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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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60 Voraussetzungen und Grundlagen des deutschen Geißlerliedes.

sein, das ist hiernach deutlich, daß zumindest gewisse Kreiseder Disciplinaten eine Brücke schlagen zu können meintenvon ihrem Statut zu dem Himmelsbrief des Fasani.

Aber diesen Dingen weiter nachgehen, hieße den Rahmender vorliegenden Untersuchung überschreiten. Es genügt uns,gezeigt zu haben, daß nicht etwa erst die deutschen Geißlerden Himmelsbrief in ihren Dienst gestellt haben und ihm mitdem Aufruf zur Geißelung keineswegs 'neue Momente' beigesellthaben, wie Pfannenschmid S. 154 meint, sondern daß sie indiesem Stück ihres geistigen Besitzes greifbar italienischemVorbild folgen, wie es oben für die Statuten darzutun versuchtwurde.

4. Die geschichtlichen Zeugnisse für das Geißlerlied.

Wer die Lieder der deutschen Geißler deuten will, mußmit einem Stück vergleichender Literaturgeschichte beginnen.Denn wie die Geißlerbewegung des 13. und 14. Jahrhundertseinen großen Teil Europas übergriff, hat auch das Geißlerliedetwas Internationales. Freilich nur die deutsche Überlieferunggibt uns die Texte selber in einigem Reichtum in die Hand,für die übrigen Länder müssen wir uns mit knappen historischenZeugnissen begnügen, wenigstens wenn wir an die Lieder heranwollen, die die Geißlerbewegung in ihren elementaren Formenaufwies. Historische Zeugnisse aber gibt es die Fülle; undsie gilt es zunächst zu sichten.

An den Anfang gehört eine Musterung der italienischenVerhältnisse, weil Italien den Herd der ganzen Bewegung dar-stellt. Hier ist die Situation scheinbar ja günstiger, insofernin den sog. Lauden der späteren Disciplinaten, die uns in einerFülle von Sammlungen erhalten sind, unmittelbar verwend-bares Vergleichsmaterial gegeben scheint. In Wirklichkeitmacht das die Lage verwickelt. Es ist oben betont worden,daß in Italien die Geißlerbewegung sehr verschiedene Formengewann (s. S. 10 f.). Die spontane Volksbewegung, als die dasGeißlertum in seinen Anfängen im Jahre 1260 uns entgegentritt,war etwas anderes als die Confraternitäten der Disciplinatenmit ihrer durch feste Regeln geordneten und stilisierten Formder Geißelung, die wir fast gleichzeitig mit dem Aufkommendes Geißlerwesens sich entwickeln sehen. Es liegt auf der Hand,