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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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152 Die deutschen Geißlerlieder.

ins kleine gehend die Schilderung ist, die Tilemann seinen Ge-währsleuten verdankt, sie erweckt durch gewisse Unstimmig-keiten Verdacht. Nach Closener warfen sich die Geißler amAnfang und Schluß der ganzen Bußhandlung zu Boden in Hal-tungen, die die von den einzelnen zu büßenden Todsündenandeuten sollten, um alsdann von ihrem Führer durch Spruchund Geißelschlag absolviert zu werden; in den Zwischenteilender Lit. dagegen warfen sie sich, wie der Text es andeutet,einfach mit kreuzweis gespreizten Armen zu Boden, um imAnschluß daran auf den Knien um Abwendung des großenSterbens zu bitten. Nach dem Bericht der Limb. Chron. istbeides vermengt; der Absolutionsakt ist also in die genuflexiohineingeschoben, so schwer das aus der Situation heraus vor-stellbar ist. An sich ist natürlich mit einer Weiterentwicklungauch im äußeren Zeremoniell der Lit. zu rechnen; es läge dannhier eine Kontaminationserscheinung vor, gewissen Vorgängenin der Volksliedentwicklung vergleichbar. Aber näher liegt es,mit einer Verwirrung zu rechnen, die erst in der Überlieferunghervorgerufen worden ist.

Was den Text der Fragmente anlangt, so lassen sie aufeine Fassung der Lit. schließen, die, wie geographisch zu er-warten, zwischen den oberdeutschen und der niederdeutschenmitteninne stand, doch so daß sie sich mehr zu O als zu RCstellt. Die Fassung von V. 4 könnte wie eine Ableitung aus demNd. erscheinen (Reim havet: lavet), doch s.o. S. 145; die Verse14 f. dagegen stellen offenbar eine Vorstufe von O 39 f. dar,

stunden vorne roden cruze, ttnde iglicher fürte sine geisein vur ime hangen undesongen ire leisen. Dann folgen einige genauere Angaben über die Leise, diedem musikalisch interessierten Tilemann nahe lagen, und unmittelbar danachgeht es weiter: Unde wanne si in di kirchen qwamen, di daden si zu unde dadenire kleider bit uf ire niderkleit usw. S. 31, 21 ff., 32, 2 ff.; vgl. sed cum adcivitales, urbes et villas magnas et opida venissent, processionaliier incedebant,capuiio vel pileo parum ad frontem velandam protracto, iristibusque et demissisoculis, per plateas, cum cantu devoto dulcique melodia. Et sie ecclesiam intrantes,claudunt eam super se, vestes deponentes, sub custodia ponunt usw. Liber dereb. memorab. S. 281. Das ist doch wohl mehr als ein 'leichter Anklang' (WyssS. 14) und scheint irgendwie auf quellenmäßigen Zusammenhang zu deuten.Die Bindung des Geißelumgangs an die Kirche, um die herum die Prozessionsich bewegte, hebt den Bericht der Texte Limb, und O von RC ab. Anderseitserinnert Limb, bei der Schilderung der genuflexio wieder an C: erst knien dieGeißler nieder, dann werfen sie sich kreuzweis zur Erde S. 32, 18; betontanders bei Heinrich von Herford.