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3. Chirurgischer Theil A (1888) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Spezieller Theil: Verwundungen der einzelnen Körpergegenden ; zweite Abtheilung: Verwundungen der Gliedmaassen
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VII. Kapitel: Verwundungen der grossen Gelenke.

Band III. Spez. Theil.

I

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zugleich betreffen. Zuweilen ist der eine Gelenktheil zer-brochen, der andere nur gestreift. Der Bruch des oberenKnochenendes pflegt nachtheiliger zu sein, als der derunteren. Sind die Gelenktheile massig und vorwiegendaus fächerreichem Knochengewebe bestehend, so könnenKugeln eindringen, am Ende des blinden Kanals steckenbleiben 1 ) oder bei grösserer Plugkraft wieder austreten(Lochschuss). Der runde Schusskanal ist entweder voll-kommen rein, oder es gehen von ihm aus Sprünge indas umliegende Knochengewebe. 2 )

Das gebrochene Gelenkende bleibt meist annähernd inseiner ursprünglichen Lage; es kann aber auch durch denSchuss eine Verschiebung der Gelenkflächen voneinander

i) Siehe unter Schultergelenk, S. 672, Hüftgelenk, S. 73G und 738,desgl. unter Kniegelenk.

2 ) Siehe unter Schultergelenk, S. 673, Kllenbogengelenk, S. 695,Hüftgelenk, S. 736 und 738, desgl. unter Kniegelenk.

stattfinden, so dass eine mehr oder weniger vollkommeneVerrenkung 1 ) entsteht.

Die durch Knochenbruch ausserhalb des Gelenks ver-anlassten Sprünge des Gelenktheils (vergl. IV.Bd., S.31)entstehen durch die keilartige Wirkung des Geschosses oderdurch Schwingungen des Knochengewebes oder endlich durchhydraulischen Druck. Ist schon an Präparaten der sichereNachweis, dass die Sprünge auf letztere Art entstandensind, schwer zu führen, so gelingt derselbe noch weniger da,wo nur Krankengeschichten vorliegen. Dagegen wird manbei den Knochenbrüchen der Gelenke kaum fehlgehen,wenn man da hydraulische Pressung annimmt, wo eine denGelenktheil senkrecht zur Längsachse des Gliedes treffendeKugel weitgehende Splitterung in den Schaft veranlasst. 2 )

J ) Siehe unter Schultergelenk, S. 673, unter Ellenbogengelenk,S. 695 und unter Hüftgelenk, S. 745.

2 ) Siehe unter Schultergelenk, S. 673, Hüftgelenk, S. 734, desgl.unter Kniegelenk.

III. Diagnose.

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Die Diagnose der Gelenkschusswunden wird entwederaus unmittelbaren Zeichen gestellt, welche am getroffenenGelenk selbst wahrzunehmen sind, oder aus mittelbaren,welche einen Schluss auf die Verwundung des Gelenkesgestatten. Unmittelbar zur Wahrnehmung gelangen dieSchussöffnungen, die Zerstörung gelenkbildender Theile,die Kapselentzündung und die Aufhebung der Gebrauchs-fähigkeit. Mittelbare Anzeichen sind die Klagen überSchmerzen im Gelenk und die Stellung der Glieder.

Die Schussrichtung ist aus der Lage der Pin- undAustrittsöffnung der Kugel zu erkennen. Sind beide Oeff-nungen vorhanden, so darf bei Verletzungen durch gezogeneWaffen im Allgemeinen eine Durchbohrung der dazwischenliegenden Theile angenommen werden. Zur Diagnose derVerwundungen des Ellenbogen-, Hand- und Fussgelenks(der kleinsten und freiesten der sechs grossen Gelenke)genügt meist die Kenntnissnahme der Schussrichtnng. Dieumfangreichen Verschiebungen des mächtigsten der Gelenke,des Kniegelenks, machen es hingegen möglich, dass beider Untersuchung des mit gestreckten Beinen liegendenVerwundeten Kapsel und Knochentheile einen anderen Platzeinnehmen als im Augenblicke der Verwundung, so dasshier die Notwendigkeit einer Herstellung der bei der Ver-wundung eingenommenen Lage zur Vermeidung erheblicherdiagnostischer Irrthümer in die Augen springt. An der frei-liegenden Schulter ist das Verhältniss der Schussrichtungzum Gelenk meist gut zu erkennen und der überwölbendeKnochenbogen zu schwach, um die Kugel abzulenken. DieSchwierigkeit liegt daher beim Schultergelenk nicht in derDiagnose der Gelenkverletzung an und für sich, sondernin der Beurtheilung der Art der Knochenverletzung. DieLage der einzelnen Theile des Hüftgelenks ist an der

Oberfläehe weniger genau festzustellen, auch können da-selbst Knochen, Bänder und Sehnen den Lauf des Ge-schosses ändern. Wenn H. Fischer (Kriegschirurgie,2. Aufl., I. Bd., S. 15?)) die Schussrichtung als werthvollesZeichen der Hüftgelenkverletzung hervorhebt, so geschiehtdies offenbar nur deshalb, weil die anderen Merkmale ge-rade dieser Verletzung noch unsicherer und unzuverlässi-ger sind.

Ist keine Ausgangsöffnung vorhanden, so weist einekreisrunde Eingangsöffnung darauf hin, dass das Geschossmehr senkrecht zur Gliedachse getroffen hat, während das-selbe bei länglichem Einschuss mit Hautquetschung undAbschürfung eines Randes mehr in spitzem Winkel auf-geschlagen ist. Besonders beim Hüftgelenk ist es beimangelndem Ausschuss oft unmöglich, eine Vorstellung derSchussrichtung zu gewinnen.

Einen Fingerzeig geben zuweilen die Angaben desVerwundeten darüber, ob er im Liegen, Stehen oder Gehenverwundet worden ist.

Zu den Zeichen der Zerstörung gelenkbildenderTheile gehört Austritt von Gelenkflüssigkeit und Knorpel,der Nachweis eines Kapselloches oder Knochenbruches undBluterguss in die Kapsel.

Der Austritt von Gelenkflüssigkeit wird öftervermisst als beobachtet. Er tritt entweder gleich nach derVerletzung ein oder beim Ausschneiden einer steckendenKugel 1 ), oder endlich im weiteren Verlauf, wenn dieGelenkflüssigkeit durch Entzündung vermehrt ist. Amhäufigsten wird er noch am Kniegelenk gefunden, in wel-chem sich etwa lOgrm Flüssigkeit befinden, während die

') Siehe unter Verletzungen des Ellenbogengelenks, No. 2.