Die Liturgie (Lied i). ^59
^r Liturgie eine neue achtzeilige Strophe gegeben, und ob-gleich ihre Zeilen im Bau den a- und b-Zeilen der deutschenLiturgie gleichkommen, — möglicherweise war mit der neuenStrophe auch eine neue Melodie verbunden (Becker S. 361).Nur die vierzeilige deutsche Strophe, die den Abschluß dergenuflexio bildete, Jesus, durch diner namen dri Du mach uns,herre, vor sünden vri usw., ist unverändert und Wort für Wortübernommen worden; hier wird also auch die Melodie wohl diegleiche geblieben sein. Vor allem aber hat der romanische Dichtera us seiner volksliedhaft zusammengewachsenen und dann wiederz ersungenen Quelle ein kompositorisch einheitliches Gebilde ge-dacht. Es ist nicht richtig, wenn Becker schreibt, daß der■Bearbeiter, 'was Inhalt und Form betrifft, nach freier EingebungErfuhr' (S. 361). Er übernimmt vielmehr weithin die Steinea us dem alten Gemäuer, das ihm schief und verfallen scheinen^ußte, und fügt sie zu einem neuen lotrechten Bau. Nachkurzer frommer Einleitung stellt er das an den Anfang, was an^en Anfang gehörte, nämlich Grund und Ursprung der Geißel-buße. Was in der deutschen Liturgie Teil II in bruchstück-uaitem Dialog zu Gehör brachte, Christi Zorn, sein Plan dieWelt zu verderben, Mariens Fürbitte und die Stiftung der^eißelübung, das ist hier, mit leichter Hand umgeformt zu•Anrufen an Gott und die Jungfrau, in zwei Strophen an dieSpitze des ganzen gerückt J ). Dann erst folgt der Aufruf zurGeißelung, mehrfach wiederholt und kunstvoll verflochten mitErinnerungen an die einzelnen Züge von Christi Passion; esls t unverkennbar, wie Teil I der deutschen Liturgie hier denLeitfaden hergibt.
Beim Teil II hatte es der romanische Dichter nicht ganzleicht, weil er das was in der deutschen Liturgie diesen Teillullte, die Begründung der Geißelbuße auf Grund des Himmels-briefes, bereits vorweggenommen hatte. So beginnt er dennWieder mit dem Aufruf zu erneuter Geißelung und dem Hinweis
') Um den Eingang in Ordnung zu bringen, muß ohne Zweifel Str. 2^ lt 3 vertauscht werden (wir zitieren im folgenden nach der BeckerschenAusgabe). Erst dann wird für das Anfangsstück auch der Anschluß an die
e utsche Liturgie deutlich sichtbar: Str. 3, 5 Qui fut prints = R 10; Str. 4, 4'•• Fut pendue en croix = R 11; Str. 4, 6 f. de vo saint sanc ... Fut la croix ver-
"■eille ss R 12; Str. 5, 3 Avec le crueux cop de lance = R 20; Str. 5, 4 D'aisil0 fiel fut destrampez =a R 37.