Druckschrift 
1 (1910) Althochdeutsche Schriftdenkmäler des IX. bis XI. Jahrhunderts
Entstehung
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Die Handschrift ist eine ausgezeichnete Leistung aus dem XI. Jahr-hundert, die aller Wahrscheinlichkeit nach in der durch Williramgepflegten Schreibstube zu Ebersberg entstanden ist. Sie folgt inder dreispaltigen Anordnung des Textes der Bestimmung Williramsin seinem Prolog: Itaque cantica canticorum . . . statui ... et ver-sibus et teutonica planiora reddere, ut corpus in medio positum hisutrimque cingatur et ita facilius intellectui occurrat, quod investigatur.Dementsprechend steht auf der mittleren Spalte der Text der Vulgata,links die lateinische Umschreibung in leoninischen Hexametern,rechts die deutsche Übersetzung und Erklärung mit ihren zahl-reichen lateinischen Wendungen. Auch im übrigen ist auf eineübersichtliche Gliederung des Textes forgfältig Bedacht genommen:Alle Abschnitte werden mit roten Initialen und auf der gleichenZeile in allen drei Textgruppen begonnen; auch ist die erste Zeiledes Ganzen und danach das erste Wort jedes Abschnittes durchKapitalschrift hervorgehoben. Die lateinische Paraphrase in Spalte Asetzt die Verse ab; auch ist der Anfangsbuchstabe jedes Versesherausgerückt und Capitalis rustica; nur Z. 25 und 29 ist dasHerausrücken versäumt, und Z. 5 fällt das grosse Minuskel-N auf,während sonst meist die Form der Capitalis gebraucht ist, wiederholtwie beim U mit einem zierlichen Verlängerungsstrich nach unten(A, Z. 1). Der Vulgatatext (B) ist wesentlich grösser geschrieben,da er weniger Raum erfordert, aber in kürzeren Zeilen und mitgrösseren Zwischenräumen, um die Parallele mit den beiden Erläut-erungen festzuhalten. In der deutschen Paraphrase (C) wird derAnfang eines neuen Satzes zwar nicht durch neue Zeile, aber öftersdurch grosse Buchstaben in roter Farbe ausgezeichnet (Z. 3, 12, 25).

Die Malerei der drei Initialen der ersten Zeile ist einfach inMennige ausgeführt. Im übrigen ist bei den Kapitalbuchstaben nochdas VV in Spalte C, Z. 9 zu bemerken, das bereits dem ausgebildetenW nahe steht, während im übrigen Texte noch w durch uv (C, Z. 10)und uu (C, Z. 25) ausgedrückt wird. Die Minuskel der Handschriftist ausserordentlich klar, von einer Sicherheit und Gleichmässigkeit,die besonders in Spalte A sehr schön zur Geltung kommt, währendSpalte B durch die Grösse der Schrift weniger gefällig, Spalte C durchdie übrigens meist sehr sorgfältige und lehrreiche Akzentuierungund durch die Form einzelner Buchstaben, wie des z, etwas unruhigwirkt. Bemerkenswert ist das Auftreten des runden s, das nebendem noch vorherrschenden langen I schon mehrfach am Wortschluss(C, Z. 7) oder in der Abkürzung für sunt (B, Z. 11) vor-kommt. Für ae wird § geschrieben (A, Z. 5), für v und uüberwiegt in der Minuskel u, in der Kapitale V. Bei d wechselt diegerade Form mit der abgebogenen unzialen. Abkürzungen sind imDeutschen nicht vorhanden; im Lateinischen werden sie mit Massverwendet, reichlicher nur, wo es die Rücksicht auf den Raumerfordert. Von Buchstabenverbindungen wird nur st gebraucht;daneben aber kommt eine starke Neigung zur Erscheinung, kleineAufstriche und Querstriche zur unmittelbaren Verknüpfung derBuchstaben zu verwenden, z. B. bei r, g, a, t (A, Z. 2), f (Z. 11).Dagegen werden die Schlusstriche von i, n und m, die fast wagrechtgestellt sind, nicht zu solcher Verbindung benützt. Die Worttrennungist fast vollständig durchgeführt; bei Silbentrennung wird vereinzeltschon ein Bindestrich angewendet (C, Z. 3, 11, 18). Die Interpunktionsetzt ; ! und . etwas reichlich, doch mit gutem Sinn.

Q

U

S5

A

UEW) SITIO VOTIS . NVNC

ofcula porrigat orif;

Quem mihi uenturum promp-

lerunt organa uatum!N unc etiam per le pre-

fenf dignetur adeffe.O fcula prebendo . fuadulcia uerba loquendo.

BERA nempe tui pr§-

cellunt pocula uini!S uauiter unguentif fra-

glantia Tat preciofif;M itificanf 2 ) ueterem tua

lenif gratia legem .G ratif iuftificat quof

lex punire iubebat!H ofque tuif donif dum

fpiritualiter unguis.R eddunt preclaram poft

turpia crimina famam .

v PONSE tuum nomen

olei praedulce liquamen!Quod fe dilatat. dumlargo nectare 8 ) manat;G rafi'a ') non ftillat. fed etipfa uoce redundat!Chn/ricol? dicti namfunt de nomine chn/ri .

I NDE placef tenerif tu

dulcif fponfe puellif;S cilicet una faluf in te[fanctif animabuü]

B

/^scv-

>^H'VSS ER M'IH . M'IT D'EMO')

I 1

1 cüffe fTnef mun-

^^LETUR

^^def. Dicco ge-

hiezz er mir ftne chuönft')

me ofculo

per prophetas! nu cüme er

felbo . unte cüffe mih

orif fui .

mit dero füoze fTnes

euangelii.

Qvm

W'ANTA bezzer Iint dtne

fpünne demo uvtne! fTe

meliora sunt

ftinchente . mit den bez-

zeften fälbon . Div 7 ) füoze

ubera tua

dlnero gratia . fit bezzera .

dänne div") fcärfe dero

uino. fra-

legif. älf iz quit; Lex per

moyfen data e/r! gratia et Ve-

glantia un-

rität per ie/um chriftum facta eft.

Div felba gnäda . fit gemif-

guentif op~

ket mit uariii donif Ipiritus

lanctil mit den du mächoft 9 )

timis.

ex peccatoribuf iuftof. ex

damnandif remunerandos.

Oleum

[) IN nämo . lft üz-

gegözzenaz öle:

effufum

Din 7 ) nämo . ift uuiteno

gebreitet 10 )! uuanta-

nomen

ne dir chrifto . heizzen

uuir chn/riani.

tuum.

Ideo

U'ONE diu minnont

dih . die iünkfröuvon!

adolefcen-

daz fint die fela. die der

[tulae

[geiünget fint in dero

dilexerunr te .1

toife! unte geuuätet mit

15

SS

50

uefte innocentiae .1

') Der Schwanz des Q au! Rasur. 2) Das M rot auf Rasur. 3 ) n und a auf Rasur. 4 ) Das G rot auf Rasur. s ) Demo istmit blasserer Tinte nachträglich eingesetzt, weshalb es auch über den Zeilenrand hinausragt. 6 ) Das h klein über der Zeile ohne Einfügungs-zeichen. 7 ) Das D rot auf Rasur. ») Der Accent ist leicht durchstrichen. 9 ) Feuchtigkeitsflecken, der bis in die darüber und die darunterstehende Zeile hineinreicht. 10 ) Ursprünglich mit tt geschrieben; das erste t ist durch Punkte über und unter dem Buchstaben getilgt.

V

i .