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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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246 Rückschlüsse.

in Stoff und Stil ist deutlich, der eins vom andern trennt. Freilichjenes sind Volkslieder, dies ist eine Kunstdichtung; erfahrungs-gemäß eignet sich volksmäßiger Gemeingesang auch Dichtungenan, die ihm an sich stilfremd sind. Aber daß zu einer Zeit, inder das greif- oder erschließbare Pilgerlied noch recht primitiveFormen aufweist, eine solche Kluft übersprungen sein sollte,hält schwer zu glauben. Das Ezzolied bietet die Heilsgeschichtein einer theologisch ausgesponnenen, z. T. gar allegorisierendenDarstellung; dem Pilgerlied und auch dem späten nochkommt es auf eine kompakte einlinige Wiedergabe und Auf-fassung der Heilstatsachen an, das ist der stoffliche Unterschied.Und dem Stile des Pilgerliedes wieder ziehen wir spätere mitheran ist Ezzos Gesang deshalb fremd, weil im Pilgerliededas subjektive Element der Anrufung und Bitte viel stärkerim Vordergrund zu stehen pflegt und epische Inhalte viel un-mittelbarer auf die pilgernden Träger des Liedes und den Zweckihres Pilgerns bezogen sind, als das bei Ezzo der Fall ist. Esist einfach ein geistiger Schichtenunterschied, der hier vorliegt.Von einem Chor von Klerikern kann man sich das Ezzoliedvorgetragen denken, notfalls auch auf einer Kreuzfahrt.Aber wer von 'Pilgerlied' spricht, denkt doch gerade an diebreite Menge der ungeistlichen Wallfahrer; und ihr Gesangwar einer solchen Dichtung nicht gewachsen und nicht geneigt,auch wenn man ihm nicht das ganze Stück zuschiebt, sondern nuretwa die zweite Hälfte, von Strophe 17 ab (Ehrismann S. 45).Nur einige wenige Abschnitte sehen sich etwas anders an.Dahin gehört vor allem die Strophe 26, Spiritalis Israel, Nuscouwe wider din erbe usw., die schon Müllenhoff heraushob(Denkm.3 2, 182). Diese Strophe hat etwas vom Stil des volks-mäßigen Pilgerliedes. Sie baut sich mit den Ausdrücken desvarens in ein lant, auf das die Christen Anspruch haben, umVorstellungen herum, die jüngeren Pilgerliedern sehr geläufigsind. Sie enthält mit dem Verse 367 Der unser herzöge ist soguot eine Gerippzeile, die in jüngeren Pilgerliedern nicht sel-ten auftritt (s. S. 177) und zweifellos von Ezzo bereits vor-gefunden wurde. Auch die Zeile 369 Vil michel ist der sin gewalt(ebenso V. 244) gemahnt an diese Sphäre. Das ist eine Strophe,die einfach genug im Ton ist, um als Pilgerlied aufgenommenzu werden, überdies auch geschlossen im Inhalt, wenngleichimmer noch eine handfeste Umdeutung nötig war, um sie für