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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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250
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250 Rückschlüsse.

Hält man die beiden Kreuzlieder Walthers von derVogelweide nebeneinander, so springt der starke Stilunter-schied sofort in die Augen. In 14, 38 eine Darstellung vonChristi Erlösungswerk in ständiger Beziehung aufs heilige Land,in geschlossenem gesteigertem Aufbau, aufs Präteritum gestellt:der Eindruck des Liedes ist vorwiegend episch. Ganz anders76, 22: es fehlt die durchgehende gedankliche Linie, obgleichein geschlossener stofflicher Kern wohl vorhanden ist; flackernd,z. T. andeutungshaft und abgekürzt reihen sich die Gedankenaneinander. Das Lied lebt von Imperativen, sein Charakterist hymnisch.

Wo für die stilistische Haltung des ersten Liedes die An-knüpfungspunkte liegen, ist schwer zu sagen und soll hier nichtuntersucht werden. Um so greifbarer ist die literarische Sphäre,mit der das zweite Lied in Berührungen steht: es ist die desPilgerliedes. Ein zwingender Nachweis hat freilich aus mehrals einem Grunde seine Schwierigkeiten. Zunächst ist das zeit-genössische Vergleichsmaterial zu dürftig. Was an Resten derKreuzfahrerleise erhalten ist, gibt nicht genug her. Aber ichzweifle nicht, daß diese Reste als Zeugen für ein breiter ent-wickeltes Pilgerlied zu werten sind, das nicht nur bei Ausland-fahrten wie den Kreuzzügen, sondern mehr noch bei heimischenWallfahrten und Umgängen in Gebrauch stand. Die Geißler-lieder bleiben einfach unverständlich, wenn man sie nicht alsGewächs an einem schon viele Generationen alten Baume ver-steht. Es ist unzweifelhaft, daß man nicht nur ihre ganzestilistische Haltung, sondern auch vieles von ihren Einzelzügenals Erbgut betrachten darf, das auch in Wallerliedern desfrüheren 13. Jhs. schon da war. Wenn man sieht, mit welcherZähigkeit gerade die Pilgerlieder ihren Gedanken- und Formel-schatz bis auf den heutigen Tag festhalten, wagt man denSchluß, daß das Pilgerlied des 16. Jhs. und erst in dieserZeit wird es uns als breiter Strom sichtbar in einzelnem eineJahrhunderte alte Tradition vertritt. So scheint es also me-thodisch gerechtfertigt, auch aus jüngerem Material die Meinungzu stützen, daß in Walthers Kreuzlied das zeitgenössische Pilger-lied seine Spuren hinterlassen hat.

Eine andere Schwierigkeit liegt darin, daß Walthers Verswenigstens nicht völlig dem des Pilgerliedes entspricht. DerVers des Pilgerliedes ist normalerweise vierhebig, und zwar