Druckschrift 
Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
Entstehung
Seite
169
Einzelbild herunterladen
 

Die Liturgie (Lied i). igp

herre, vnder eime laste, was swer vnd groß,100 also daz sich die mönscheit bog dar under,

Dar an men dich Seh, herre, Meng,

der schecher zu der rehten hant ruwen enpfieng,

die sunne vergieng

durch dine martel swere:J °s des loß mich, herre, genießende sin,

daz hende, fuße vnd och din lip so vin

durch sünde min

och ie wart Mutes lere.

Maria küniginne,110 durch dine bitter not,

Daz du all an dem erütze

din kint sehe sterben tot

Durch sünde des manschen kunne,

hilff mir zu dinre wunne,Ix s daz ist das hymelbrot.Bartsch 1 ) erklärte beide Strophen als Zudichtung. Es läßtsich freilich nicht leugnen, daß, wenn man zu der Str. 24 ff.uiese beiden hinzunimmt, die Darstellung von Christi PassionWiederholungen und Überschneidungen aufweist. Aber wenn^an den beiden Strophen mit der niederrheinischen Hs. ihrenrichtigen Platz hinter der ersten Strophe gibt, ist doch einklarer, steigernder Aufbau für die Passionsszenen gewonnen.Ue r Reimgebrauch beider Gruppen läßt sich vereinen; diekünstlerische Haltung stimmt überein. Gewichtig scheint^ir vor allem, daß auch diese beiden Strophen die TechnikMitmachen, das letzte, formal schlichteste Strophenstückr ufartig zu halten und mit Rufelementen zu füllen. So haltelc h denn die Strophen für echt.

Damit wird die Bindung der Tageweise an das Geißler-le d, allgemeiner gesprochen: die gedankliche Zusammen-gehörigkeit mit dem Geißlerwesen, noch enger. Die ganzeatrophe 70 ff. behandelt ja, mit deutlicher Bevorzugung, dieei ne Szene von Christi Geißelung. Dies innere Band scheint^ir bedeutsamer als die wörtlichen Anklänge, die sich vielleicht

') In seiner kritischen Ausgabe der Großen Tageweise Germ. 25,0 ff- Die dort benutzten Texte haben sich inzwischen vermehrt,81. Kochs S. 59 Anm. 5 und P. Runge, Die Sangesweisen der KolmarerHandschrift S. 173 f.