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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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150 Die deutschen Geißlerlieder.

aufgegeben und die Melodie der Sünderstrophen angenommenhatte. In O verstärkt sich der Verdacht, daß die Melodie zummindesten nicht mehr dieselbe war, wie sie Hugo von Reutlingenaufgezeichnet hat. Die Auseinanderziehung der knappen auftakt-losen Verse R 115117 mit ihren Binnenreimen zu zwei vier-zeiligen Strophen, die sämtlich Auftakt zeigen, ist ohne Zweifelauch von einer musikalischen Umsetzung begleitet gewesen.Freilich haben diese Strophen durchweg klingenden Ausgang(wie die vor ihnen eingeschobene Marienstrophe 27-30, mit dersie sicherlich musikalisch gleichliefen). Die übrigen Strophenlassen dagegen noch, wenn auch mehr oder minder verwischt,die alte echte Teilung erkennen: klingender Stropheneingang,stumpfer Strophenausgang; eine Teilung, die nach Hugo vonReutlingen von verschiedenem melodischen Satze begleitet undbegründet war. Genaueres wird sich über die musikalische Ge-stalt des späten Textes von O kaum je sagen lassen; aber dasdarf man mit Grund vermuten, daß der Reichtum an melodi-schen Formen, den die Lit. bei Hugo von Reutlingen aufweist,allmählich mehr und mehr vermindert worden ist.

Nebenquellen.Die Fassung der Limburger Chronik.

Ausgabe von Wyss (Mon. Germ., Deutsche Chroniken VI i) S. 32, 5-

Unde gingen umb den kirchob zwene linde zwene bi einander in einer pro-

cessien, als man plihel umb di kirchen zu gan, unde songen, unde ir iglich sWi

sich selber mit siner geisein . . . unde drugen cruze, kerzen unde Janen vur, unde

ir sang was also, wanne si umbgingen :

1 Tredet herzu, wer büßen welle,so flihen wir di heißen helle.Lucifer ist böse geselle,wen he hat,mit beche er in labet.

Des was noch me. Unde in dem final des sanges songen si :

6 Jhesus wart gelabet mit galten,Des sollen wir an ein cruze fallen.

So knieten si alle nider unde slugen alle cruzewise mit ttßgei achten arr> ieUunde henden uf di erden unde lagen alda. Unde hatten under sich gemachet er"groß vurderplich dorheit unde motteten, iz were gut: Mit narrten wanne si gefall" 1waren, wer da under in was der sin e gebrochen hatte, der lachte sich uf sine svte,das man solde sehen, daz he ein ebrecher were. Unde wer ein mort getan hatte 1. . . der wante sich umb und lachte sich uf sinen ruchc usw.