Die Liturgie (Lied i). 141
einen objektiven Zeugen; und dieser Zeuge sagt fast überall,Wo sich bei C der Verdacht eines glättenden, literarisierendenEingriffs regt, gegen den Closenerschen Text aus und stelltsich neben R. So ist das grammatisch einwandfreie im sunde n süßen 62 unecht, volksliedhaft ist ir kint so süssen R(wobei als Ausgangsform von sossen offenbar sosse anzunehmenist ). Ähnlich eins speres stich 23 gegen ain sfier, ainn stich RO.A Uch weniger sprechende Fälle gewinnen von den sicherenau s gesehen Bedeutung: von blute rot C 15, des bluotes RO;"hangen C 14, gehangen RO; si C 18, ist RO; nu brechen C 68,abrechen RO; allen geliche C 55, all RO; iemer me C 85, ewec-lic h RO. Bei rythmischen Unterschieden dasselbe Bild: Wort-stellungen zum Zwecke glatteren Wechseltons in C 25. 51gegen RO. Auch die metrisch belanglose Umstellung in V. 33.8 2 C (der übrigens eine ganz gleichartige in V. 76 entspricht)wi rd nunmehr verdächtig, wo wir wieder R 30 und O 85 in derschlichteren Stellung Ir sint dem lieben got ummere zusammen-gehen sehen. Dasselbe gilt für eine Reihe von Versen, wo Zu-satz oder Unterdrückung von Formwörtern den Auftakt be-einflußt; V. 38 und 71 weisen in C, was den Auftakt anlangt,G leichläufigkeit des Reimpaars auf, gegen RO. Anders freilichV -&3, wo die Fassung von C durch O gestützt wird, undV - too, wo ohne Zweifel der echte Auftakt von C beseitigtls t, aber nicht aus rythmischen, sondern aus logischen Gründen,überhaupt hat man den Eindruck, daß dem Aufzeichnerdieses Textes an der stilistischen Form sehr viel mehr als ander rythmischen gelegen war.
Darin nämlich liegt innerlich der größte Unterschied vonR und C, daß Hugo von Reutlingen ein gesungenes Lied zurAufzeichnung bringen wollte, während Closeners Text keinerleiRücksicht auf eine Melodie nimmt. Diesem Texte kommt esauf die unverkürzten Wortformen, auf das glatte Lesebild,nic ht auf das Liedgerechte der Aufzeichnung an. Ihn kümmertdie Silbenzahl der Takte und der Verse nicht, die von R soer nsthaft beachtet wird: zehnsilbige Verse sind nicht selten;V - 68 bringt es gar auf zwölf. So wären also vielfach mehr oderWeniger starke Modelungen des Schriftbildes nötig, um denAn schluß an die melodische Phrase von R zu gewinnen. Undei nzelne Verse lassen sich überhaupt nicht mehr oder nur nochgewaltsam auf die Melodie von R bringen; so V. 5, wo von