178 Die deutschen Geißlerlieder.
Gott nem uns mit seiner gewaltigen Hand, Für uns in seines Vatters Land Wack.2, Nr. 1178, 15; vgl. Nr. 517, 10; bezeichnend ist der Schreibfehler vatterslant statt kindes lant in Lied III 20; in sines sunes lande für das heiligeLand Walther 12, 10; es wird Walther 10, 10 als Christi und Maria erbelantbezeichnet; Nu heiß uns der heilant, Das wir komen in sin lant Herzog Ernst3171 f. (s. u. S. 236); vgl. den Schreibervers S. 237 Anm. Danach wäreimmerhin möglich, daß die Strophe aus einem alten Kreuzzugslied stammt.brait V. 11 müßte dann wohl als 'wegsam, einladend' verstanden worden sein.Aber es fragt sich, ob hier nicht volksliedhaft unsinnige Vermengung ur-sprünglich anders verwendeten Traditionsgutes vorliegt; die 'breite Straßeläßt doch an die spatiosa uiaMatth. 7, 13 denken, die wirklich in kunstmäßige rKreuzzugsdichtung auftritt: In erbarmet daz diu trift ist also groz Uf der witenhellestraze, Die sin lant, kriuze unde grap suln machen bloz Herr Hawart beiv. d. Hagen Minnes. 2, 163.
15 f. Natürlich aus geißlerischen Gedankengängen entsprungen (vgl. dieGeißlerpredigt), aber in der Formulierung offenbar nicht selbständig; vgl-Wir suln uns ein buoze nemen, Diu unsern Sünden wol gezeme Adam und Eva55 f. bei v. d. Hagen Gesamtab. 1, S. 6.
18 Umsetzung einer Formel der lateinischen Litaneien: peccatores terogamus (s. u. S. 233); C sucht ihr noch näher zu kommen.
20 Häufige Gerippzeile in altertümlicher Fassung; vgl. Klage 1881: nulone iu Krist, Der aller dinge gwallic ist (schon von Hoffmann von Fall. Kirchenl.S. 135 Anm. herangezogen), was also offenbar dem geistlichen Volkslied ent-lehnt ist. In unserer Fassung weist das adj. gewaltic zurück, der gen. all derweite vorwärts. Denn er herrscht in den jüngeren Fassungen, die neben ihmaber ein Subst. haben, zumeist trassier, z. B. Wack. 2, Nr. 740, 12. 1277, 1;(er)laeser Nr. 64, 2. 527, 3. 739, n; vater Nr. 684; heiler Nr. 740, 13; HelferHoffmann von Fallersl. Kirchenl. S. 203; eine ausgesprochene Rufzeile, dienatürlich auch wieder im geistlichen Spiel auftritt, Schönbach Marienkl.S. 65, 76.
21 f. Eingangszeile des bekannten, bei Berthold von Regensburg (1, 43-45; 2 . 63) zuerst überlieferten Pfingstleises, vgl. Böhme Altd. Liederb. S. 675.Die allgemein übliche Lesart der zweiten Zeile ist indes umb den rehten glouben.Doch vgl. die Fassung aus dem cod. Einsidl. 50, der aus einer Predigt, die einanonymer Karthäuser 1481 in Nürnberg hielt, folgendes mitteilt; quando cumcrucibits et reliquiis solemus ire contra mortem subitaneam et alia malamulta, tunc solemus canere in partibus Poloniae alumpne mee:
Nu pit wir den hailigen gaist
Umb den chrislengloben allermeist
Das (erg. er) uns behüte an unser ende,
So wir hinfarn uss disem eilende. Kyrieleys(nach P. Anselm Schubiger, Musikalische Spicilegien, Berlin 1876, S. 106).Auch hier also der Pfingstleis bei Prozessionen gegen den 'ga;hen tot': die vonder üblichen abweichende Lesart stimmt gewiß nicht zufällig in beiden Fas-sungen überein. Der Leis erscheint auch im geistlichen Spiel; bei Mone Altt.Schausp. S. 32 läßt ihn Petrus nach der Taufe eines paganus anstimmen.