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Die deutschen Geisslerlieder : Studien zum geistlichen Volksliede des Mittelalters
Entstehung
Seite
143
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Die Liturgie (Lied i). 143

Jahren um 1360 an dem Werk schrieb, hatte er ein Konzeptmi t den Geißlerliedern vor sich. Der eigentümliche Fehlererklüget die steine 89, den man vielleicht durch Verlesung vonwklübet deuten darf, geht möglicherweise bis auf dies Konzeptzurück; auch ir 105 würde sich am leichtesten als aus iv ver-lesen erklären; vgl. überdies die nicht wenigen Wortaus-kssungen, zumal einen Fall wie Die [erde] erbidemet 89. Eineschriftliche Aufzeichnung älteren Datums, so also lautet dieWahrscheinlichste Annahme, hat Closener schriftstellerisch

überarbeitet.

Sein Text, nach dem man allgemein bislang die Geißler-Ht urgie beurteilte, hat also hinter dem Hugos von ReutlingenZu rückzutreten.

Der Text O ist ein höchst wertvolles Zeugnis für dieWachstums- und Wandlungserscheinungen eines mittelalter-Kchen Volksliedes echtester Art. Es fehlen genaue Datend arüber, wann die Geißler in Westfalen aufgetreten sind. Aberna ch dem geographischen Gesamtbilde, das die vom deutschenSüdosten her sich ausbreitende Bewegung gewährt, darf manNehmen, daß Westfalen erst verhältnismäßig spät von denGe ißlerzügen betroffen worden ist. Es ist also nicht nur ver-ständlich, sondern fast zu erwarten, wenn sich in einer west-fäl ischen Aufzeichnung die Liturgie volksliedhaft weitergebildetZei gt. Es fragt sich aber, ob die starke Modelung, in der derTex t 0 die alte oberdeutsche Liturgie darstellt, sich alleinau s dem langen Wege erklären läßt, den das Lied bis nachWestfalen zu machen hatte. Auch die Tatsache, daß es vonh °chdeutschen an niederdeutsche Zungen weitergegeben wurde,re icht nicht aus, um seine Wandlungen zu erklären. Vielmehrm acht sich der Gedanke geltend, ob wir hier nicht schon eineAu fzeichnung aus dem Stadium der sinkenden Geißlerbewegungv ° r uns haben: wenigstens entspricht es dem äußeren Zustande^ es Liedes, wenn auch innerlich ein Absinken in eine andere£ bene spürbar wird.

Vergleicht man den Text O mit R und C, so zeigt sich,

|} er zwischen den beiden besseren Texten mitteninne steht,

° c h so, daß sich bei Abweichungen im einzelnen O etwa doppelt

So °ft zu R stellt wie zu C. Aber nur ein grober Blick könnte

Slch bei der Annahme beruhigen, daß der Text O allein von