Die Liturgie (Lied i). jlj^
Ir schlackt euch sereIn Christus ere:
Durch got so lat die syndt mere.Das entspricht, bis auf geringfügige orthographische Ab-weichungen, genau jener ältesten Aufzeichnung, stammt alsoeinfach aus historiographischer Tradition und darf nicht als eineErinnerung an die deutschen Geißler von 1349 gewertet undausgebeutet werden. Nicht ganz so einfach liegen die Dingebei den niederländischen Zeugnissen:
Slaet v seer door Christus eer,
Door God so laet die sonden meer.In dieser den deutschen Texten entsprechenden Fassung bietet'Di excellente Cronike van Brabant' (1530) die Formel (FredericqCorpus 2, 134). Ältere niederländische Quellen zeigen eineWichtige Variante:
Nu slaet u seer door Cristus leer,
Door God so laet die sonden mer*n einer anonymen Bearbeitung (15. Jh.) des Chronicon desJoannes de Beka (Fredericq 1, 197); ebenso in dem Chro-nicon des Johannes a Leydis (15. Jh.) nach Fredericq 1,l 97- Noch stärkere Abweichungen zeigt eine junge nieder-ländische Quelle, 'Het Boek der Tyden in't Körte of ChronykVan de geheele Wereldt' von Wouter vanHeyst, hsg. vonIsaac le Long, Amsterdam 1753 *). Die Chronik ist nach leLong s. V anscheinend in Antwerpen von 1551 bis 1560 ge-schrieben worden. Sie berichtet zum Jahr 1349 m wenigenZeilen vom Auftreten der Geißler und schließt die Notiz mitfolgender Angabe: ende sy seyden weenlick in Duytscher Taele:
Slaet u seere
Deur Christus eere;
En om Godt den Heere
Laet die sonden in allen keere!Daß die Lit. in den Niederlanden, wenngleich aus Deutsch-end eingeführt, ihre Sonderformen gewann, kann kaum be-zweifelt werden. Es wäre denkbar, daß dabei die Schlageformel(wie möglicherweise schon in der Limb. Chron.) wieder an eine
') J. F. Willems, Oude Vlaemsche Liederen (Gent 1848) S. 42 zitiert1'e Verse nach le Longs Ausgabe, freilich sehr ungenau. Sie ist auf deutschenBibliotheken nicht zu erhalten. Ich verdanke die obigen Angaben Herrn°*- Wolfgang Kayser-Amsterdam.