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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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254 Rückschlüsse.

beantwortet diese Frage seit Lachmann, der von einem 'Ge-sänge des Kreuzheeres' sprach (Walther S. ^4), gemeinhin mitja, aber vielleicht ein wenig zu schnell. Mettin äußert sichBeitr. 18, 537 weniger zuversichtlich, und zwar auf Grund desgroßen Umf angs des Strophengebäudes. Der Punkt ist tatsächlichbemerkenswert. Zwar wird die Strophe durch die Zerlegungin fünf gleich rythmisierte Abschnitte wesentlich vereinfacht;aber obgleich zuzugeben ist, daß die so gewonnenen vier zeiligenBinnenstrophen sich den einfachen Formen des religiösenVolksliedes stark nähern, die normale strophische Form desPilgerliedes stellen sie nicht dar; es wird schwer halten, im Volks-liede Gegenstücke zu ihnen zu finden. Man darf bei diesenStrophenteilen doch wohl von einer veredelten Form volks-mäßiger Strophik sprechen; und die durch Reimbindungenerfolgende Zusammenfassung dieser Binnenstrophen zu einemgroßen strophischen Körper treibt die Stilisierung weiter.

Aber wie es mit der Strophenform auch bestellt sein mag,bestimmt es ist nötig, daß man sich mehr und gründlichereGedanken macht über das Verhältnis einer WaltherschenKunstdichtung und eines geistlichen Volksliedes aus dem13. Jh. Denn darauf läuft es doch hinaus, wenn Wilmannsdas Lied für den Gesang vieler bestimmt sein läßt (LebenS. 226), wenn Mettin von einer Rücksicht des Dichters auf das'Volk' spricht (Beitr. 18, 537), wenn Wolfram von 'Gesangder Menge' redet (Zs. f. d. Alt. 30, 96). Man denkt bei 'Volk'und 'Menge' doch offenbar an die Massen des Kreuzheeres,die auf dem Marsch (Schönbach, Walther 4 S. 186), auf derMeerfahrt (vgl. Herzog Ernst D 31640. 4521 ff.), im Ruhe-lager das Lied anstimmten; das ergäbe also ein Soldatenlieddes Kreuzheeres. Nun spricht aber alle Erfahrung der Volks-liedforschung, auch der die es mit dem Soldatenliede zu tunhat, dagegen, daß ein Kunstlied ohne weiteres zum Volksliedwird, auch wenn es sein Verfasser vielleicht so gedacht hat.Was Volkslied wird, darüber befindet allein das Volk; und jetiefer seine soziale Schicht ist, um so geringer pflegt seineNeigung zu sein, sich ganz frische Kunstlieder anzueignen.Für Gleims 'Kriegslieder eines preußischen Grenadiers' be-geisterten sich bekanntlich die Fritzischen Offiziere, die Soldatenzogen andere Lieder vor; und mit den Liedern der großenSänger der Freiheitskriege stand es nicht anders. Ähnlich