170 Die deutschen Geißlerlieder.
notwendig einstellen mußten. Zu V. 77 vgl. des bluotes rotR 12; V. 79 dürnin kröne auch R 19; V. 80 f. vergleicht sichmit V. 25. Bedeutsamer ist der Strophenschluß mit seinenRufelementen: zu V. 86 vgl. R 45 Jesus, durch dine wunderot; zu V. 88 vgl. O 90 f. De leyde duvel had se gebunden, Man ahad lost unsen bant. In der Str. 93 ff. überrascht das Zu-sammentreffen von V. 102 mit dem Schluß von Lied III Undsetz si zä der rehtun hant Und da der sacher rowe vant, — ver "mutlich wieder eine Anleihe Peters von Arberg beim volks-mäßigen Ruf (vgl. Anm. zur Stelle), dessen Haltung sich auchder Schluß der Strophe angleicht.
Wie fügen sich die äußeren Nachrichten über die GroßeTageweise der Annahme einer Abhängigkeit von der Geißl er "liturgie? Das 43. Kapitel der Limb. Chron. beginnt: It e,nin diser zit sang man dit dagelit von der heiligen fassien, und ewas nuwe, unde machte ez ein ritter, und dann folgt der Eingangder Tageweise. Das 42. Kapitel, auf das die eben zitierte Zeit-angabe zurückweist, handelt ausschließlich von großen Erd-beben, die im Jahre 1356 Verwüstungen anrichteten. Das44. Kapitel beginnt: Item in disem selben jare irhup sich gf°Pjamer, unde qwam daz zweite groß sterben, also daz di lüde ^allen enden in Duschen landen storben mit großen hauten an ä&selben suchte, als si stürben in dem ersten sterben. Natürlichhat man auch im Jahre 1356 das Erdbeben und die Pest zu-sammengesehen als Zeichen des göttlichen Zornes. Es konntekaum ausbleiben, daß die Stimmung von 1349 wieder auf-lebte, die sie als Vorzeichen des Endes der Dinge nahm. Tue*mann will mit der Einreihung des Liedes offenbar selbst andeuten,welcher Art die Not war, die es hat entstehen lassen. Tatsäch-lich wird Ton und Gehalt der Tageweise erst recht verständ-lich, wenn man sie aus solchen Zeit Verhältnissen heraus be-greift. Wenn auch das Jahr 1356 keine Geißlerzüge mehrgebracht hat, es wäre vollauf zu verstehen, wenn es die Er-innerung wach rief an die gleichen und größeren Nöte desJahres 1349 und an die Lieder, die diesen Nöten entsprungenwaren. So wäre also auch äußerlich wohl ein befriedigenderZusammenhang zwischen der Tageweise und der Geißler-liturgie hergestellt.
Aber vielleicht ist der Zusammenhang noch enger. Es istbekannt, wie wenig zuverlässig die Zeitangaben der Limb-