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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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248 Rückschlüsse.

Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Rede desBischofs nach Inhalt und Wortlaut vom volkstümlichen geist-lichen Liede beeinflußt ist, wenn man gewiß auch zu weit gehenwürde mit der Annahme, daß es sich (wie beim Herzog Ernst)um die Paraphrase eines bestimmten Einzelliedes, sagen wir:eines Kreuzfahrerleises handelte. Daß der Dichter geistlicheLieder im Munde der Soldaten kannte, geht ja mit aller Deut-lichkeit aus einem Verse wie 3778 Daz gotes lop sie sungen (vgl.Hoffmann v. Fall. S. 44 Anm.) hervor. Schon der Eingangvon Turpins Rede (V. 3281/84) bietet den stehenden Gedankendes geistlichen Volksliedes: 'um deines Todes willen laß unsselig sterben'; der Leis im Herzog Ernst 4538 ff. ist unmittelbarvergleichbar. Neben 3283 halte man den Leis Sant Mari, muoterunde meit, All unser not si dir gekleit, der als Schlachtruf im13. Jh. bekanntlich mehrfach bezeugt ist (Mettin S. 279).V. 3287 erinnert an die Wanderzeile Hilf uns an der enget schar(s. S. 188 f.). V. 3288 enthält gewiß nicht von ungefähr den Be-griff des varens, der im Kreuzfahrerleise wie in sonstigen Pilger-liedern immer wiederkehrt; und die Formel vrolichen varenvergleicht sich unmittelbar dem Verse FrSleichen fara wir, dendie älteste Fassung des Leises 'In gotes namen varen wir' inder zweiten Strophe enthält. Das Rolandslied liefert also einwertvolles Zeugnis dafür, daß diese Strophe oder sagen wirvorsichtiger: eine Strophe mit dieser Zeile bereits im älteren13. Jh. vorhanden war (s. o. S. 242!.). Ganz greifbar wird derEinfluß aus dem Bezirke des deutschen Liedes beim Verse3290; denn er stellt sich dicht neben die Zeile Hütte ist, herre,din tac: so begann ein Lied, das für 1189 im Munde von Kreuz-fahrern bezeugt ist (Hoffmann v. Fall. S. 43). Mettin nimmtdies Lied als Übersetzung eines lateinischen Hymnus (S. 279),leider ohne ihn namhaft zu machen. Zumindest liegt also eineGerippzeile vor, die der Dichter des Rolandsliedes auf seineArt gefüllt hat. Vielleicht aber darf man noch weitergehen.Ein Hymnus aus dem 14. Jahrh. (De nativitate domini, Wack.S. 206) beginnt: Dies est laetitiae in ortu regali. Die Vermutungmeldet sich, daß der Hymnus sich dieselbe geprägte Liedformelzunutze macht, die in Turpins Rede eingeflochten ist. Auchdie Zeilen 3291 f. sind möglicherweise Zitat; sie würden sichjedenfalls in einem Festtagsliede sehr bequem an 3290 an-schließen. V. 3293 endlich bringt den Gedanken des Lohnes,