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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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46 Voraussetzungen und Grundlagen des deutschen Geißlerliedes.

läßliche Zeugen für das 'echte' Geißlerstatut gelten (S. 123);die Doorniker Statuten hält er für eine rein mönchische Arbeit,die Brügger wenigstens für 'kirchlich beeinflußt'. Die Liturgiemahnt zu einer vorsichtigeren Beurteilung dieses 'kirchlichen'Einschlages. Denn sie erweist, daß ausgesprochen kirchlicheFormulierungen auch auf der Höhe der Bewegung schon demGeißlerstatut eigen gewesen sein müssen. Hängen, wie wirglauben erwiesen zu haben, die deutschen Statuten mit denender italienischen Geißler zusammen, so ist anderes auch gar nichtzu erwarten; denn die Disciplinatenbruderschaften warenkirchlich gebilligte und geleitete Einrichtungen. Selbst eineBestimmung also wie debet confiteri curato B, die Pfannenschmidohne Zweifel als junge Zutat, als verkirchlichende mönchischeEinschwärzung in die holländischen Statuten hinstellen würde,muß von Haus aus in diesem kirchlichen Rahmen zur Geißler-satzung gehört haben; auch das bihten müßte sonach, zunächstwenigstens, die ordnungsmäßige kirchliche Beichte meinen (soversteht es offenbar auch Hugo von Reutlingen V. 318 noch).Das gerade scheint das Eigentümliche der deutschen Geißler-bewegung zu sein, daß sie, und zwar eben bestimmt durch ihreitalienischen Wurzeln, in ihren Anfängen die Brücken zurKirche nicht abbrechen wollte; erst allmählich kam sie in einradikaleres Fahrwasser, um schließlich offenem Aufruhr gegendie Kirche zu verfallen.

3. Die Geißlerpredigt.

Von größtem Belang ist die Frage nach der Art und demAlter der Beziehungen, die zwischen der Geißlerliturgie und derGeißlerpredigt bestehen. Die Geißler des Jahres 1349 beriefensich nämlich, um das Recht ihrer Bußübung zu begründen, aufein himmlisches Gebot. Nach dem Geißelakt trat regelmäßigeiner auf, wie mehrfach bezeugt, um eine Predigt zu halten;und der Kern dieser Predigt war die Mitteilung eines Himmels-briefes, der die Geißelfahrt von 33^ Tagen forderte und be-glaubigte J ). Dieser Himmelsbrief schließt sich natürlich an die

') Welche Bedeutung gerade der Himmelsbrief für die Geißler hatte,geht recht deutlich aus einer anscheinend noch nicht beachteten Aufzeichnungim Hausbuch des Michael de Leone hervor. Es sind 12 leoninische Hexa-meter, Versus de secta flagellatorum dictorum Geysseler (Münch. Univ. Bibl.