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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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155
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Die Liturgie (Lied i)- 155

Hevet up alle juwe arme,Dat sik god over ju vorbarme!

16 Cr ist wart gelavet mit galten:

Des schulte wi an ein cruze vollen!Wenn dat gesehen was, so stunden se aver mit sänge up und slogen sik alsv ore. Wenn se uphoren wolden, so reip or meister: 'Gi sunder, vor dat cruze!'(Alsdann folgt die Absolutionszeremonie).

Die durch diese Fragmente dargestellte Fassung der Lit.gehörte dem Gange der Liedentwicklung nach zwischen dieoberdeutschen Fassungen RC und die niederdeutsche O, ohnedaß man sich doch diese Entwicklung als ganz gradlinig denkendürfte: V. 4 f. bleibt mit behavet der Grundform näher, entferntsich aber durch die Auffüllung beider Verse weiter von ihr als0; diese Auffüllung hat offenbar den Zweck, aus der ursprüng-lich binnenreimenden Zeile ein Reimpaar zu machen. Greifbarist der weitere Abstand auch in V. 6, wo unter dem assoziativenEinfluß von geselle 3 mit om to sin eingetreten ist: es hat gewißseine Bedeutung, wenn das neue Reimwort sin dem alten sinklangnah geblieben ist. Eindeutig ist Str. 2 Übergangsstufev on RC zu O. Bemerkenswert ist, wie in den aushöhlendenZeilen 10 f. jenes Hinübergleiten der Lit. in Gedankengangu nd Stimmung allgemeingültiger Bittfahrtleise sich leise an-kündigt, das aus O schon deutlicher spricht. Das doppeltehevet 12 und 14 vergleicht sich mit C. Die Umstellung 16 f.(hinter 1215, statt wie sonst davor) würde, wenn sie Gewährhätte, auf eine Änderung der Handlung bei der genuflexiodeuten: erst Gebet (natürlich auf den Knien), dann Kreuzfall,statt wie gewöhnlich umgekehrt. Das wäre eine Abschleifungdes älteren Brauches (s. S. 14); aber Magd, steht mit diesemZeugnis allein, gegen RCOLimb.

Die Fragmente der Liturgie, die Förstemann S. 264 undnach ihm Pfannenschmid S. 171 aus der 'Chronica der Sachsen'des Johannes Pomarius (Wittenberg 1589) S. 384 ausgehobenhat, bedeuten eine Überlieferung ohne selbständigen Wert. DennPomarius hat einfach die niederdeutschen Bruchstücke derMagdeb. Schöppenchronik ins Hochdeutsche umgesetzt.

Gelegentlich sind einige Zeilen aus dem Begleittext dergenuflexio für sich überliefert. Es begreift sich, wenn gerade