieobere Fläche" die grösste und freiliegendsteist, so erscheint es nicht auffallend, dass sie in fünfzehnKrankengeschichten, aus denen die verletzte Stelle annäherndersichtlich ist, 9mal als beschädigt angegeben wird.

Verletzungen der Knochen ausserhalb des Ge-lenkes, welche die Kapsel in Mitleidenschaft gezogenhaben, betrafen hauptsächlich den grossen, freien Oberarm-knochen, seltener das Schulterblatt.

Zweimal waren es Rinnenschüsse des oberstenSchafttheiles (No. 22, 23), welche zugleich die Kapselöffneten.

Schussbrüche, welche entweder Sprünge bis insGelenk oder spätere Eiterung in demselben (No. 33 und 34)veranlassten, fanden theils dicht unter dem Gelenkkopf(No. 24, 25, 2G), theils im oberen Drittel (No. 27, 28, 29,33, 34) statt.

Oft ist hervorgehoben worden, dass der Knorpelzwischen Schaft und Gelenkende bei Soldaten noch nichtvollständig verknöchert, daher im Stande sei, Sprünge,welche vom Schaftbruch aus nach dem Ende verlaufen, auf-zuhalten, so dass das Gelenk unversehrt bleibt, v. Esruarch')fand bei einer Resektion, welche er wegen Splitterbruchsdes oberen Endes des Armknochens vornahm, dass alleSprünge, welche nach oben gingen, an dem noch nichtverknöcherten Fngenknorpel endigten. In der kriegs-chirurgischen Sammlung des Friedrich-Wilhelms-Institutsbefindet sich das zerschmetterte obere Drittel eines Ober-armknochens aus dem Feldzuge von 1866 (No. IV, A. 57) 2 ),an welchem abgebrochene, bis zur Epiphysenlinie reichendeSplitter vorhanden sind. Ein ebendaselbst befindliches an-deres Präparat (No. IV, A. 32) 3 ) unbekannter Herkunft,angeblich am 21. Tage nach der Verletzung gewonnen,zeigt an der Knorpellinic, welche von zw y ei ziemlich breiten,gerade nach aufwärts ziehenden Sprüngen erreicht wird,sehr deutlich beginnende Ablösung des Gelenkkopfes. Ausdem Kriege 1870/71 liegen jedoch keine derartigen Beob-achtungen vor.

Der knorpelfreie Theil des Oberarmkopfes kannStreifungen, Rinnenschüsse, vielleicht auch Absprengungeneines Knochenstückes erfahren, ohne dass Gelenkentzündungauftritt, in den hierher gehörigen Krankengeschichten der

1 ) v. Esmarch, Ueber Resektionen nach Schnsswunden. Beob-achtungen und Erfahrungen aus den Schleswig -Holsteinschen Feld-zügen 1848 bis 1851. Kiel 1851. S. 66, No. 15.

2 ) Vergl. IV. Band dieses Berichtes, S. 32 und 74.

3 ) Ebendaselbst S. 32 und 72.

nachstehenden Kasuistik aber erscheint überall die Kapselin Mitleidenschaft gezogen.

Unter den 23 Fällen von Streifung des Gelenk-kopfes (No. 35 bis 52 der nachstehenden Kasuistik, fernerS. 416 dieses Bandes No. XXXIII, desgleichen im V. Bandedieses Berichtes, S. 428, No. 16, S. 438, No. 108'), S. 440,No. 9 2 ), S. 480, No. 81 3 ), sämmtlich durch Gewehrschussveranlasst) finden sich 9, bei denen über den Verbleib derKugel keine Angabe vorhanden ist, während sie 5 malin Weichtheilen stecken blieb und 9 mal wieder austrat. DerGelenkkopf war theils allein verletzt (nachstehend No. 35 bis43, 49, 50 und S. 416, No. XXXIII, desgl. V. Band diesesBerichtes, S. 440, No. 9, S. 480, No. 81, S. 438, No. 108,S. 428, No. 16), theils hatte zugleich Streifung des Schulter-blatthalses (No. 44), oder Bruch von Gew T ölbeknochen(No. 45 bis 48, 51), oder Zerschmetterung des Schulter-blattes (siehe im V. Band dieses Berichtes, S. 438, No. 108)stattgefunden.

Der Ort der Verletzung war oben (No. 36, 37, 40,42, 44, 48, 51, 52), vorn (No. 38), unten (No. 35, 43, 49),endlich mehrmals nicht zu bestimmen (No. 41, 50).

Die Stellung des Armes im Augenblick der Ver-wundung lässt sich bei No. 51 aus dem Sektionsbefundschliessen. Klebs (S. 6 bis 11) weist nach, dass die vonihm in Abbildung wiedergegebene Verletzung nur bei starkerHebung und Auswärtsdrehung des Armes entstanden seinkann.

An die Streifungen reihen sich diejenigen Verletzungen,bei denen die Kugel im Knochen steckt oder mit Zurück-lassung eines runden Kanals durchtritt, ohne den Zusammen-hang der auf beiden Seiten der Knochenwände gelegenenTheile aufzuheben (Lochschuss). Zwei Gelenkköpfe desOberarmes mit steckengebliebenen Kugeln, der eine imFeldzuge 1866 einem Obduzirten entnommen, der anderevon einem Resezirten des Deutsch-Französischen Kriegesherstammend, werden in der Sammlung des Friedrich-Wilhelms-Instituts aufbewahrt. 4 )

Einheilungen der steckenden Kugel sind selten be-obachtet. Im pathologischen Museum zu Giessen befindet sichder Oberarmknochen eines Französischen Schiffssoldaten,in welchem eine Kugel so steckt, dass ein kleiner Theilihres Umfanges an der Gelenkfläche des Oberarmkopfessichtbar ist. Das Geschoss war zwischen den beidenHöckern bis in die Mitte des Kopfes eingedrungen. DerMann hatte die Verwundung in der Schlacht bei Trafalgar er-litten und sich bis zu seinem Tode (1850) ohne die geringsteBehinderung der Armbewegung mit schwerer Handarbeit er-

a ) Vergl. auch Lossen, S. 42, No. 1.

*) Vergl. auch II. Fischer, S. 148, No. 198.

°) Vergl. auch Koch, S. 538.

") Vergl. IV. Band dieses Berichtes, S 74, No. IV, A. 56 undTafel XIV, 4; ferner S. 69, No. IV, A. und Tafel XIII, 1; desgleichenim V. Band S. 430, No. 36.