180 D> e deutschen Geißlerlieder.
sich die nötigen Hörer dazu denkt. In diesem Einzugsleisklingen die gleichen Werbetöne wie in der Liturgie, wennauch gedämpfter.
Das Lied wird also in den Anfängen der Bewegung vonI 349 gedichtet worden sein, vermutlich als vier-, vielleichtauch nur als dreistrophiges Gebilde: denn Str. 3 könnte immer-hin auch nachträglich eingeschoben sein. Str. 1, 2 und 4 aberbilden jedenfalls einen organischen Zusammenhang. Die Grund-form der Strophe war deutlich der Vierzeiler, der aus andernalten Leisen bekannt ist. Die vierzeilige Grundform von Str. 2ist kaum sicher festzustellen. V. 8 R hängt im Gedanken sehrviel besser mit V. 6 zusammen als V. 10 R. Aber das ist fürein Volkslied ein dürftiger Beweisgrund. Man könnte darandenken, aus dem Reim vergossen hast: gelassen (versteh: g c ~lossen) hast auf die Ursprungsgegend des Reimpaares z uschließen und dürfte dann eher an alem. als an bair. Gebietdenken. Aber der scheinbare Reim kann natürlich dem Ur-sprünge nach auch eine Assonanz sein. Immerhin, wenn geradein der elsässischen Aufzeichnung Closeners das zweite Verspaarder Dublette Reutlingens erscheint, so hängt das offenbardamit zusammen, daß dies Verspaar in elsässischer Sprachestatt der Assonanz einen Reim bot. Ihrem Gehalte nach istZeile 10 in eine assoziative Verbindung zu rücken mit Versenwie So wir hinvarn uz dissem eilende (Ausgang des alten Pfingst-leises bei Berthold von Regensburg; s. Anm. zu V. 21 f.); vgl-auch Du noch in disem ellind sint Lied III 4.
Bezeichnend ist, daß der der Litanei anhaftende Triebzur Längung sich hauptsächlich am Schluß des Liedes aus-gewirkt hat. Schloß das Lied, wie zu vermuten, ursprünglichmit V. 18, so hätte es eine doppelte Längung erfahren. Dieerste, V. 19 f., mag psychologisch begründet sein und demWunsche entspringen, die Anrufung Christi noch einmal nach-drücklich an den Schluß des ganzen zu stellen, wie sie auchStr. 1 und 3 beschloß. Der zornige Christus, der ja auch schonim Hintergrunde der dritten Strophe stand, ist doch eben dereigentliche Gegenstand der geißlerischen Beschwörungen. DieLängung von V. 21 f. könnte ganz äußerlich durch ein Be-dürfnis der Abrundung begründet sein: zu Vater (17) und Sohntritt der Heilige Geist. Der Pfmgstleis 'Nu bitten wir denheiligen geist' wurde aber, sofern einer Angabe von Fr. &•