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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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229
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Anfänge des Pilgerliedes. 229

sancti, orate pro nobis oder intercedite pro nobis sind stehendin ihnen. Die moderne Volksliedforschung spricht von 'Aus-höhlung', wenn ein Liedkörper im Laufe des Liedlebens bis aufsein Gerippe oder noch weiter zusammenschrumpft. Die Dingeliegen in unserem Fall ja anders; denn die kurze Form ist nichtaus einer völligeren allmählich zurechtgesungen. Aber derpsychologische Vorgang ist vergleichbar, wenn das 'Volkslied'sich zu einer so energischen Abkürzung versteht. Und eineSchrumpfform bleibt das volksmäßige deutsche Gebilde doch,wenn man es neben die lateinische Ausgangsfassung hält i).Eigentümlich ist das et caetera, mit dem Cosmas sein Liedzitatabbricht. Es scheint darauf zu deuten, daß weitere Stücke ausder Litanei sich anschlössen. Das ist deshalb merkwürdig, weildas vorhergehende kyrie eleison nach der gewöhnlichen Übungder Litaneien auf einen Abschluß deutet. Wenn das et caeteraeine Weiterführung der Litanei meint, müßte man wohl anStücke aus dem auf das 'Omnes sancti orate pro nobis' folgen-den Teil 'Propitius esto' etc. (einschließlich des 'Agnus Dei')denken. Dann wäre eine weitere Stufe im Wachstum der deut-schen Litanei gegeben. Sehr bezeichnend übrigens, daß nachCosmas nur der Herzog und die Großen diesen Vers singen; dasniedere Volk begnügt sich mit dem Kyrieleison: die unteresoziale Schicht ist bei der Ausgangsform stehen geblieben zueiner Zeit, wo die höhere bereits bei entwickelteren Formenangelangt ist.

Neben dem Bittruf an alle Heiligen ist auch ein solcheran den hl. Petrus altbezeugt. Benzos Panegyrikus auf Hein-rich IV. berichtet von der Krönung des Kaisers im Jahre 1084:Imperatore gressum movente tollitur clamor omnium ad sydera.Clerici incipiunt: Iam bone pastor. Teutonici: Kyrrie eleyson!helfo Sande Petre heleyson! singule quidem nationes secundumritum patriae prorumpunt in suas vociferationes Mon. Germ. SS.11, 602f. 2 ). Daß hier nicht an den Eingang eines deutschenLiedes zu denken ist, sondern einfach an einen Ruf, beweist

T ) Übrigens kannte auch die kirchliche Praxis verkürzte Formen derLitanei, die auf Einzelaufzählung der Heiligennamen verzichteten und nurgruppenmäßige Zusammenfassungen boten (vgl. Martene, De antiquisecclesiae ritibus [1700] 2, 161 ff.). Aber die sind anders zu verstehen.

2 ) So müßte man (gegen die Mon.) abtrennen, vorausgesetzt daß derText in Ordnung ist. Aber abgesehen von den Bedenken, die gegen ein