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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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Petruslied. 233

gleich ausgesprochen, in welchen Grenzen es sein Recht hat,wenn man bei Stücken wie dem Gallus- und Georgshede von'Ansätzen zur Schaffung eines christlichen Volksliedes' spricht(Ehrismann Gesch. d. dtsch. Lit. i, 212).

Hermann Paul schreibt einmal: 'Lieder wie das Petrus-lied und Ratperts Lobgesang auf den heiligen Gallus drangenin alle Schichten des Volkes' (Grundriß d. germ. Phil.» II 2,S. 63) An diesem phantasievollen Satze ist auch das anstößig,daß zwei Lieder neben einander gerückt werden, die grund-sätzlich verschieden waren. Das nämlich ist das Bezeich-nendste am Petruslied, daß es an einer Stelle steht, wodie eben gekennzeichneten beiden Entwicklungslinien desgeistlichen Volksliedes sich schneiden. Hier ist ein Dichteram Werk der mit deutlicher Absicht den Faden des selb-wachsenen geistlichen Volksliedes aufnimmt. Mettin hatdas Petruslied mit gutem Grund als Pilgerlied bestimmt*),wenn auch seine Beweisführung, wie Steinmeyer a.a.O.S. 104 bemerkt, nicht ganz einwandfrei ist. Mettin scheintrecht zu haben, wenn er das Petruslied in Abhängigkeit bringtvon der dritten Strophe lern hone pastor des Hymnus Aurealuce et decore roseo (Wackernagel Kirchenl. 1, Nr. 75), ob-gleich der Zusammenhang keineswegs so eng ist, daß man dasLied 'fast als eine Glossierung der lateinischen Strophe auf-fassen könnte'. Schon diese Abhängigkeit könnte auf ein Pro-zessionslied deuten, da die Quellstrophe im Prozessionsgebrauchbezeugt ist (Steinmeyer a. a. O.). Aber viel deutlicher sprichtetwas anderes: die letzte Strophe des Petrusliedes ist offensicht-lich an gewisse Stücke der Litanei angelehnt. Das hat schonEhrismann gesehen (Lit.gesch. 1, 198), ohne doch Grad undArt der Abhängigkeit voll zu erkennen. Der zweite Teil derLitanei mit seinen Einzelbitten zeigt unter seinen typischenFormen auch die: (Per crucem tuam etc.) peccatores te rogamus,...ut... misereri digneris (vgl. z. B. die Litaneien bei Martene,Tractatus de antiqua ecclesiae disciplina, Lugduni 1706, S.62 9 ff.,ähnlich 520 f) Das ahmt offenbar die Schlußstrophe des Pe-trusliedes nach, und zwar bis in die Syntax und den Vokabel-gebrauch hinein: Pittemes ..., daz er uns firtanen giwerdo gmaden;mit der Strophe Iam hone pastor, aus der Mettin für giwerdo gma-

~ i) W. Mettin, Die ältesten deutschen Pilgerlieder in: PhilologischeStudien, Festgabe für Sievers 1896, S. 284.