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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
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142 Die deutschen Geißlerlieder.

dem Bau der b-Zeilen in R aus geurteilt Wand er hette / daz bechze Ion ebenso unglaubhaft ist wie Wand er het / daz bech ze Ion,weil dieser Zeile nie der Auftakt fehlt und nach der musikali-schen Figur nicht fehlen darf. Ähnlich liegen die Dinge inV. ioo (Zwar der muße in der helle pin) Eweklich verloren sin,wo der Auftakt und vor eweklich vom Standpunkt einer aufeinen glatten Lesetext hinsteuernden Redaktion anstößigsein mochte, musikalisch aber nicht zu entbehren ist. Eineähnliche Änderung, die den Text 'bessern' will, sich aber mitseiner alten melodischen Form in Widerspruch setzt, in V. 75 *)Besonders greifbar wird das Verzerrende der Überarbeitung,wenn man die melodische Form zum Maßstab nimmt, an demZwischenteil, V. 40 ff. Die Herstellung der Vollformen hende,arme usw. im Reim ist mit dem musikalischen Satz von Rnicht in Einklang zu bringen. Äußerer Gleichmäßigkeit zuliebewird der klingende Reim auch noch in dem Reimpaar 44 feingeführt, ohne Not. Und erst V. 46 f. bricht die ursprüng-liche Form wieder durch. Nun ist freilich eine offene Frage,wieweit wir berechtigt sind, den Closenerschen Text mit demMaße der für R überlieferten Melodien zu messen. Es wärean sich denkbar, daß auch die melodischen Formen derGeißlerliturgie sich allmählich abgeschliffen und vereinfachthätten, namentlich was die musikalischen Sonderformen desZwischenstücks und des Schlußteils anlangt. Aber diese Frage,die nur neue Funde klären könnten, darf für unsere Zweckebeiseite bleiben.

Das jedenfalls kann keinem Zweifel unterliegen, daß unsClosener kein wirkliches Volkslied mehr gibt, sondern einliterarisiertes. Seine Aufzeichnung folgt nicht mehr einemgehörten Text, sondern einem geschriebenen und will auchnur ein lesbares Stück Literatur liefern. Gewiß kann zweifel-haft sein, auf welcher Stufe der Überlieferung die Literari-sierung erfolgte. Der handschriftlichen Weitergabe der Closener-schen Chronik wird man sie nicht zur Last legen. Denn unsereKenntnis der Chronik fußt auf einer sauberen Abschrift desOriginals, so darf man mit Hegel (Ausg., Einl. S. 13) annehmen-Wir lesen die Liturgie in allem wesentlichen also offenbar inder Fassung, die Closener ihr gegeben hat. Aber als er in den

T ) Auch V. 43 ist in der Fassung von C melodisch anstößig, wird aber durchO gestützt.