Druckschrift 
Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
Entstehung
Seite
237
Einzelbild herunterladen
 

Kreuzfahrerleise im Herzog Ernst. 237

Crist herre, du bist gut ist ein viel verwendeter Gerippvers (s.S- 177), der öfter gerade als Liedeingang auftritt. 4540 ist einestehende Zeile späterer Pilgerlieder (s. S. 177 Anm. zu 6). Undum den Beweis voll zu machen: beide Zeilen verkoppelt erschei-nen, mit geringer volksliedhafter Variation, in dem Einzugsleisder Geißler. Ganz geläufig ist dem jüngeren Pilgerliede die Be-rufung auf Christi Wunden in der obigen syntaktischen Form(s. S. 119 Anm. zu 4346). Und völlig entspricht es dem Stildes Pilgerliedes, wenn es in den Wunsch mündet, in das Him-melreich einzugehen.

So kann also nur die Frage strittig sein, mit welchemGrade von Treue Ulrich von Eschenbach das ihm bekannteVolkslied wiedergegeben hat. Ich halte dafür, daß die erstenvier Zeilen echt sind, V. 4542 wenigstens noch dem Reimenach. Der Ausgang dagegen zeigt natürlich ein Eingreifendes epischen Dichters: er mußte das Kyrieleison, das sonstaußerhalb des Liedtextes steht, in das Reimpaar hineinarbeiten.Das führte zu einer Umbildung des echten Liedschlusses, dieauch schon die Zeile 4543 neu zu formen zwang. Ein Hilfs-mittel, mit dem man gern arbeitete, versagt leider: das ist dasstrophische Maß des zugrundeliegenden Liedes. Nach Aus-weis späterer Pilgerlieder würde man am liebsten von einervierzeiligen Strophe ausgehen; aber gerade sie zeigen auch,daß dies Grundmaß leicht erweitert werden kann. Eine sechs-zeilige Strophe wäre ohne jeden Anstoß. Für die Frage, wieder echte Strophenschluß ausgesehen haben mag, kommt Hilfevon einer unerwarteten Stelle. Die geistliche Novelle 'Felixim Paradiese' (v. d. Hagen Gesamtab. Nr. 90) schließt mit denVersen (Bd. 3, S. 623):

76 mit siner (Christi) helfe sul wir tretenin daz ewige himelriche,daz wir vrolichemüezen mit sinen engelen sin:des hilf uns, liebe künigin!Keine Frage, daß hier ein volksläufiger Leis verwertet ist ').

') Überhaupt steckt in den frommen Schlüssen mittelalterlicher Er-zählungen, in Schreiberversen u. dgl. mancherlei Versgut, das letztlich ausdem geistlichen Volksliede stammt. Nur noch ein paar Beispiele aus demGesamtab.: Diz büechel ist keiser Otte genant. Got der helj uns in sin laut!Schreibervers vor Konrads von Würzburg Novelle 'Heinrich von Kempten'Bd. 1, S. 63; Nu hebt uf die hende Und bitet got durch sinen tot, Daz er uns lasse