174 Die deutschen Geißlerlieder.
um Eingang in die himmlische Wonne weisen ebenso unver-kennbar die Richtung wie die Formulierung, die sie gefundenhaben. Sie senkt sich vielfach genau so wie die Melodie bisauf die Ebene der schlichten echten volksmäßigen Rufformeln(21 f. 44. 63 f. 86. 92. 114 f.). Die Strophen der Großen Tage-weise laufen also textlich und melodisch in den Rufstil aus.Das fände seine beste Deutung, wenn man darin einen Hinweisauf ein volksliedhaftes Vorbild sehen dürfte; und da böte sichnichts Paßrechteres als eben die Geißlerliturgie.
Das scheint eine glatte und zwingende Schlußkette, undman könnte versucht sein, sie noch um ein Glied zu verlängern-Man könnte meinen, daß sich der Einfluß der Liturgie bis inden strophischen Bau der Großen Tageweise erstreckt. DieLiturgie beschließt jedes ihrer drei Stücke mit dem innerlichund äußerlich klar abgegrenzten Kniegebet: in seinen Rufengipfelt die rituelle Handlung. Ähnlich steigert sich bei Petervon Arberg eine ungewöhnlich lange Strophe zu einem Schluß-stück, das sich als selbständiger Ruf absondert. Die Vermutungmeldet sich, der Dichter möchte seine umfängliche Strophein dem Gedanken geformt haben, daß ihre langen gedoppeltenStollen dem Geißelumgang, ihr Abgesang der Genuflexio jenerLiturgie entsprechen sollte, die als ganzes sein Gedicht an-geregt hat. Aber — dieselbe Strophe zeigt auch ein weltlichesTagelied 1 ), das nach seinem Sprachstand wohl Peter von Arberg
*) Bartsch hat gewiß recht, wenn er die leichten metrischen Ab-weichungen, die das Stück gegenüber der strophischen Form der GroßenTageweise aufweist, durch Textänderungen beseitigt, Kolm. Hs. S. 710.
2. Der Einzugsleis (Lied II).
R
i Nu ist diu betfart so here:Crist rait selber gen Jerusaleme.Er fürt an crütz an siner hant.Nu helf uns der hailant!
5 Nu ist diu betfart so gut:Hilf uns, herr, durh din hailiges blüt,
2 ierusal'e (Zeilenschluß). 6 din] d korr.